Ich atme nicht...

Zentrale Gedenkstunde Hessen zum Volkstrauertag

23. November 2012 Viola Krause

Landesvorsitzender Karl Starzacher im Gespräch mit zwei jungen Akteuren, Foto: Christiane Lensch

An welche Menschen denken wir, wenn in öffentlichen Gedenkstunden zum Volkstrauertag an die Toten von Krieg und Gewalt erinnert wird? Stellen wir uns die Frage nach den Umständen und Ursachen für ihren gewaltsamen Tod? Und, gelingt es uns, ein Gefühl dafür entwickeln, was der Tod für die Angehörigen und deren weiteres Leben bedeutet?

Diesen Fragen stellten sich Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schulen Gelnhausen im Rahmen eines Projekts zum diesjährigen Volkstrauertag. Ihre Antworten haben sie im Rahmen der zentralen Gedenkstunde Hessen in Gelnhausen selbst vorgetragen. Die Antwort von Djalil, der vor Krieg und Gewalt aus seiner Heimat Afghanistan nach Deutschland geflohen ist, bewegt Mitschüler wie Gäste: „Ich atme nicht. Als eine Person, die den Krieg erlebt hat, höre ich heute in jeder Ecke der Welt das Heulen der Menschheit, das ich auch persönlich erlebt habe.  … Eins kann ich der ganzen Welt sagen: Stoppt den Krieg und Auseinandersetzungen!“

Dem heutigen Fachoberschüler ist wichtig, dass es bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg zunächst um die Kriegsursachen, die politischen Geschehnisse und den Verlauf und Ausgang der Schlachten geht, um sich anschließend mit den Auswirkungen des Krieges auf die Gesellschaften der teilnehmenden Staaten zu befassen.

Erst dann kann der für ihn sehr bedeutsamen Frage nach den unmittelbaren und langfristigen Folgen auf Kinder, Frauen, Brüder, Schwester, Väter und Mütter nachgegangen werden. Er weiß, dass dieses Thema im Schulalltag nur schwer nachzuempfinden ist, sofern man nicht, so wie er, an eigene Erfahrungen anknüpfen kann. In vielen Diskussionen im Rahmen des Projekts des Landesverbandes Hessen sind die insgesamt neunzehn Teilnehmenden aber auch dieser Frage nachgegangen. 

In mehreren Projekttagen, die von der Schulreferentin des Landesverbands vorbereitet und begleitet wurden, haben sich die Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schulen im Rahmen des konfessionsübergreifenden Unterrichts mit dem Thema „Gelnhausen im Nationalsozialismus und die Nachwirkungen, die bis heute andauern“ auseinandergesetzt. Das Projekt bestand aus dem Besuch des örtlichen Friedhofs und den dortigen Kriegsgräbern, einer Recherche über die Zwangsarbeit in Gelnhausen, einer Recherche zu Kriegstoten aus Gelnhausen, einem Rundgang entlang den Stolpersteinen für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung sowie einer Passantenbefragung.

Für die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrerin "... war das Projekt mit dem Landesverband eine große Bereicherung des normalen Unterrichts". Die Möglichkeit, sich diesem schwierigen Thema über einen Zeitraum von zwei Monaten und unter Einbeziehung verschiedener Aspekte annähern zu können, wurde von allen Beteiligten sehr positiv bewertet. 

Auch die Gäste der zentralen Gedenkstunden nehmen das Engagement des Landesverbands, sich jährlich um die Mitwirkung junger Menschen zu bemühen und diese im Rahmen eines Schulprojekts fachlich zu begleiten, immer sehr positiv wahr.

So bestätigte unmittelbar nach der zentralen Gedenkstunde in Gelnhausen eine Förderin des Volksbundes gegenüber der Landesgeschäftsführerin: „Ich freue mich, dass junge Menschen Anteil nehmen, auch wenn das Thema für die meisten von ihnen schwer zu begreifen ist. Da war kein Gefühl mehr in mir, als der Krieg zu Ende war, da war nur grenzenlose Leere. Erst später verstand ich, dass nun das Grauen beendet ist. Das Grauen in meinem Kopf aber ging weiter … bis heute verfolgt mich die Erinnerung an diese schreckliche Zeit …."

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