Kriegsgräberstätten als Lernorte
In Hessen gibt es 1052 Gräberstätten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Auf diesen ruhen mehr als 70.000 Menschen. Kaum jemand kennt ihre Geschichte. Die Mahnung, die von Kriegsgräberstätten für nachfolgende Generationen ausgehen soll, stellt sich heute nicht mehr selbstverständlich ein: Kriegsgräberstätten müssen erklärt werden.
Aus diesem Grund hat sich der Landesverband Hessen des Volksbundes Deutsche
Kriegsgräberfürsorge e.V. zum Ziel gesetzt, einzelne Kriegsgräberstätten zu erforschen. 2009 entsand eine erste pädagogische Handreichung, die einzelne Schicksale in den Blick nimmt und am Beispiel Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis detailliert über Projektmöglichkeiten auf Kriegsgräberstätten informiert.
2011 wurde die Handreichung inhaltlichen Basis für die Entwicklung einer Lernstation im Campus-Bereich des Bildungshauses der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH in Gelnhausen.
Ebenso wie der authentische Lernort Kriegsgräberstätte bietet die Lernstation, zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine multiperspektivische historisch-politische Bildung. Exemplarisch informiert sie über einzelne Schicksale von Menschen, die auf
Kriegsgräberstätten bestattet sind. Je nach Friedhof können dies sehr unter-schiedliche Gruppen von Kriegstoten sein: beispielsweise Bombenopfer, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, deutsche und ausländische Soldaten, "Euthanasie"-Opfer oder Flüchtlinge.

- Foto: Viola Krause

- Foto: Viola Krause
Bildungsangebot Lernstation
Ausgehend von der Lernstation wird der Landesverband Hessen im Bildungshaus Veranstaltungen wie Workshops, Seminare, Vorträge und Lesungen anbieten, die unterschiedliche Schwerpunkte und Aspekte aufgreifen, vorstellen und zur näheren Beschäftigung und zu Projekten anregen sollen.
Das Programm startet im Frühjahr 2012:
Sanitätsdienst, Krankenpflege und medizinische Berufe im „Dritten Reich“:
Helfer – Täter – Opfer
1. Seminar zur »Lernstation Kriegsgräberstätte«
Donnerstag, 1. März 2012, 14:00 – 18:00 Uhr
Sanitäter, Krankenschwestern, Ärzte – es sind Berufe, die für Hilfe, Versorgung und Lebensrettung stehen. Der NS-Staat aber verdrängte humanitäre Grundsätze, Moral und Ethik. Helfer, Täter, Mitläufer, Opfer – die ganze Bandbreite findet sich in Medizin und Pflege zwischen 1933 und 1945. In diesem Nachmittagsworkshop stellen wir Ihnen die Lernstation vor und nähern uns gemeinsam der Frage, wie Sanitätsdienst, Krankenpflege und medizinische Berufe rückblickend zu beurteilen sind. Die Einladung mit Anmeldeformular können Sie hier einsehen und herunter laden:
Lernstation Kriegsgräberstätte_2012-03-01_pdf
Die Veranstaltung ist beim Institut für Qualitätsentwicklung als Fortbildung akkreditiert.
Rückblick: Fortbildungen 2010-2011
Insbesondere Schulen möchten wir ermutigen, sich in regionalgeschichtlichen Projekten mit der Geschichte von Kriegsgräberstätten und ihrer Toten zu befassen. Im Rahmen von Fortbildungen stellen wir Ihnen exemplarisch bereits erschlossene Kriegsgräberstätte in Ihrer Nähe vor. Dadurch möchten wir zeigen, wie Sie mit Schülerinnen und Schülern die Geschichten einer Kriegsgräberstätte aufdecken und erforschen können, aber auch, welche Möglichkeiten Sie haben, ein Projekt an bereits erschlossenen Orten in ihrer Nähe durchzuführen.
Im März 2011 fand zum zweiten Mal die Fortbildung zu Möglichkeiten der regionalen Forschung mit Jugendlichen am Beispiel Schlüchtern statt. Sie können das Programm hier einsehen. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit den Bildungspartnern Main-Kinzig.

- Foto: Anna Biewer

- Foto: LV Hessen

