Projekttag auf dem Waldfriedhof Trutzhain

Schülerinnen und Schüler der Melanchthon-Schule Steinatal erkunden die Kriegsgräberstätte

10. Juli 2017 Arne Jost

Schülerinnen setzen sich mit einem 1992 aufgestellten Gedenkstein auseinander.

Bei der Spurensuche galt es, die Kriegsgräberstätte zu erkunden.

Die Gruppenarbeit beschäftigte sich konkreter mit einzelnen Themen.

Kriegsgefangenenlager, Civil-Internment-Camp, DP Lager. Die Geschichte des heutigen Ortes Trutzhain ist vielfältig und interessant. Dies wurde Schülerinnen und Schülern der Melanchthon-Schule anhand des neuen Projekttages auf der Kriegsgräberstätte Waldfriedhof Trutzhain näher gebracht.


Angelegt als sogenannter „Russenfriedhof“ wurde er von der Wehrmacht genutzt, um unter anderem sowjetische, italienische und serbische Kriegsgefangene des Stalag IX A Ziegenhain in Massengräbern zu verscharren. Nach dem Krieg wurde von der US-Army im ehemaligen Kriegsgefangenenlager ein Internierungslager eingerichtet. Tote aus dieser Zeit liegen ebenfalls auf dem Waldfriedhof. Auf einem dritten Feld wurden Verstorbene des IRO-Hospital Steinatals bestattet: Displaced Persons, die noch nach der Befreiung an den Folgen der Behandlung im Nationalsozialismus verstarben.


All dies galt es für die Schülerinnen und Schüler bei einer Spurensuche zu erkunden. Welche Informationen kann ich den Grabsteinen entnehmen? Wie sind die verschiedenen Denkmäler auf dem Friedhof gestaltet? Was fällt mir auf, wenn ich den Friedhof und den Lageplan betrachte?
Durch diese erste Auseinandersetzung mit dem Ort haben die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die wechselhafte Geschichte des Friedhofs bekommen. Dabei kamen auch die ersten Fragen auf. Warum haben die sowjetischen Kriegsgefangenen nicht jeder einen eigenen Grabstein? Wieso sind auf dem Plan Gräber von italienischen, französischen und amerikanischen Kriegsgefangenen eingezeichnet, von denen sich auf dem Friedhof jedoch keine Spur finden lässt? Weshalb stehen auf dem Friedhof so viele verschiedene Gedenksteine?

Nach der Spurensuche setzten sich die Schülerinnen und Schüler anhand von Quellen intensiv mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten auseinander. Die Behandlung der französischen, italienischen und sowjetischen Kriegsgefangenen stand ebenso auf dem Programm wie die Erinnerungen an die Zeit des IRO-Hospitals Steinatal. Aber auch die Frage danach, wie die Kriegsgräberstätte in der Nachkriegszeit genutzt wurde, war Thema einer Arbeitsgruppe.
In Briefen, szenischen Darstellungen und dem Entwurf eines Denkmals wurden die Ergebnisse dem Rest der Gruppe präsentiert.
Vor allem die unmenschliche Behandlung der Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte die Schülerinnen und Schüler. Aber auch die Tatsache, dass das Schicksal dieser auf dem Friedhof bestatteten Toten jahrzehntelang ignoriert und der Ort von rechtsradikalen Gruppen für revisionistische Treffen genutzt wurde, nahm die Gruppe bestürzt wahr und zeigte sich froh darüber, dass die Kriegstoten heute auf eine angemessene Art und Weise gewürdigt werden.

Der Projekttag fand in Kooperation mit Gedenkstätte und Museum Trutzhain statt. Wenn Sie Interesse an dem Projekttag haben, nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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