Butzbacher Gymnasiasten begeben sich auf Spurensuche

Regionalgeschichtliche Projekttage auf der Kriegsgräberstätte Nieder-Weisel

26. Mai 2017 Judith Sucher

Schülerinnen und Schüler erkunden die Kriegsgräberstätte. Foto: Judith Sucher

Schülerinnen beschäftigen sich mit dem Schicksal des sowjetischen Kriegsgefangenen Nikita Markow. Foto: Judith Sucher

Die Kriegsgräberstätte Butzbach Nieder-Weisel ist der letzte Ruheort für 519 Kriegstote der Jahre 1944 und 1945, deren Alter von 2 bis 74 Jahren reicht. Mehrheitlich Soldaten, die bei Kämpfen, in Lazaretten oder in Kriegsgefangenschaft verstorben sind, wurden auf dem von der US-Armee noch vor Kriegsende angelegtem Gräberfeld bestattet. Nachträglich wurden auch zivile Bombenopfer, polnische und sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie sowjetische Kriegsgefangene hinzu gebettet.

Die Schicksale der hier Bestatteten, aber auch die Geschichte des Ortes, bieten vielerlei Möglichkeiten, (regional)geschichtliche Aspekte und Themen zu erschließen. Das Potential dieses außerschulischen Lernortes hat auch die Weidigschule erkannt, die bereits seit vielen Jahren das Angebot des Landesverbandes, regionalgeschichtliche Projekttage durchzuführen, wahrnimmt.  So besuchten auch in diesem Jahr die neunten Klassen des Butzbacher Gymnasiums die Kriegsgräberstätte und beschäftigten sich intensiv mit den Themen Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Dabei begaben sich die Schülerinnen und Schüler auf „Spurensuche“ und erschlossen sich den Friedhof zunächst selbstständig anhand eines Fragebogens. Boten die Angaben der Grabzeichen zunächst kaum Informationen, die über Namen und Altersangaben hinausgehen, so beleuchtete die anschließende gemeinsame Auswertung die individuellen Schicksale und die historischen Hintergründe. Beispielsweise sind unter den deutschen Kriegstoten die Jahrgänge 1920-1929 auffallend häufig vertreten. Diese 16- bis 25jährigen Soldaten gehörten zu den Ersatz- und Ausbildungskompanien, die in der Schlussphase des Krieges gegen die heranrückenden Alliierten kämpften. Auch in Butzbach existierten bis Kriegsende zwei Kasernen, in denen in vierwöchigen Schnellkursen junge Soldaten ausgebildet wurden, die häufig kaum älter als die Teilnehmenden selbst waren.

Zwei exemplarische Schicksale solch junger Soldaten waren Gegenstand der an die "Spurensuche" anschließenden Gruppenarbeitsphase. Auch die Schicksale von Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und sowjetischer Kriegsgefangener sowie der Butzbacher Bombenkrieg wurden in Kleingruppen vertiefend behandelt. Anhand von Materialien und Quellen erarbeiteten die Jugendlichen je eine Präsentation, in der sie das Thema der Klasse vorstellten. Die unterschiedlichen Themen und Fragestellungen ergaben so ein komplexes Bild der regionalen Geschichte, aber auch des Umgangs mit der Vergangenheit.


Das einstimmige Fazit der Schülerinnen und Schüler: „So etwas wie Krieg darf es nicht geben.“

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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