Präsentation in der Wandelhalle der Paulskirche während des Volkstrauertages 2015, Foto: V. Krause

Erfahrungsbericht über mein FSJ-Politik beim Landesverband Hessen

Zeit, zurückzuschauen

Mit den steigenden Temperaturen und dem Beginn des Sommers, setzt sich langsam aber sicher eine Erkenntnis in meinem Kopf fest: Mein Freiwilligenjahr geht dem Ende zu. Bis zum 31. August werde ich noch beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Hessen, mein Freiwilliges Soziales Jahr im Politischen Leben leisten. Wenige Tage vor dem Ende ist es eine gute Zeit, um zurückzublicken und zu reflektieren.

Die ersten Wochen

Spannend war mein Freiwilligenjahr eigentlich von Beginn an, denn schon in der 2. Woche half ich bei der Durchführung eines Benefizkonzerts in Wiesbaden, bei dem ich auch zum ersten Mal mit Mitgliedern des Volksbundes in Kontakt kam. Viele von Ihnen freuten sich, dass ich mich als „junger Mensch“ mit dem Volksbund befasse.

Doch während ich im Laufe der ersten Wochen zum Beispiel die Bundesgeschäftsstelle in Kassel besuchte und erlebte, was für eine große Anzahl an Menschen mit unterschiedlichen Aufgabengebieten helfen, den Volksbund am Laufen zu halten, lief doch im Landesverband alles auf den „großen Tag“ hinaus. Gemeint ist der Volkstrauertag, der letztes Jahr am 15. November stattfand. Es muss jedes Jahr eine gewaltige Organisationsarbeit von allen Beteiligten geleistet werden, aber dieses Jahr war es besonders für mich eine nervenaufreibende Angelegenheit. Ich hatte mich nämlich bereit erklärt, zusammen mit meiner Vorgängerin im Freiwilligen Sozialen Jahr, Leonie Mayr, einen Redebeitrag für den Volkstrauertag zu gestalten. So bereitete ich nicht nur die Präsentation des bisherigen Freiwilligenengagements im Landesverband Hessen vor, sondern schrieb auch eine Rede für diesen Tag.

Doch bevor es so weit war, wartete mein erstes FSJ-Seminar auf mich. Mit anderen Freiwilligen, die sich im Bereich von Politik und sozialer Arbeit engagieren, verbrachte ich in Bonn eine schöne Woche mit Schwerpunkt auf der deutschen Demokratie und vielen interessanten Diskussionen.

Die beiden Freiwilligen (Leonie Mayr und Philipp Knauf) mit weiteren Akteuren des Volkstrauertages 2015, Foto: S. Knauf

Der Volkstrauertag

Am Volkstrauertag selbst war ich aufgeregt und nervös wie selten zuvor. Doch Leonie Mayr und ich hielten unseren gemeinsamen Beitrag anscheinend souverän, denn wir bekamen sowohl von unseren Nachrednern als auch von den vielen Besuchern ausschließlich Lob. Besonders ältere Menschen zeigten sich begeistert, dass wir uns im jungen Alter für die Arbeit des Volksbundes einsetzen.

Doch nach dem Volkstrauertag setzte mitnichten eine Hängepartie ein. Ende November nahm ich an der Tagung „Medien und die Internationalen Wochen gegen Rassismus“ teil, bei der Teilnehmer der Aktionstage gemeinsam mit Vertretern von Rundfunk, Presse und Zeitung überlegt wurde, wie man im kommenden März die Aufmerksamkeit der Medien besser erlangen kann.

Der Projekttag mit der Alfred-Delp-Schule begann mit einer Stadtführung, die auf dem Friedhof startete, Foto: V. Krause

Persönliches Projekt

In etwa zur gleichen Zeit fällte ich den Entschluss für mein „Persönliches Projekt“. Ich entschied mich dafür, mit den Geschichtsleistungskursen der Alfred-Delp-Schule in Dieburg einen Projekttag in Lokalgeschichte durchzuführen. Die Grundidee dahinter war, Schülern aufzuzeigen, dass die Entscheidungen des NS-Regimes in Berlin natürlich auch Auswirkungen auf jeden noch so kleinen Ort in Deutschland hatten. Der Projekttag war die Möglichkeit, den jungen Menschen die Geschichte ihrer eigenen Stadt erforschen zu lassen, was im Geschichtsunterricht aus Zeitgründen häufig unter den Tisch fällt.

Bis zur tatsächlichen Durchführung des Projekttages mit den angehenden Abiturienten war noch viel zu tun. Um möglichst viele Quellen zur Verfügung zu haben besuchte ich nicht nur Archive, wie das Stadtarchiv der Stadt Dieburg oder das Hessische Staatsarchiv in Darmstadt, sondern setzte mich auch mit lokalen Initiativen in Verbindung, die sich zur Aufgabe gemacht haben, an die Opfer der Nationalsozialisten zu erinnern.

Als der Projekttag immer näher rückte, wurde ich selbstverständlich nervös. Habe ich noch genug Zeit? Sind die Quellen wirklich die geeigneten, um den Schülern die Hintergründe und Schicksale näher zu bringen?

Doch letztendlich lässt sich sagen, dass der Tag am Anfang des Monats Mai ein voller Erfolg war. Nach dem Abschluss der einstündigen Stadtführung, bei der ich die insgesamt 23 Schülerinnen und Schüler sowie ihre beiden Lehrer an mehrere historisch interessante Orte führte und deren Geschichte erklärte, ging es in der Schule weiter. Mit den von mir recherchierten Originalquellen konnten sich die Schüler einen tieferen Einblick in das Thema verschaffen und arbeiteten so zu verschiedensten Themenkomplexen während und nach der NS-Zeit.

(Den ausführlichen Bericht über den Projekttag finden sie hier)

Nach der Stadtführung arbeiteten die Schülerinnen und Schüler mit historischen Quellen an der Vergangenheit ihrer Stadt, Foto: V. Krause

Der Hessentag

Der Hessentag

Direkt danach ging es aber im Landesverband spannend weiter. Der Hessentag stand vor der Tür und wie jedes Jahr zeigte auch der Landesverband Hessen hier sein Gesicht. Wie alle anderen Mitarbeiter betreute ich auch für einige Tage unseren Stand beim 56. Hessentag in Herborn und führte viele informative Gespräche mit Mitgliedern, Interessenten und Skeptikern des Volksbundes. Es war sehr berührend, zu sehen wie wir Menschen an unserem Stand helfen konnten, die Grablage oder den Vermisstenort von verschollenen Vorfahren mit der „Gräbersuche Online“ herauszufinden, obwohl die betreffenden Personen teilweise schon vor Jahrzehnten die Suche aufgegeben haben.

Die letzten Monate

Nach dem Hessentag kehrte mitnichten Ruhe ein, denn neben der Verleihung des Deutschen Nationalpreises an den Volksbund in Berlin, an der ich als Vertreter des Landesverbandes teilnahm, und meinem letzten Freiwilligenseminar, das im Kloster Arnstein in Obernhof stattfand, stand noch ein „Großereignis“ aus.

 

Die Internationale Jugendbegegnung des Landes Hessen sollte im August in Kaufungen bei Kassel stattfinden und bis dahin gab es einiges vorzubereiten. Denn ich war weniger als Mitglied des Landesverbandes Hessen in die Vorbereitung eingebunden, sondern vielmehr als Teamer. Zusammen mit Volksbundmitarbeitern aus der Bundesgeschäftsstelle in Kassel, dem Landesverband Hessen und drei weiteren Teamern wurde das geplante Programm vorbereitet und besprochen.

Als die Jugendbegegnung am 01. August letztendlich startete, lag eine Menge an Vorbereitung hinter und viel Spaß vor dem Team. Die 17 jungen Menschen aus insgesamt 8 Nationen erlebten zwei spannende Wochen in und um Kassel. Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf dem Jahresthema des Volksbundes „Flucht und Vertreibung“, welchem sich die Teilnehmer zum Beispiel bei einem Studientag an der Universität Kassel näherten (hier der ausführliche Bericht). Weiterhin besuchten sie die Gedenkstätte Trutzhain und wurden über die wechselvolle Geschichte des Ortes aufgeklärt, der erst ein Strafgefangenenlager beheimatete, bevor sich zeitweise Displaced Persons und später Geflüchtete aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in den Baracken niederließen.

Doch neben den inhaltlichen Programmpunkten blieb natürlich auch genügend Zeit, Deutschland kennen zu lernen oder genauer die hessischen Städte Kassel, Marburg und Frankfurt, die jeweils Ziele von Tagesausflügen waren. Der inhaltliche Höhepunkt wurde am 11. August gesetzt. Mit der Pflanzung eines Ginkgo-Baums in den „Ginkgo-Hain“ im Kasseler Park Schönfeld setzten die jungen Menschen ein Zeichen für Frieden und internationale Freundschaft (hier der ausführliche Bericht). Ich bin davon überzeugt, dass die Freundschaften, die während der internationalen Jugendbegegnung entstanden sind, die Zeit überdauern werden und dass das Camp in vielerlei Hinsicht ein voller Erfolg war.

Zusammenfassung

Nun ist mein Freiwilliges Soziales Jahr im politischen Leben zu Ende. Was wird bleiben?

Ich habe in den letzten zwölf Monaten so viel erlebt, dass es schwer ist, das Geschehene kurz und bündig zusammenzufassen. Doch als Höhepunkte sind zweifelsfrei der Volkstrauertag, mein „Persönliches Projekt“, die Internationale Jugendbegegnung und die Freiwilligenseminare zu nennen. Neben den vielen geschlossenen Freundschaften, die teilweise Grenzen überbrücken, spüre ich persönlich, dass ich durch die vielen selbstständigen Aufgaben und das Kennenlernen der Arbeitswelt, eine Selbstsicherheit und Eigenständigkeit erlangt habe, die mir vor zwölf Monaten nach all den Jahren in der Schule noch nicht zu eigen war.

Würde ich die Entscheidung, ein FSJ im politischen Leben beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu machen, wiederholen, wenn ich die Zeit zurückschrauben könnte? Auf jeden Fall.

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