Gedenkarbeit

Neben vielen Besuchen auf Kriegsgräberstätten im In- und Ausland anlässlich unserer Reisen, stets verbunden mit Kranzniederlegungen und Gedenken an die dort bestatteten Kriegstoten und in der Region vermissten deutschen Soldaten, sind die Gedenkfeier am  Ehrenhain für die Bombenopfer Münchens am Nordfriedhof in München an Allerheiligen und die Gedenkfeier im Herkulessaal der Residenz in München am Volkstrauertag mit der anschließenden Kranzniederlegung am Ehrenmal im Hofgarten die zentralen Gedenkveranstaltungen.

 

 

Persönliche Eindrücke und Reisebericht zur 100jährigen Gedenkfeier der 3. Flandernschlacht auf der Kriegsgräberstätte in Menen/Belgien


Am 5. Oktober startete mit zunächst nur 11 Personen der Bus um 7:00 Uhr vom ZOB Hackerbrücke. In Montabauer wurden noch 3 weitere Mitreisende aufgenommen. Leider hatten wir durch einen Stau vor Würzburg eine Verzögerung von mehr als 2 Stunden. Dadurch kamen wir in Kortrijk in Flandern erst um 22:00 Uhr an. Im Hotel hatte man uns aber sogar noch ein Nachtmahl serviert.
Der nächste Tag begann zunächst mit einer Stadtführung in Kortrijk. Temperamentvoll und wortreich erzählte der Stadtführer die Geschichte der Stadt und der Region Flandern, wobei wir das Rathaus, die Grafenkapelle und den Beginenhof besichtigten. Die Beginen waren eine Gemeinschaft von frommen Frauen.
Zum Großereignis fuhren wir bereits um 12:30 Uhr mit unserem Bus nach Menen direkt an der französischen Grenze zum deutschen Soldatenfriedhof auf dem die Gedenkfeier stattfand. Es trafen dort mehr als 350 geladene Gäste und nochmal um 150 Zuschauer zu der Gedenkfeier zusammen. Für mich besonders auffällig war die große Anzahl von Uniformierten  verschiedener  Armeen.  Sicherlich waren es Angehörige der belgischen Streitkräfte von Heer, Marine und Luftwaffe, die die Mehrheit bildete. Und besonders "exotisch" in unseren Breitengraden war ein großes Kontingent aktiver Soldaten und Soldatinnen darunter sogar Maoris aus Neuseeland vor Ort. Gleichsam waren vor allem Reservisten und auch Aktive der Bundeswehr anwesend. Da in der Mehrheit hohe Offiziere und Oberstabsfeldwebel. Da mir nicht bekannt war, ob nach Nationalitäten der Einheiten angetreten wird, hielt ich als einziger Unformierter unsere Gruppe Ausschau, an wen ich mich wenden könnte. In der Menge erblickte ich einen "Spies", der sich mit einem Oberst unterhielt. Ordnungsgemäß mit Dienstgrad und aus München kommend stellte ich mich vor. Offensichtlich besonders freundlich überrascht, dass auch noch aus München jemand anreist, unterhielten wir uns eine zeitlang. Es wurde mir jedoch in lockerer Form auf die markierten Sitzplätze hingewiesen.
Der deutsche Soldatenfriedhof in Menen ist mit ca. 48.000 Gräbern der größte Ehrenfriedhof in Belgien und Ruhestätte deutscher Soldaten, die vor allem in den Schlachten von Ypern, drei der vier Flandernschlachten, in der auch bereits massiv Giftgas eingesetzt wurde und der Schlacht von Messines, fielen. Der Friedhof wurde bereits 1917 angelegt und davon dabei bis Kriegsende über 6300 Gefallene bestattet.  Nach 1954 vereinbarte man, die verstreuten deutschen 128 Soldaten-friedhöfe nunmehr auf vier in Flandern zusammenzulegen, als größter deutscher Soldaten-friedhof des 1. Weltkrieges der in Menen.   Die Anlage wird vom Volksbund Deutsche Kriegs-gräberfürsorge gepflegt. Die Patenschaft hat das Land Nordrhein-Westfalen übernommen.
Um 14:00 begann die Gedenkveranstaltung mit einem Musikstück der Königlichen Musikkapelle der belgischen Marine und der Begrüßung durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit einer langen Aufzählung der Gäste. Nacheinander wurden die Oberbürgermeisterin der Stadt Menen, der Gouverneur von Westflandern, mehrere Botschafter, der belgische Verteidigungs-minister, General Schneiderhan Präsident des Volksbundes, Angehörige der anwesenden Streitkräfte von Belgien, der Bundeswehr, Neuseelands, USA, Australien, Vereinigtes Königreich, aller Reservisten, Vereine und Jugendorganisationen aufgerufen.
Gleichsam traten eine ganze Reihe der Erwähnten an das Rednerpult und hielten ihre Ansprachen. Zwischen den Ansprachen wurden Musikstücke aufgeführt, besonders zu erwähnen ein Maori-Lied mit einem Folkloretanz der New Zealand Army. Eine bewaffnete Abordnung der belgischen Armee marschierte zwischen die Gräber und präsentierte auf Kommando. Drei Bundeswehr-reservisten von Heer, Marine, Luftwaffe traten vor die lange Reihe der Soldatengräber, und es erfolgte in einer wiederum langen Aufzählung  die Kranzniederlegung. Über 50 waren es, dabei überreichte man immer gleichzeitig drei Kränze der Aufgerufenen. Wobei die drei Reservisten die Kränze in Empfang nahmen und dann auf die vorgesehene Position legten oder an den Halterun-gen anbrachten. Dazu erklang sehr virtuos das Musikkorps "Ich hatte einen Kameraden" und danach das britische Trompetensolo "Last Post". Dabei erhoben sich alle Anwesenden und alle Uniformierten salutierten. Zuallerletzt erschall noch "Flowers of the Forrest" eines Scottish Bagpiper. Am Ende der Gedenkzeremonie erhoben sich alle, die Uniformierten salutierten und das Marineorchester spielte in Reihenfolge die Europahymne, die Nationalhymne Deutschlands und die Nationalhymne des Königreichs Belgiens.
Im Anschluß hatten Angehörige Zeit, die Gräber der gefallenen Familienmitglieder zu besuchen. Auch zu manchen Fotoshootings stellte man sich auf und die fanden sich sogleich in den Webseiten der deutschen Botschaft und belgischer Gedenkseiten oder Gazetten wieder. Gleich darauf fuhren alle geladenen Gäste in die Stadthalle von Menen zum Stehempfang. Dort wurden Häppchen gereicht und reichlich verschiedene Getränke geboten. Mir einer Ansprache sowie musikalischer Darbietung und die Präsentation eines  Wandteppichs von Dorian Johannsen aus unserer Gruppe, den eine Verwandte während der Flandernschlachten knüpfte als ihr Mann an der Front vor Ort kämpfte, unterhielt man sich in lockerer Atmosphäre.
Da fiel mir nun auf, dass fast nur hohe Dienstgrade der Bundeswehr erschienen waren. Mehrere Generäle und Oberste konnte ich erst jetzt realisieren. Etwas verunsichert als rangniedrigster Dienstgrad, hielt ich mich mehr am Hallenrand auf und wurde doch gleich von Generälen angesprochen. Wiederum freundlich überrascht als ich mich als Münchner vorstellte. Sogar General Schneiderhan begrüßte mich mit einem "hallo Herr Diermeier, ich grüße sie", als ob er mich tatsächlich kennen würde. Ich war so perplex, dass ich mit dem Bierglas in der Linken auch noch salutierte. Wir unterhielten uns und wechselten einige Sätze, auch er bemerkte den Münchner.  Nach etwas mehr als 2 Stunden löste sich die Versammlung rasch auf und wir fuhren nach Kortrijk zum Abendessen zurück.
Am Samstag fuhren wir zunächst zu einer kurzen Stadtbesichtigung nochmals nach Menen. Nach dem Mittagessen ging es in damaligen Frontbogen. Flaches, leicht hügeliges Gelände empfing uns. Man darf dabei nicht vergessen, dass hier heftiger Artilleriebeschuß statt fand. Keines der Gebäude war älter als 90 Jahre mit Ausnahme der wiedererbauten Kirchen. Der Waldbewuchs war nach den Schlachten vollkommen zerstört. Alte Aufnahmen zeigen nur zerfetzte Baumstümpfe, eine von Regen und Grundwasser morastige Trichterlandschaft  und Mauerreste. Hie und da noch alte erhaltene Bunker. Die allermeisten wurden gesprengt und abgerissen und mit dem verbauten Eisen und Stahl, verdienten sich bis in die 50iger Jahre die Einwohner ihren Lebensunterhalt. Jedes Jahr werden noch an die 200 Tonnen Blindgänger und Granaten geborgen, sogar zu Explosionen kommt es noch. Da es sich bei den Flandernschlachten um einen jahrelangen Stellungskrieg handelte, sind hier immer noch unentdeckte Stollen, in denen besonders die britische Armee  versuchte, die höher gelegenen deutschen Stellungen zu untergraben und gleich mit bis zu 50Tonnen Sprengstoff zu sprengen. Das gelang auch und einen dieser riesigen Krater, heute ein runder bewachsener Teich, wurde von uns besucht. In den 50iger kam es zur letzten unkon-trollierten Explosion solch eines Stollens. Wissentlich existieren noch mehrere. Wir besuchten auch noch den "Bayernwald", der heißt tatsächlich heute noch so. In dem Wald waren Einheiten des bayrischen Armeekorps eingesetzt. Auch Adolf Hitler hatte hier seine Kriegserlebnisse. In dem Wald ist auf einer großen liegenden Bronzetafel das modellierte Gelände und der Frontlauf nachgestellt. Umkämpfte Ortschaften und Anhöhen wie der Kemmelberg sind nachgebildet. Sogar die großen Explosionstrichter hat man nicht ausgelassen. Im Wald selbst kann man sich in den mit Weidenholz verstärkten Gräben einen Eindruck verschaffen, auch einige kleine flache Bunker sind erhalten, in die man nur in tief gebückter Haltung stehen kann. Etwas weiter davon entfernt steht noch ein erhaltener größerer Divisionsbunker.
Danach fuhren wir nach Ypern. Auf dem Weg dorthin wurde noch einer der größten britischen Soldatenfriedhöfe der Tyne cot leper besucht, der aber so ganz anders angelegt war.  Ypern lag direkt ab 1914 an der Westfront und war stark umkämpft und zerstört. Ypern wurde auch zum Synonym des Gaskrieges, da es hier 1915 zum ersten Einsatz von Chlorgas durch deutsche Truppen kam und 1917 erstmals Senfgas. Neben original wiederaufgebauten historischen Gebäuden zieht aber die allergrößte Aufmerksamkeit ein täglich wiederholtes Zeremoniell Zuschauer an. Seit 1928 wird täglich um 20:00 im "Menentor",  "Last Post" gespielt. Außer während des 2. Weltkriegs, erschall bis heute das Trompetensignal zum Gedenken der gefallenen Soldaten des Commenwealth des 1. Wetlkriegs, über 30.000x unter dem Torbogen, sehr ähnlich eines Triumphbogens. Innerhalb des Torbogens sind  über 54.000 Vermisste der vier Flandernschlachten eingemeißelt. Neben einer Fahnenabordnung gleich unserer, trat auch ein Zug alter US Marines an. Während eine Sängerin ein Gedenklied anstimmte, wurde in sehr rascher Abfolge, gleiche kleine Kunststoffkränze mit den traditonellen roten Blüten in einem auf einer nach oben führenden Treppe in einem Seitenbogen abgelegt. Danach hallte das Trompetensignal in dem Bogen und sogleich löste sich die gesamte Zuschauermenge auf. Nach dem Abendessen in einem Lokal in Ypern fuhren wir zurück nach Kortrijk.
Am Sonntag starteten wir um 8:00 Uhr und diesmal ohne Stau und Verzögerung ging es in 14 Stunden bis 21:00 Uhr zurück nach München.

Persönlicher Reisebericht von Michael Diermeier



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