20 Jahre gemeinsam engagiert für Frieden und Völkerverständigung
Jubiläumsseminar des Jugendarbeitskreises im Westerwald
Das diesjährige Herbsttreffen des Jugendarbeitskreises (JAK) Hessen fand im Zeichen eines besonderen Geburtstages statt: Der hessische JAK, dessen Geburtsstunde am 27. April 1991 schlug, feierte zwanzigjähriges Bestehen: zwanzig Jahre gemeinsam engagiert für Frieden und Völkerverständigung, zwanzig Jahre gemeinsam Kultur und Bildung, zwanzig Jahre gemeinsam Spaß und vor allem zwanzig Jahre Freundschaft. Grund genug, um zu feiern – hierzu verschlug es etwa zwanzig JAKtive und Ehemalige nach Waldbrunn-Hausen im Westerwald, in das Selbstversorgerhaus „Birkenmühle“, malerisch gelegen inmitten von Wäldern und Wiesen. Fleißig wurde gekocht und dekoriert für das „Geburtstagskind“, das sogar einen eigenen Geburtstagskuchen samt neuem JAK-Logo in cyanblauer Glasur erhielt. Gegen Abend trudelten schließlich die ersten Gäste in die Birkenmühle ein und man sammelte sich um den großen Tisch zum gemeinsamen Essen. Bis in die frühen Morgenstunden ließ man zwanzig Jahre JAK Hessen Revue passieren, erinnerte an die Anfänge, erzählte manch eine skurrile Geschichte aus den Workcamps und ließ mit viel Lachen und ein wenig Nostalgie Erinnerungen hochkommen bei alten Bildern und Videos von vergangenen JAK-Treffen und Workcamps.
Inhaltlicher Schwerpunkt: die nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen
Neben den leichten Tönen des JAKiläum-Abends gab es auch schwere Kost. Den inhaltlichen Schwerpunkt des Wochenendes bildete ein Besuch der Gedenkstätte Hadamar auf dem Mönchberg, die an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen erinnert. 15.000 Menschen, deren Leben vom nationalsozialistischen Regime als „lebensunwert“ befunden wurde – psychisch kranke und behinderte Menschen, die nach willkürlich aufgestellten Kriterien als „erbkrank“ galten, traumatisierte Soldaten und Kriegsopfer, Zwangsarbeiter, Kinder mit einem jüdischen Elternteil – fanden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion den Tod in der zur Tötungsanstalt umfunktionierten Landesheilanstalt Hadamar. In grauen Bussen mit angestrichenen Fenstern wurden die Patienten von sogenannten „Zwischenanstalten“ nach Hadamar gefahren. Die Ausstattung der Anstalt sollte den Anschein der Normalität wecken. Unmittelbar nach der Ankunft, auf dem Weg zum Arzt, liefen die Patienten an Betten vorbei. Keiner von ihnen würde am Abend darin schlafen. Das verbrecherische Morden wurde als Gnadentod getarnt: In sogenannten „Trostbriefen“ lasen Angehörige, der angeblich krankheitsbedingte Tod sei eine Erlösung für den Patienten gewesen.
„Mensch, achte den Menschen“
Im Laufe der Führung durch die Gedenkstätte liefen wir die Stationen ab in der Reihenfolge, in der sie Neuankömmlinge in Hadamar durchliefen: die Entkleidung, der Arztbesuch, die als Duschraum getarnte Gaskammer, der Sezierraum, die Verbrennungsöfen. In der ersten Mordphase stieg Tag und Nacht dichter Rauch aus den Schornsteinen empor, die Einwohner von Hadamar konnten ihre Wäsche wegen des Ascheregens nicht im Freien aufhängen. Man wusste, was in der „Landesheilanstalt“ vorging. Still und betroffen verließen wir Hadamar mit den Worten des Mahnmals auf dem Friedhof der Gedenkstätte: Mensch, achte den Menschen.
Besuch im Schloss Weilburg: Ein Stück Kulturerbe Hessens
Auf hellere Seiten deutscher Geschichte stießen wir im prächtigen Schloss Weilburg, das eindrucksvoll auf einem Bergsporn über der Lahn thront und zu den wichtigsten barocken Schlossanlagen Hessens zählt. Für die Dauer der Führung tauchten wird in die Renaissance ein und bekamen einen Eindruck vom Glanz dieser Epoche und von der höfischen Lebenskultur. Nach Besichtigung der Flügel ging es von der als Festsaal errichteten Orangerie aus schließlich in den Schlossgarten, wo auch die Abschlussrunde zum JAK-Herbsttreffen stattfand, inmitten von Blumenbeeten und herbstlich buntem Laub – ein schöner Rahmen zur Würdigung eines besonderen Wochenendes, das insgesamt auf großes Lob stieß.
Im Jugendarbeitskreis Hessen – eben wie zu Hause
Für Heidrun, einer ehemaligen Ehrenamtlichen, bedurfte es nicht vieler Worte um zu erklären, warum sie seit neunzehn Jahren immer noch für den JAK zu begeistern ist: „Wo auch immer das JAK-Treffen stattgefunden hat, ich habe mich dort immer zu Hause gefühlt.“ Und auch dieses JAK-Treffen fiel nicht aus der Reihe: Es gab leichte und schwere Themen, es wurde gelacht, es wurde diskutiert, es wurde reflektiert und als es Zeit war zu gehen, merkte man wieder, wie man über die Jahre einander ans Herz gewachsen war – eben wie zu Hause.
Manon Cavagna






