Foto: Andrea Berninger

Kriegsgräberstätte Bad Emstal

Die Kriegsgräberstätte Bad Emstal wurde am 15. Juni 1958 durch den damaligen Innenminister Heinrich Schneider eingeweiht. Zuvor wurden insgesamt 242 Kriegstote und Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus den ehemaligen Landkreisen Melsungen, Ziegenhain, Fritzlar-Homberg und Wolfhagen auf den neu geschaffenen Friedhof am Waldrand umgebettet. Heute liegt die Kriegsgräberstätte in der Zuständigkeit der Gemeinde Bad Emstal.

Zubettungen weiterer Kriegstoter hat es seit dem 20. Januar 1973 – dem Jahr in dem alle Kommunen zur Meldung der vorhandenen Kriegsgräber aufgefordert waren – nicht gegeben, so dass die vorhandene amtliche Gräberliste zur Kriegsgräberstätte Bad Emstal Ausgangsbasis für die konkrete Recherche des Volksbundes Hessen war.

Neben den insgesamt 131 registierten Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS, die mehrheitlich im nahe gelegenen Lazarett Merxhausen verstorben waren, sind auf der Kriegsgräberstätte Bad Emstal nachweislich auch Zivilisten sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bestattet.

Die ausländischen Kriegstoten, die auf Seiten der Wehrmacht und der SS gegen die alliierten Truppen kämpften, kommen u.a. aus den baltischen Staaten, der ehemaligen UdSSR, aber auch aus Indien. Ob die Entscheidung, in der Wehrmacht oder der SS zu kämpfen, freiwillig getroffen oder erzwungen wurde, ist heute nicht mehr gänzlich nachvollziehbar. In der Regel war diese Entscheidung abhängig von den persönlichen Lebensumständen und dem jeweiligen persönlichen Entscheidungsspielraum.

Allerdings finden sich unter den ausländischen Toten ebenso Gräber von Frauen und Männern, die unter zumeist unmenschlichen Bedingungen in der Region Zwangsarbeit leisten mussten und daran verstarben.

Die Gräberliste enthält zudem Hinweise auf das Grab einer Krankenschwester, eines Unterbrandmeisters, eines Polizeiwachtmeisters sowie auf mindestens zwei Tote des Ersten Weltkriegs, denen im Verlauf weiterer intensiver Recherchen nachgegangen werden könnte.

Einzeltafeln

Bisher konnten die Biographien von Maria Musejak, Demjan Bolejchuk, Sigurd Molin sowie Winu Gopal und seinem Kameraden Singh Bhagwan rekonstruiert werden. Die auf Einzelstelen vor Ort dokumentierten Ergebnisse der Recherche des Landesverbandes Hessen können Sie hier lesen.

Grabkennzeichen von Winu Gopal,
Foto: Landesverband Hessen
Vier Einzelstelen warten auf ihre Paten...
Foto: Andrea Berninger

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Ergebnisse

 

Die Entscheidung, die Kriegsgräberstätte Bad Emstal in das Forschungsprojekt des Landesverbandes aufzunehmen wurde nachträglich getroffen und ist - wie bei den ursprünglich ausgewählten Kriegsgräberstätten - eine Daueraufgabe.

Die erste Recherche zur Entstehungsgeschichte des Friedhofs war wenig aufschlussreich und wurde im Sommer 2013 zugunsten des besonderen Projekts des ersten friedenspädagogischen Lehrpfads, der im Rahmen des bestehenden ECO-Pfad Konzepts des Landkreises entstehen sollte, zunächst zurück gestellt.

Vorrangiges Ziel des Landesverbandes war es seitdem, unter den existierenden Gräbern der Kriegsgräberstätte diejenigen zu identifizieren, die für zukünftige Bildungsprojekte thematisch bedeutsam sein könnten.

Zur Einweihung des Eco Pfad Friedenspädagogik Bad Emstal im Herbst 2013 versprach der Landesverband Hessen daher, spätestens im Folgejahr konkrete Schicksale dort bestatteter Menschen zu rekonstruieren und die Ergebnisse in Form von Einzelstelen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Oktober 2014 löste der Landesverband Hessen dieses Versprechen ein.