500 Grabkreuze saniert

Reservisten der Kameradschaft Reinhardshagen zum Arbeitseinsatz in Frankreich

10. August 2017 Dieter Musmann

Foto: RK Reinhardshagen.

Foto: RK Reinhardshagen.

Foto: RK Reinhardshagen.

Unter der Kommandoführung von Dieter Musmann, Ehrenvorsitzender der Reservistenkameradschaft Reinhardshagen, haben acht Reservisten den zweiwöchigen Arbeitseinsatz auf dem deutschen Soldatenfriedhof „Fort de Malmaison“ (Frankreich; Departement Champagne), ca. 45 km nordwestlich von Reims, im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, erfolgreich beendet.

Mit Unterstützung von zwei Kraftfahrern des Kampfhubschrauberregiments 36 aus Fritzlar haben die Reservisten rund 500 Grabkreuze für 1.000 gefallene deutsche Soldaten des 2. Weltkrieges komplett saniert. Auf dem Friedhof liegen die Gebeine von etwa 12.000 Soldaten.

Die Fahrt und auch der Arbeitseinsatz wurde aus Sicherheitsgründen (in Frankreich herrscht immer noch die höchste Sicherheitsstufe) in „zivil“ durchgeführt; auch auf die Nutzung von Militärfahrzeugen wurde verzichtet.

Nach Reinigung und Entrostung wurden die Metallkreuze mit Rostumwandler grundiert und mit Lack/Kompressor/Spritzpistolen endbehandelt. Das Wetter war gut, entgegen dem Dauerregen in Deutschland, sodass alle angestrebten Arbeiten zum Abschluss gebracht werden konnten. Die Infrastruktureinrichtungen (WC, Aufenthaltsraum, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Grill, Sitzbänke) auf dem Friedhof waren hervorragend. So nahm auch Roland Lotze „überrascht“ den guten Zustand der Kriegsgräberstätte wahr „So gepflegt hätte ich ihn mir nicht vorgestellt. Unser Auftrag und die zu erledigenden Arbeiten haben mir Spaß gemacht. Schön zu sehen, wenn man nach 2 Wochen noch eine positive Verbesserung auf Anhieb erkennen konnte.“

In Frankreich betreut der Volksbund aufgrund des zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich abgeschlossenen Kriegsgräberabkommens 192 Kriegsgräberstätten des 1. Weltkrieges mit 768.000 Toten und 23 Kriegsgräberstätten des 2. Weltkrieges mit 228.000 Toten.

Die Kriegsgräberstätte „Fort de Malmaison“ wurde 1941 von der deutschen Wehrmacht angelegt und vom Volksbund bis zur Einweihung 1965 auf knapp 12.000 Grabanlagen erweitert. Es wurden ca. 7.000 deutsche Gefallene aus den umliegenden Departements aus Einzelgräbern und kleineren Grabanlagen hierher umgebettet.

Untergebracht und verpflegt wurde die Gruppe in der Artillerie- und Marineinfanteriekaserne im 2000 Einwohner-Ort Sissonne. Das Kasernenareal mit Standortübungs- und Flugplatz diente zeitweise als Domizil der Deutschen Luftwaffe im 1. und 2. Weltkrieg. Ein großer Teil der Gebäude wird aktuell für die Ausbildung der französischen Militärpolizei und der Militärfahrschule genutzt. Im Außenbereich der Kaserne befindet sich ein Nato-Häuserkampfausbildungsplatz.

Die Verpflegung in der Kaserne war sehr gut; alle Teilnehmer vermissen jetzt die knackigen Baguettes und die französische Käsevielfalt zu jeder Mahlzeit. Wir wurden freundlich und kameradschaftlich vom französischen Militär aufgenommen.

„Der Kontakt mit den französischen Soldatinnen und Soldaten war von kameradschaftlicher Atmosphäre. In der ‚Kasernen-Bar‘ und in der Kantine gab es trotz Sprachschwierigkeiten angenehmen ‚Small-talk‘. Manchmal war es nur von unserer Seite ein ‚Bonjour‘ und von den Franzosen wurde dies mit ‚Guten Morgen‘ erwidert“ so Stefan Vecera.
 
Am Wochenende wurde die nähere Umgebung erkundet. Neben den historischen Altstädten von Reims und Laon mit ihren Kathedralen, den Überresten der Kriegsschauplätze des 1. Weltkrieges (Bunkeranlagen, Schützengräben etc.), Besichtigung von französischen, britischen, amerikanischen und deutschen Soldatenfriedhöfen fand sich auch die Zeit für den Besuch eines Strandbades an einem Seitenkanal des Flusses Aisne.

Die Kathedrale von Reims ist eine der bedeutendsten gotischen Kirchen Frankreichs. Sie wurde im 1. Weltkrieg von der deutschen Artillerie schwer beschädigt. 1962 trafen sich hier der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer. Die Kathedrale wurde zum Symbol der deutsch-französischen Beziehung.

Am Ende des Arbeitseinsatzes fand eine Gedenkfeier auf dem Friedhof statt. Die Reservisten legten im Auftrag des Volksbundes einen Kranz nieder und Kommandoführer Dieter Musmann verlas das offizielle Totengedenken in deutscher und auch in französischer Sprache, da einige Besucher und Beschäftige des Friedhofs anwesend waren. Der Text des Totengedenkens stammt wortwörtlich von Bundespräsident Gauck anlässlich seiner Rede zum Volkstrauertag 2015 im Berliner Reichstag.

Abschließend konnte auch der „Neuling“ der Gruppe, Rüdiger Wiegand, ein positives Fazit ziehen: „Neben der jährlichen Haus- und Straßensammlung war dies mein erster Arbeitseinsatz für den Volksbund. Die hervorragende Gesamtorganisation, einschließlich der Vorbereitungsfahrt durch unseren Kommandoführer, haben mich sehr beeindruckt.“

Kurz vor der Abreise bekamen wir dann noch die traurige Nachricht über den Absturz eines Kampfhubschraubers in Mali mit Todesfolge für zwei Bundeswehrsoldaten. Die Piloten waren, wie auch unsere Fahrer, Angehörige des Kampfhubschrauberregiments 36 aus Fritzlar. Ein Gedenken mit kurzer Ansprache des Kommandoführers und Schweigeminute war für die Gruppe selbstverständlich.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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