„Das ist doch gruselig“

Volksbund bereitet Geschichtskurs auf Schüleraustausch vor

7. Oktober 2016 Bjarne Diers

Schülerinnen und Schüler der Philipp-Reis-Schule (Foto: Bjarne Diers)

Im Rahmen eines deutsch-israelisch-arabischen Schüleraustausches, mit dem Schwerpunkt auf dem Ersten Weltkrieg, fragte der Lehrer eines Geschichtsleistungskurses der Philip-Reis-Schule in Friedrichsdorf beim Landesverband Hessen an, ob die Bildungsreferentin Judith Sucher eine vorbereitende Stunde anbieten könne, um die Schüler auf den Umgang mit Kriegsgräberstätten im Rahmen historischer Nachforschungen vorzubereiten. Speziell auf die Frage, ob Kriegsgräber historische Quellen seien, wurde eingegangen.

Zu Beginn wurde der Leistungskurs in drei Gruppen aufgeteilt, wobei jede Gruppe eine Reihe von Bildern unterschiedlicher Arbeitsbereiche des Volksbundes erhielt. So erhielt eine Gruppe Bilder von Exhumierungen bzw. von Umbettungen von Kriegstoten und quittierte diese mit erschrockenen Gesichtern und Ausrufen wie „Das ist doch gruselig. Ich könnte nicht mehr schlafen.“. Die erste Vermutung dieser Gruppe, was wohl die Aufgabe des Volksbundes sei war: „Sie suchen Knochen und setzten diese bei“. Auch die zweite Gruppe fand eine treffende Beschreibung: „Gedenken und Erinnerung“. Die Jugendarbeit, die der Volksbund leistet, wurde natürlich ebenfalls erwähnt. Mit leichtem Erstaunen stellten die Schülerinnen und Schüler fest, dass die Teilnehmenden der Jugendbegegnungen, die bei der Pflege von Kriegsgräberstätten abgelichtet wurden, sehr fröhlich aussahen und offensichtlich Spaß bei der Arbeit hatten.

Die Erkenntnisse der Gruppen fassten zugleich die drei wesentlichen Säulen der Arbeit des Volksbundes zusammen: die originäre Kriegsgräberfürsorge, die Arbeit mit und an der Erinnerungs- und Gedenkkultur sowie die Jugend- und Bildungsarbeit. Veranschaulicht wurde dies unter anderem mit Materialien wie einer originalen Erkennungsmarke aus dem Zweiten Weltkrieg, an der die Schüler großes Interesse zeigten.

Ergänzend zum mahnenden Zweck von Kriegsgräberstätten, wurde vor allem die Frage diskutiert, was Kriegsgräber erzählen können. Judith Sucher erläuterte, dass sich an Kriegsgräberstätten nur sehr selten Informationen finden, die über die wenigen Angaben der Grabzeichen hinausgehen. Besucherinnen und Besucher erfahren über die Toten kaum mehr, als Namen, Geburts- und Sterbedatum. Der (regional)historische Zusammenhang von Kriegsgräberstätten müsse immer erklärt werden. Wie dies aussehen kann und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben können wurde anhand von Ergebnissen des Forschungsprojekts des Landesverbandes veranschaulicht. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Kriegsgräberstätten als Zeugnisse des erinnerungskulturellen Wandels u.a. am Beispiel des Frankfurter Hauptfriedhofs aufgegriffen. Auch über die Art und Weise des Gedenkens und verschiedene Grabgestaltungen wurden diskutiert. So zeigten sich einige Schüler erstaunt darüber, dass in anderen Ländern (bspw. in den USA oder Großbritannien) einen anderen Stellenwert haben und dass dort eine „komplett andere Gedenkkultur“ herrsche.

Das Fazit des Kurses hinsichtlich der Ausgangsfrage der Veranstaltung lautete: Kriegsgräber eignen sich alleinstehend nicht als historische Quellen. Viel interessanter seien die Ereignisse und die Gegebenheiten die zu einem Kriegsgrab geführt hätten.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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