Die Weltkonfliktkarte auf der Messe "Hessen total international" in Wiesbaden, Foto: K. Dittrich

Erfahrungsbericht über das FSJ-Politik beim Landesverband Hessen

Ein Halbzeitbericht

Als mich Konstantin Dittrich, der Jugendreferent des Landesverbandes Hessen, darum bat einen FSJ-Halbzeitbericht zu verfassen, war ich im ersten Moment etwas perplex. Ist wirklich schon ein halbes Jahr vergangen, seit dem ich voller Erwartungen mein FSJ in Frankfurt angetreten habe? Wenn ich zurückblicke, lässt sich sagen, dass viel passiert ist in den letzten sechs Monaten.

Kriegsgräberfürsorge?!

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, das sind doch die, die jedes Jahr einmal klingeln, um Geld zu sammeln? Vor Beginn meines FSJs fragten mich viele meiner Freunde und Verwandten, was denn ein junges Mädchen dort mache. Zugegebenermaßen konnte ich die Frage nicht so Recht beantworten. Ich hatte anfangs einerseits die Befürchtung, dass in Frankfurt nur Praktikantenaufgaben auf mich warten würden, also kopieren und Kaffee kochen, und, dass andererseits die Thematik der Kriegsgräber auf Dauer auf mein Gemüt schlägt. Meine erste Befürchtung wurde gleich in den ersten Wochen widerlegt. Ich besuchte für zwei Tage die Bundesgeschäftsstelle in Kassel und war überrascht, wie vielseitig die Aufgabenbereiche des Volksbundes sind. Ich bekam Einblick in die Arbeit der Abteilung für Kommunikation und Marketing, des Gräberdienstes und durfte die Namenskartei besuchen. Dort hat sich der zweite Teil meiner Befürchtung ein kleines bisschen bewahrheitet. In der Namenskartei im Keller der Bundesgeschäftsstelle finden sich abertausend Karteien. Hinter jeder dieser Kartei steht ein Name einer Person, die in den Weltkriegen ums Leben gekommen ist. Die Vorstellung, dass diese für mich enorme Anzahl an Namen nur einen ganz kleinen Bruchteil der Toten darstellt, ließ mich nachdenklich werden. Auch zurück in Frankfurt blieb die Arbeit inhaltlich spannend. Der Tag des Friedhofes auf dem Frankfurter Hauptfriedhof stand an, ich nahm an einer Tagung über „Rassismus in der internationalen Jugendarbeit“ teil, sah das Theater „Weltenbrand“ über den Ersten Weltkrieg und sammelte beim Auftaktkonzert für den Sammelzeitraum in Wiesbaden fleißig Spenden. Es waren viele Eindrücke, die besonders während den ersten Wochen und Monaten auf mich einströmten. Hinzu kam, dass ich für mein FSJ beim Volksbund aus der bayerischen Provinz nach Frankfurt in eine eigene Wohnung zog und mich erst einmal akklimatisieren musste.

Volkstrauertag in der Frankfurter Paulskirche, Foto: K. Dittrich

Volkstrauertag

Nach den ersten kleineren Aufgaben stand Mitte November das Großprojekt „Volkstrauertag“ auf dem Programm. Es gab viel für mich zu tun: Kranzschleifen und Handreichungen mussten verschickt werden, die Stellwände für die Präsentationen in der Paulskirche bestückt werden und die Programmhefte mussten gefaltet werden. Ich war voll und ganz in das Team und dessen Aufgaben eingebunden. So konnte ich den Prozess vom Planen über das Vorbereiten und schließlich das Umsetzten einer solchen Veranstaltung nicht nur beobachten, sondern auch aktiv mitgestalten. Am Volkstrauertag selbst betreute ich eine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg, wieder kamen Besucher auf mich zu, die fragten, was denn ein junges Mädchen bei der Kriegsgräberfürsorge mache. Doch diesmal wusste ich eine Antwort auf die Fragen.

Zwischen den Veranstaltungen und Aufgaben standen für mich auch noch die Bildungswochen mit den anderen FSJlern aus Hessen und Nordrhein Westfalen an. Dort tauschten uns über unsere Einsatzstellen aus und arbeiteten zu politischen und sozialen Themen, wie beispielsweise Rechtsextremismus und Drogen. Diese Seminare machen großen Spaß und bieten eine gute Plattform, um sich selbst und das im FSJ Erlebte zu reflektieren.       

Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages                                                                  

Ein weiteres großes Highlight war meine Teilnahme an der 19. Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages in Berlin und Auschwitz. Dort arbeiteten und diskutierten 78 Jugendliche aus 13 verschiedenen Nationen über das Thema „70 Jahre danach: Das Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz und die deutsche Besatzungsherrschaft in Polen“. Wir besuchten das Vernichtungslager Auschwitz, führten Zeitzeugengespräche, diskutierten mit Bundespräsident Gauck und Bundestagspräsident Lammert und nahmen an der offiziellen Gedenkstunde am 27. Januar im Deutschen Bundestag teil. Es waren sechs sehr lehrreiche und intensive Tage, deren Erlebnisse und Eindrücke mich noch nachhaltig beschäftigen werden.

Parallel zu meinen täglichen Aufgaben durfte ich mir noch ein ganz persönliches Projekt aussuchen. Ich entschied mich für ein historisches Thema, mit sehr aktuellem Bezug: Flucht und Vertreibung. Zu diesem Thema werde ich im Sommer eine Jugendbegegnung mitgestalten, an der dreißig Jugendliche aus ganz Europa teilnehmen werden. Für diese Begegnung gibt es viel vorzubereiten und zu organisieren, so dass mir sicher nicht langweilig werden wird.

Ich bin zuversichtlich, dass die letzten sechs Monate genauso wie im Flug vergehen werden, wie die letzten sechs. Letztendlich ist das aber ein gutes Zeichen!



Leonie Mayr (Freiwillige im FSJ-Politik 2014/15)

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