"Widerstand ist es erst dann, wenn es gefährlich wird!"

Eindrücke von der Internationalen Jugendbegegnung des Deutschen Bundestags zum Thema "Widerstand"

26. Februar 2018

Das Mahnmal für die Geschwister Scholl und die Weiße Rose vor der Ludwig-Maximilians-Universität. (Foto: Jakob Graf)

80 junge Menschen aus der ganzen Welt, darunter der Freiwillige des Landesverbandes, wurden vom Deutschen Bundestag anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus nach München und Berlin eingeladen. Viele der Jugendlichen engagieren sich in der Antirassismusarbeit oder leisten Freiwilligendienste in Gedenkstätten, beispielsweise ehemaligen Konzentrationslagern. Die Gruppe beschäftigte sich in München und Dachau eine Woche lang intensiv mit dem Thema Widerstand und nahm am 31. Januar an der Gedenkstunde im Bundestag teil.

Wo fängt Widerstand an und wo hört er auf? Wie wurde während der NS- Zeit und wie wird heute noch Widerstand gegen Rassismus geführt? Diese und noch mehr Fragen beschäftigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Jugendbegegnung des Deutschen Bundestags 2018.

Samstag, den 27. Januar reiste ich von Frankfurt aus nach Dachau ins Max Mannheimer Haus und wurde nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch das Team des Bundetags und einem sehr köstlichen Essensempfang einer Gruppe zugewiesen, in welcher Fragen und Reflexionen während der gesamten Woche genauer besprochen werden sollten. Unsere erste Aufgabe sollte es sein, aufzuschreiben, was wir schon alles zum Thema Widerstand wussten und wie man diesen vielleicht definieren könnte. „Widerstand ist mehr als nur Verweigerung! Widerstand sei es erst dann, wenn es gefährlich wird!“, so der deutsche Historiker Wolfgang Benz, dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer abends zuhörten und anschließend das Aufgenommene in Gruppen verarbeiteten beziehungsweise diskutierten. Ich denke, ich kann mit großer Gewissheit sagen, dass nach diesem ersten Tag, der mit jeder Menge neuer Eindrücke gefüllt war, ein jeder von uns wohl verdient tief und fest schlafen konnte.

Der nächste Tag startete mit einer Führung durch die „DenkStätte Weiße Rose“ in der Ludwig-Maximilians-Universität in München, bei der wir vieles über die Geschwister Scholl und Alexander Schmorell, aber auch die zahlreichen Mithelfer wie Willi Graf und Kurt Huber erfuhren. Im Anschluss bearbeiteten wir in Gruppen dazu Texte, wobei meine Gruppe sich mit der Verfolgung, den Prozessen und der Hinrichtung beschäftigte. Unsere Ergebnisse teilten wir anschließend mit der gesamten Gruppe und so erhielten wir noch mehr Einblick darüber, was uns zuvor über die Weiße Rose noch im Verborgenen geblieben war. Zurück im Max Mannheimer Haus angekommen, lauschten wir beim Podiumsgespräch den Anwesenden Ernst Grube (Theresienstadt-Überlebender), Maria Virginia Gonzales Romero (vom interkulturellen Verein VIA e.V.) und Ludwig Gasteiger (vom Kreisjugendring Dachau). Zum Schluss sagte Ernst Grube die mir sehr im Kopf gebliebenen Worte: „Wir sollen unsere Rechte nutzen und müssen unsere Demokratie jeden Tag verteidigen!“

 

Am Tag darauf wurden wir durch die KZ-Gedenkstätte Dachau geführt, in der wir anhand von Ausstellungen und dem reichlich umfassenden Wissen unseres Tourguides viel über das ehemalige Konzentrationslager während und nach der NS-Zeit erfahren konnten. Viele Gebäude waren noch erhalten und so wurde einem immer vor Augen gehalten, in welches dunkle Kapitel der Geschichte wir uns begaben. Mit einem bedrückenden Gefühl ging man zum Max Mannheimer Haus zurück, wo wir nach einem leckeren Mittagessen in mehrehren Gruppen verschiedene Biografien bearbeiteten. Wir erhielten die Biografie über Ella Lingens, einer Gegnerin des Nationalsozialismus, welche von 1943 bis 1945 in KZ-Haft war. Dieser letzte Abend in München wurde mit einem Zeitzeugengespräch mit Wolodymir Dschelali aus der Ukraine gefüllt. Zusammen mit seiner Tochter und seinem Enkel hatte er große Bemühungen auf sich genommen, um nach Deutschland zu kommen. Frau Irina Grinkevich übersetzte für uns ins Deutsche und obwohl Herr Dschelali schon einen anstrengenden Tag hinter sich gehabt hatte, machte er keine Anzeichen der Müdigkeit. Er erzählte, inwieweit er Widerstand geleistet hatte, zum Beispiel durch das Verteilen von Flugblättern oder den Schmuggel von Paketen ins Lager in Dachau, und von seiner Haftzeit im Konzentrationslager Dachau.

Pünktlich um acht Uhr begann am Dienstag unsere lange Busfahrt nach Berlin, die jedoch nicht langweilig wurde, da ich mich bis dahin schon mit einigen Teilnehmenden angefreundet hatte. Als wir gegen 17:00 Uhr in Berlin ankamen und unsere neue Behausung begutachtet hatten, fuhren wir direkt zum Bundestag, wo uns eine Hausführung mit „dem Reichstagsgebäude als Ort der Erinnerung“ vertraut machten sollte. Es wurde uns im Vorhinein schon einmal der Plenarsaal aus Sicht der Besucherinnen und Besucher gezeigt, in welchem wir bald neben den Abgeordneten sitzen durften. Nach einem sehr leckeren Abendessen in der Kantine des Bundestags ging es wieder zurück zum Hotel. Mittwochmorgens fuhren wir erneut zum Bundestag und ein jeder von uns war dem Anlass entsprechend schick in Schale geworfen. Bevor wir in den Plenarsaal gingen, bereiteten wir uns in Gruppen auf die spätere Podiumsdiskussion vor und entwickelten gemeinsam Fragen. Um 13:00 Uhr fing die Gedenkstunde zum Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus statt. „Wir gedenken der Toten und verneigen uns vor den Überlebenden“, so Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble in seiner Rede. Nach den Schlussworten von Anita Lasker-Wallfisch, einer der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters Ausschwitz, „Hass ist ganz einfach ein Gift und letzten Endes vergiftet man sich selbst“, trafen wir uns mit ihr, ihrer Schwester Renate Lasker-Harpprecht, ebenfalls KZ-Überlebende, und Herrn Dr. Schäuble im Jakob-Kaiser-Haus wieder, um dort in einer Podiumsdiskussion unsere Fragen an die beiden Damen zu richten. Nach einer sehr spannenden Fragerunde, in der ein großes Thema die „Flüchtlingskrise“ und der Einzug der AfD in den Bundestag war, ging es ein letztes Mal in die Gruppenarbeit, in der wir das Gespräch auswerteten. Am Abend erkundete ich mit ein paar anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Berlin und der Abschied war am nächsten Morgen ein wenig traurig.

Rückblickend auf diese sehr lehrreichen Tage bin ich sehr froh darüber, an der Jugendbegegnung teilgenommen zu haben und kann diese nur weiterempfehlen. Neben dem sehr spannenden Programm lernt man tolle Menschen aus vielen verschiedenen Nationen kennen und es werden einem einmalige Gelegenheiten, wie neben den Politikern im Plenarsaal zu sitzen, geboten.

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