"6500 qm Geschichte entdecken". Ein Teilnehmer bei der Gestaltung eines Banners, Foto: K. Dittrich

„Hinter der Autobahn liegt die Erinnerung“

Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim machen mit Kampagne auf Kriegsgräberstätte aufmerksam

Zum Hessentag 2014 in Bensheim fand in Kooperation mit dem Haus am Maiberg in Heppenheim und der Geschwister-Scholl-Schule ein Kampagnenworkshop statt.
Am ersten Tag begrüßten Konstantin Dittrich, Jugend- und Bildungsreferent des Landesverbandes, und Noel Schepp, Freiwilliger im Landesverband, die Schüler des Geschichtsleistungskurses im Heppenheimer Tagungshaus. Zunächst stellten die Teilnehmenden ihre persönliche und familiäre mit der „großen“ Geschichte in Verbindung. Gemeinsam erarbeiteten sie, was „Erinnerung“ für sie und gesellschaftlich bedeutet und welche Orte es dazu gibt.
Nach einer Stärkung im Haus am Maiberg ging es am sonnigen Nachmittag an der Kriegsgräberstätte mit einer Erkundung und einem Rundgang weiter. Dabei wurde sowohl die Entstehungsgeschichte als auch der Aufbau des Friedhofs analysiert. Anschließend konnte anhand von einzelnen Gräbern auf verschiedenen Aspekte der Gruppen von Kriegstoten eingegangen werden.

Teilnehmer im Gedenkraum des Friedhofs, Foto: K. Dittrich

Spannende Geschichte(n) hinter dem Friedhof

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Beschäftigung mit Biographien von Kriegstoten, deren Gräber man zuvor auf der Kriegsgräberstätte gesehen hatte.
Dabei wurden Schicksale von ausländischen Zwangsarbeitenden, sowjetischen Kriegsgefangenen und von deutschen Soldaten behandelt. Die Teilnehmer rekonstruierten mit einzelbiographischen Dokumenten wie Soldbüchern, Arbeits- und Personalkarten die Lebensdaten und -umstände von in Bensheim bestatteten Menschen. Johannes Dorn fand daran spannend zu erfahren, „wie viele Geschichten hinter der Kriegsgräberstätte stehen.“
„Dass aber nach so langer Zeit viele Schicksale von Kriegstoten immer noch offen sind, hätte ich nicht gedacht“, meinte Pascal Bahlig.
Ihre Ergebnisse stellten sich die Schüler anschließend gegenseitig vor und es wurde kontrovers diskutiert, ob wichtige Informationen an den Gräbern vor Ort fehlen.
Zum Ende ging es in die Erarbeitung der Kampagne. Die Teilnehmer entwickelten Ideen, wie man die Kriegsgräberstätte bei den Bensheimern und den Hessentags-Besuchern bekannter machen kann. Mit dem fertigen Konzept verabredete man sich für den nächsten Morgen an der Kriegsgräberstätte.

Passanten entdecken die Kreidehinweise, Foto: K. Dittrich

„Ein Wald voller Erinnerung“

Verwunderte Blicke und viele Nachfragen galt es zu beantworten, als Passanten und Hessentags-Besucher/innen auf dem Weg vom Parkplatz zum Festgelände auf Kreidehinweise und Plakaten mit Sprüchen wie „Ein Wald voller Erinnerung“ und „6500 qm Geschichte entdecken“ konfrontiert wurden. Ziel war es, „Menschen, die sich geschichtlich interessieren, mit der Kampagne aufmerksam zu machen, da man die Kriegsgräberstätte eigentlich nicht so schnell findet“, so der Teilnehmer Christian Schmitt über den unscheinbaren Friedhof, der von Bäumen eingegrenzt hinter einer Bundesautobahn liegt.

Die Bensheimer Schüler, die vorher noch nicht auf „ihrer“ Kriegsgräberstätte gewesen waren, fanden es spannend, Hintergründe zu erfahren. Christian Hubich resümierte, dass ihm nun bewusster sei, „wie mit den Ereignissen von damals hier in Bensheim umgegangen wird oder eben nicht. Und interessierten Mitmenschen würde ich auf jeden Fall einen Besuch empfehlen.“

In Zukunft werden hoffentlich mehr Menschen die Bensheimer Kriegsgräberstätte als Ort der Erinnerung entdecken.

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