Infozentrum über den „Menschenfresserberg“ im Elsass eröffnet

Ein Informationszentrum veranschaulicht, was vor gut 100 Jahren im Ersten Weltkrieg auf dem Hartmannsweilerkopf geschah.

8. August 2017 Bärbel Nückles

Der französische Historiker Nicolas Offenstadt im neu eröffneten Historial (Foto: Bärbel Nückles)

Was geschah auf dem "Menschenfresserberg", wie die Soldaten im Ersten Weltkrieg den 956 Meter hohen Hartmannsweilerkopf in den Südvogesen irgendwann nur noch nannten? Seit dem 3. August 2017 können sich Besucher ein Bild davon machen, wie sich dort Deutsche und Franzosen vor gut 100 Jahren gegenseitig umbrachten - 30 000 Menschen starben, doppelt so viele wurden verletzt, ohne jeden Sinn.

Ab sofort ist das deutsch-französische Informationszentrum, ein sogenanntes Historial, geöffnet. "Bislang fand hier auch kein Gedenken an die deutschen Toten statt; das ändert sich ab heute", betonte am Mittwoch Martin Lunitz, Geschäftsführer des Landesverbandes Baden-Württemberg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der sich an der Finanzierung des Historial beteiligt hat.

Weder ein Museum noch eine Gedenkstätte solle es sein, sagt der Architekt des Historial, Gilles Marty. Das Gebäude fügt sich mit seiner an eine Mandel erinnernden Grundform sehr gelungen in die Landschaft des Berges, ist von der Straße aus gut sichtbar, drängt sich mit seinen hellen Materialien jedoch nicht in den Vordergrund.

Auf den Eingangsbereich mit einem Besuchercafé folgt die Ausstellung in drei Abschnitten. Eine Einführung leistet ein Dokumentarfilm, der, wie der französische Historiker Nicolas Offenstadt betont, die globale mit der lokalen Ebene der Kämpfe am Hartmannsweilerkopf vernetzt. Offenstadt und der Deutsche Gerd Krumeich haben als Spezialisten des Ersten Weltkriegs dem historischen Beirat des Historial vorgestanden. Zusammen haben sie dafür Sorge getragen, dass die deutsche wie die französische Perspektive zum Tragen kommt.

Die eigentliche Ausstellung geht die militärische und soziale Dimension des Gebirgskrieges thematisch an: Kampferlebnisse, Solidarität, Logistik, Evakuierung, Trauer sind ausgewählte Beispiele. Einer der interaktiven Monitore listet Namen für Namen die Toten der Kämpfe auf, das Ergebnis einer Archivrecherche, die eigens für das Historial geleistet wurde. Im abgedunkelten "Tambour", dem Herzstück des Historial, verbinden sich die Originalschilderungen von Soldaten zu einer sinnlichen Augenzeugenschaft. Vorgetragen werden sie von deutschen und französischen Sprechern. "Die Gräben sind so nah, dass wir die Deutschen singen hören", ist etwa dem Fluss dieser Stimmen zu vernehmen, während Lichtpunkte auf einer Reliefkarte den jeweiligen Standort in den Vogesen markieren. Im für Sonderausstellungen reservierten Bereich ist derzeit die seit 2014 durch Baden tourende Ausstellung "Menschen im Krieg am Oberrhein 1914-1918" zu sehen.

Man darf das Historial als eine gelungene deutsch-französische Kooperation loben, wäre da nicht die missglückte Aufteilung bei der Finanzierung. In das Projekt mit Gesamtkosten in Höhe von 4,8 Millionen Euro haben neben einigen privaten Sponsoren maßgeblich französische Institutionen investiert.

Mehr Informationen unter: http://www.memorial-hwk.eu

Autorin: Bärbel Nückles (Korrespondentin Badische Zeitung, Straßburg)

Quelle: Badische Zeitung: "Infozentrum über den „Menschenfresserberg“ im Elsass eröffnet", 9.8.2017 (externer Link).

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