Aus der Erinnerung erwächst Verantwortung
Volkstrauertag – Zentrale Gedenkfeier für Baden-Württemberg in Stuttgart
Am Volkstrauertag (13.11.2011) waren etwa 350 Gäste der Einladung des Landesverbandes zur zentralen Gedenkfeier in den Weißen Saal des Neuen Schlosses gefolgt. Der Landesvorsitzende, Dr. Norbert Nothhelfer, konnte als Vertreter der Landesregierung den Innenminister des Landes Baden-Württemberg, Reinhold Gall, MdL sowie eine Reihe von Landtagsabgeordneten aller Fraktionen begrüßen. Innenminister Gall war auch Hauptredner der Gedenkveranstaltung. Die Stadt Stuttgart war vertreten durch ihren Ersten Bürgermeister, Michael Föll. Unter den Gästen waren ferner der Präsident des Staatsgerichtshofes Baden-Württemberg, Eberhard Stilz, die Regierungspräsidenten aus Stuttgart und Tübingen, Johannes Schmalzl und Hermann Strampfer, der französische Generalkonsul Michel Charbonnier und Vizekonsulin Dr. Miriam Altadonna vom italienischen Generalkonsulat. Für die Bundeswehr waren der Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg, Oberst Michel Kuhn, sowie Generalleutnant Markus Bentler, der Kommandeur des Kommandos Operative Führung Eingreifkräfte in Ulm, und der stellvertretende Kommandeur der 10. Panzerdivision, Brigadegeneral Manfred Hofmeyer, gekommen. Anwesend waren Vertreter der Kirchen, der Israelitischen Religionsgemein-schaften Badens und Württembergs sowie Repräsentanten zahlreicher Verbände.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Kammerchor und Streichquartett des Goethe-Gymnasiums Ludwigsburg unter der Leitung von Grit Steiner sowie von zwei Solisten des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart. Zwei Schülerinnen und ein Schüler dieses Gymnasiums setzten darüber hinaus einen eigenen Akzent mit dem Vortrag des letzten Feldpostbriefes eines gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges. Dieser Gefallene war Schüler desselben Stuttgarter Gymnasiums gewesen.
In seiner Einführung wandte sich der Landesvorsitzende zunächst an die noch lebenden Angehörigen der Kriegstoten, aber auch an die Familien der im Auslandseinsatz in Erfüllung ihres Auftrags ums Leben gekommenen Soldaten der Bundeswehr, der Mitglieder der Polizei und anderer Einsatzkräfte. Er versicherte ihnen die Verbundenheit aller Anwesenden und drückte die Hoffnung aus, dass sie diese bei der Gedenkfeier auch spüren mögen.
Dr. Nothhelfer kam sodann auf die immer noch anhaltende Suche nach den Grablagen der im Zweiten Weltkrieg im Osten Europas gefallenen deutschen Soldaten zu sprechen, erwähnte die Einweihung der zweiten Kriegsgräberstätte in Weißrussland, den Baubeginn des letzten von insgesamt 19 großen Sammelfriedhöfen in der Russischen Föderation in der Nähe von Smolensk und stellte die gute Kooperation mit den dortigen Partnern heraus. Angesichts der Schrecken und des Leids, die der Krieg über die Menschen in Osteuropa gebracht habe, sei ihre Aufgeschlossenheit für die Anliegen des Volksbundes und ihre Bereitschaft zur Versöhnung bemerkenswert. Auch auf dem Balkan, wo bisher Kriegsgräberabkommen nur mit Slowenien und Kroatien existierten, seien die Bemühungen vorangekommen. Im August sei das Abkommen zwischen Deutschland und Montenegro unterzeichnet worden, und bereits im September habe der Landesverband Baden-Württemberg erstmals eine Jugendgruppe zu einer zehntägigen Begegnung mit einheimischen Jugendlichen in den kleinen Balkanstaat entsenden können. Am Beispiel Montenegros werde deutlich, dass die Arbeit des Volksbundes weit über die bloße Anlage, Pflege und Erhaltung deutscher Kriegsgräberstätten im Ausland hinausgehe, so der Landesvorsitzende. Auch die Zusammenführung der Menschen, die gemeinsame Aufarbeitung der leidvollen Geschichte sowie die Beschäftigung mit der Erinnerungskultur sei Teil der Arbeit und für das gedeihliche Zusammenleben im gemeinsamen Europa unverzichtbar.
Innenminister Reinhold Gall unterstrich in seiner Rede die Bedeutung des Volkstrauertages als Friedensmahntag, der im ganzen Land mit vielen Gedenkveranstaltungen vor Ort begangen werde. Die meisten Menschen, ganz gleich auf welchem Kontinent, wünschten sich nichts sehnlicher als in Frieden zu leben. Wer dem Volkstrauertag keinen Platz mehr einräumen wolle sollte bedenken, dass niemals in der Geschichte der Menschheit so viele Menschen Opfer von Kriegen, Verfolgung, brutaler Gewalt und Terror geworden seien wie im vergangenen Jahrhundert. Aus der Erinnerung an die Millionen Toten der beiden Weltkriege und an die Millionen Opfer der Gewaltherrschaft, aber auch aus der Erinnerung an diejenigen, die im Widerstand gegen das verbrecherische Regime ihr Leben lassen mussten, erwachse für uns heute die Verpflichtung, aktiv einzutreten für die Achtung vor dem Leben, für die freiheitliche Demokratie sowie für die Erhaltung von Sicherheit und Frieden. Soldaten der Bundeswehr riskierten ihr Leben in Afghanistan und in anderen Teilen der Welt, um den Aufbau von Staaten zu unterstützen, die den Menschen ein Leben in Freiheit und Frieden ermöglichen. Der Volkstrauertag sei auch ein Tag der Trauer um die im Auslandseinsatz gefallenen Soldatinnen und Soldaten sowie ein Tag des Mitgefühls mit ihren Angehörigen.
Für die Soldaten und anderen Einsatzkräfte, die mit Mandat der Internationalen Gemeinschaft und im Auftrag des Deutschen Bundestages im Ausland unter gefährlichen Bedingungen ihren Dienst tun, in Afghanistan unter Einsatz ihres Lebens, forderte der Innenminister mehr Rückhalt hier in der Heimat.
In der Nachrichtensendung „Baden-Württemberg aktuell“ des SWR-Fernsehens wurde am selben Tag um 19.45 Uhr kurz über die Gedenkfeier berichtet.




