Die zentrale Kriegsgräberanlage des Hauptfriedhofs auf der jährlich die Gedenkstunde der Stadt Darmstadt zum Volkstrauertag stattfindet
Gräber des Ersten Weltkrieges in der zentralen Anlage
Gräber des Ersten Weltkriegs
Ausländische Kriegstote
Grabplatte für polnische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
Gräberfeld polnischer und sowjetischer Toter
Grabkennzeichnung aus Holz
Führung unter fachkundiger Leitung von Herrn Udo Steinbeck über die Kriegsgräber des Hauptfriedhofs mit dem ehrenamtlichen Beigeordneten des Landkreises Darmstadt-Dieburg und einzelnen Mitarbeiterinnen des Volksbundes Hessen im Oktober 2012

Waldfriedhof Darmstadt

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 wurde der Waldfriedhof südlich von Darmstadt angelegt. Mittlerweile haben dort insgesamt mehrere tausend Tote des Ersten und Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden – darunter in lokalen Kriegsgefangenenlager und Krankenhäusern verstorbene Soldaten wie auch zivile Opfer der Luftangriffe auf Darmstadt Anfang der 1940er Jahre.

Entstehung der Kriegsgräberstätte

Seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden auf dem Waldfriedhof, in lokalen Lazaretten verstorbene, deutsche sowie französische, russische, belgische, englische, US-amerikanische, italienische und serbische Soldaten bestattet. Ein Großteil der Gräber wurden jedoch in den Jahren 1922/23 wieder ausgehoben und die sterblichen Überreste in die entsprechenden Heimatländer überführt. Die verbliebenen russischen und serbischen Ruhestätten wurden auf das noch heute bestehende Gräberfeld L3f zusammengelegt.

Aus Platzmangel wurden bereits 1917 erste gefallene deutschen Soldaten auf ein zentrales Rondell auf dem Friedhof (R8), dem sogenannten „Ehrenhain“, überführt. Bis 1919 wurden an dieser Stelle ca. 400 Gefallene bestattet. Im Jahr 1932 wurde das Rondell durch ein riesiges Gedenkkreuz erweitert, das an alle deutschen Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft gestorben sind, erinnern sollte. Es trägt die Inschrift: „Ihr seid uns unvergessen“ und bildet bis heute den Mittelpunkt der zentralen Anlage. Ende der 1950er Jahre wurde das Rondell renoviert und dient seither als Mahnmal für alle Opfer des Krieges.

Opfer der Darmstädter „Brandnacht“

Zwischen 1940 und 1944 wurde Darmstadt insgesamt 36 Mal von alliierten Lufttruppen bombardiert. Bei einem Großangriff der Royal Airforce in der Nacht zum 12. September 1944 wurde fast die gesamte Alt- und Innenstadt von Darmstadt zerstört; ca. 12.000 Menschen starben.

Ein Großteil der zivilen Opfer wurde in einem Massengrab im Zentrum des Rondells und in einem naheliegenden Sammelgrab auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Die genaue Anzahl lässt sich dabei nicht mehr genau rekonstruieren, da ein Großteil der Leichen nicht mehr identifiziert werden konnte.

Heute erinnern Bronzetafeln mit knapp 4.000 Namen an der unteren Mauer des Rondells an die Darmstädter Bürgerinnen und Bürger, die bei dem Luftangriff ihr Leben verloren haben. Im Bogen um das Sammelgrab der Bombenopfer befinden sich heute, neben den Gräbern der verstorbenen Soldaten des Ersten Weltkriegs, auch noch knapp 300 Ruhestätten von gefallenen Wehrmachtsangehörigen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Ausländische Arbeitskräfte in Darmstadt

Fast schon versteckt hinter dem Rondell, im hinteren Teil des Friedhofs, befinden sich mehrere Grabfelder für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die während des Krieges 1939 bis 1945 in Darmstadt und Umgebung ihr Leben lassen mussten. Die Opfer kamen aus Belgien, Estland, England, Frankreich, Ukraine, Rumänien, dem ehemaligen Jugoslawien, Italien, Litauen, Russland, der Schweiz und Polen.

Auf dem vorderen Sammelgrab (R9e) wurde ein Stein als Mahnmal aufgestellt. Er trägt lediglich die Inschrift „Den Toten des Krieges 1939-1945“. Auf einem weiteren, abgelegeneren, Sammelgrab (R14f) befindet sich eine im Boden eingelassene Bronzetafel auf der man lesen kann:

„Zum Gedenken an die russischen Toten des Zweiten Weltkrieges 1939-1945“. Genauere Informationen zu den Lebens- und Todesumständen der Verstorbenen sind bisher nicht ersichtlich.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden durch die Einberufung der Soldaten Arbeitskräfte im Deutschen Reich knapp. Um die Verluste auszugleichen wurden Kriegsgefangene, später auch Zivilisten, aus den besiegten Ländern zurück nach Deutschland verschleppt. Dort mussten sie in der Industrie, der Landwirtschaft, in privaten Haushalten und anderen Bereichen arbeiten.

Auch das Darmstädter Unternehmen Merck beschäftigte ab 1939 ausländische Arbeitskräfte. Nach eigenen Angaben arbeiteten in der chemisch pharmazeutischen Fabrik bis zu ihrer Zerstörung im Dezember 1944 insgesamt 1654 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland, darunter u. a. aus Italien, Frankreich, Polen, Russland und Holland.
Einige sind nach Kriegsende in ihre Heimatländer zurückgekehrt, einige sind jedoch während ihrer Arbeit in Darmstadt gestorben und wurden anonym bestattet, während andere ein gekennzeichnetes Grab auf dem Waldfriedhof erhalten haben. Einer von ihnen war der Pole Jan Labenski. Er kam nicht als Kriegsgefangener nach Deutschland, sondern offiziell als „Zivilarbeiter“.  Im März/April 1945 besetzten US-amerikanische Truppen Darmstadt. Nach offiziellen Angaben beging Jan Labenski zwei Monate später, am 21. Mai, „Selbstmord durch Erhängen“ - zehn Tage nach seinem 26. Geburtstag. Er wurde auf dem Waldfriedhof im Grab mit der Bezeichnung „R 14 f 57“ bestattet.

Text: Anne Tiepmar, Fotos: Viola Krause & Anna Turré

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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Projektverlauf

2014 startete im Rahmen des Forschungsprojekts zur Aufarbeitung ausgewählter Kriegsgräberstätten in Hessen das Projekt "Kriegsgräber auf dem Waldfriedhof Darmstadt: Zeugen der Geschichte - Zeugen der Zeit".

Ausgangspunkt des Projekts sind die insgesamt fast 8.000 Kriegsgräber auf dem Waldfriedhof. Auf mehrere Gräberfelder verteilt, sind dort ganz unterschiedliche Gruppen von Kriegstoten begraben: Menschen, die im Ersten Weltkrieg oder an seinen Folgen starben, Militärangehörige des Zweiten Weltkrieges, ausländische Kriegsgefangene sowie Männer, Frauen und Kinder, die während des Luftkrieges in Darmstadt umkamen, Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und Vernichtungspolitik, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und viele mehr. Entsprechend des Gräbergesetzes werden diese Ruhestätten dauerhaft erhalten.

Langfristiges Ziel des Projektes ist, die Geschichte der Kriegsgräberanlagen sowie Einzelschicksale auf dem Waldfriedhof zu erforschen, die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und auf dieser Grundlage pädagogische Angebote für Schulen und andere Bildungseinrichtungen zu entwickeln.

In einer ersten Projektphase wurden die Unterlagen und Informationen der Stadt Darmstadt und aus unterschiedlichen Archiven, darunter das Archiv des International Tracing Service in Bad Arolsen, gesichtet und zusammen getragen.
Beteiligt waren an dieser umfangreichen Recherchearbeit zwei Lehrkräfte der Bertolt-Brecht-Schule Darmstadt sowie eine für den Landesverband ehrenamtlich engagierte Studentin. Ausgewählte Schülerinnen und Schüler der Brecht-Schule lernten den Waldfriedhof als Erinnerungs- und Gedenkort kennen.

Erste Ergebnisse der Recherchen sind in dem nebenstehenden Text zusammen getragen.

Gefördert wurde das Projekt von der "AG Aktion Weltoffenes Darmstadt".