"Massengräber sind unmenschlich"

Schülerinnen und Schüler aus Groß-Zimmern beschäftigen sich mit dem Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener

4. Oktober 2017 Jakob Graf

Nikolaj Golozow ist einer von 379 namentlich bekannten Rotarmisten, die auf der Kriegsgräberstätte in Klein-Zimmern anonym bestattet wurden. (Foto: Judith Sucher)

Konzentriert arbeiteten die Schülerinnen und Schüler daran, die Erinnerung an die Kriegstoten zu gestalten. (Foto: Judith Sucher)

Fleißig rollten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern in ihrer Projektwoche Ton in vorbereitete Formen aus, um anschließend ihren eigenen individuellen Namensziegel in Erinnerung an je einen sowjetischen Kriegsgefangenen zu formen.

Zuvor setzten sie sich intensiv mit den historischen Hintergründen auseinander. Einen Tag lang standen nicht Mathematik, Englisch oder Deutsch auf dem Lernplan, sondern (Regional-)Geschichte: „Unternehmen Barbarossa“, das STALAG IX B in Bad Orb, die Genfer Konvention und vor allem die Erinnerung an die Opfergruppe. In Kleingruppen näherten sich die Schülerinnen und Schüler anhand von Artefakten und historischen Dokumenten diesen Einzelaspekten und fügten so ein komplexes Bild der Thematik zusammen.

Hierzu wurde das Klassenzimmer auch einmal nach draußen verlegt: Betritt man in Klein-Zimmern den Friedhof für sowjetische Kriegsgefangene, so hat man nicht das Gefühl, dass man dort auf einem auf einem Massengrab mit mindestens 379 Verstorbenen steht, sondern eher den Eindruck, eine ganz normale Wiese zu betreten. Nichts weist auf die unzähligen Gebeine hin, die unter der Erde ruhen. Einziger Hinweis auf den Friedhof sind die symbolischen Kreuzgruppen sowie der allgemein gehaltene Gedenkstein. Genau diesen Zustand will das Projekt „Wir schreiben Eure Namen“ ändern. "Man schätzt die Kriegsgefangenen mit einer eigenen Gedenktafel wert", so eine Schülerin der 10. Klasse.

Von vielen Schülerinnen und Schülern bekam das Projekt Zuspruch. "Es bringt Abwechslung in den Schulalltag und man kann den Geschichtsunterricht mal anders erleben", so ein Schüler.

Anhand der noch vorhandenen Personalkarten der Kriegsgefangenen beschäftigte sich jeder der jungen Menschen mit einem persönlichen Schicksal und fertigte anschließend für diesen Kriegstoten einen Namensziegel an. Insbesondere die Tatsache, dass durch diese persönliche Arbeit später an den einzelnen Menschen erinnert wird, gab vielen einen noch größeren Ehrgeiz für die Gestaltung und Feinarbeit ihres Werkes. Und so präsentierte der Jahrgang am Ende der Projekttage stolz mehr als 120 Namensziegel, in denen viel Fleiß und Mühe steckt.

"Anonyme Massengräber sind unmenschlich." - diese klaren Worte eines Schülers machen deutlich, wie wichtig es ist den Verstorbenen im Tod noch ihren Namen und damit ihre Würde und Identität zurückzugeben.  

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