Kriegsgräberstätte Schlüchtern

Mitten in der Stadt, unweit der evangelischen Stadtkirche, befindet sich die Kriegsgräberstätte Schlüchtern. Hier haben 338 Opfer des Ersten und des Zweiten Weltkrieges – 293 deutsche und 38 ausländische Kriegstote sowie 7 unbekannte – ihre letzte Ruhe gefunden. In der Gräberanlage wurden sowjetische Kriegsgefangene und polnische ZwangsarbeiterInnen, erschossene KZ-Häftlinge, von Bomben getötete Zivilpersonen ebenso wie deutsche Wehrmachtssoldaten und Angehörige der Waffen-SS beigesetzt. Unter den Bestatteten sind auch Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz, die in den letzten Kriegstagen noch standrechtlich hingerichtet wurden. In Zusammenarbeit mit Bund und Land, dem Landkreis sowie der Stadt und der Kirchengemeinde Schlüchtern gelang es, Kriegstote aus den Kreisen Gelnhausen, Schlüchtern und Hanau hier zusammen zu betten. Die Kriegsgräberstätte wurde 1963 eingeweiht und der Obhut der Stadt Schlüchtern übergeben.

Zeugnis von Radikalisierung

Zahlreiche, zumeist sehr junge Angehörige der 6. SS-Gebirgsdivision Nord, starben nach Ende der Kampfhandlungen in der Wetterau und im Vogelsberg. Anfang April 1945 versuchte die zur Kampftruppe geschrumpfte SS-Einheit, die bereits seit Tagen von der amerikanischen Armee besetzen Orte Leisenwald und Waldensberg zu erobern. Ergebnis der erbitterten Kämpfe war die weitgehende Zerstörung beider Ortschaften, 14 Tote unter der Zivilbevölkerung, mehr als 100 gefallene SS-Männer und eine unbekannte, wahrscheinlich dreistellige Zahl gefallener amerikanischer Soldaten. In Schlüchtern sind diese gefallenen SS-Männer bestattet worden. Ihre Gräber legen Zeugnis von der Endphase des "Dritten Reiches", in der sich ein fanatischer Kampfgeist nochmals radikalisierte.

Opfer der NS-Militärjustiz

Ende März 1945 wurden der 29jährige Gottfried Ellinger und ein unbekannter Soldat von einem "Fliegenden Standgericht" zum Tode verurteilt. Von Ellinger wird berichtet, dass er sich lediglich die ihm zustehende Verpflegung besorgen wollte. Der junge Mann wurde am 30. März am Straßenrand erhängt. Bei den Umbettungsmaßnahmen in den 1960er Jahren wurde in den Gräbern der Hingerichteten je ein Stück Draht gefunden. Jener Draht, mit dem ihnen zur Abschreckung Schilder umgebunden worden waren, die sie als „fahnenflüchtige Feiglinge“ brandmarkten.

KZ-Häftlinge der Frankfurter Adlerwerke

Auch Häftlinge des KZ-Außenkommandos „Katzbach“ der Adlerwerke Frankfurt am Main haben in Schlüchtern ihre letzte Ruhe gefunden. Nach der Lagerauflösung am 25. März 1945 waren die Gefangenen in Richtung Buchenwald getrieben worden. Viele der ausgehungerten und erschöpften Männer starben; sie wurden von SS-Wachleuten erschossen oder brachen tot zusammen. Noch Wochen später wurden ihre Leichen aus zugeschütteten Gräben entlang des Weges oder aus dem Main geborgen. Sechs dieser Toten, deren Identität leider nicht mehr festzustellen ist, hatte der Friedhofwärter von Dörnigheim auf dem dortigen Friedhof begraben, bevor sie nach Schlüchtern umgebettet wurden.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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Zur Kriegsgräberstätte Schlüchtern haben wir eine pädagogische Handreichung mit ausführlichen Informationen und Projektvorschlägen erstellt. Diese können Sie sich <media 2731>hier</media> herunterladen.

Ergebnisse

1. Arbeitsphase des Forschungs- projekts: Wesentliche Fakten der Recherche werden auf einer Informationstafel dokumentiert.

Bild: Viola Krause

2. Arbeitsphase des Forschungs- projekts: Ergänzende Fakten, die über die Texte auf den Tafeln hinaus gehen, werden in Form von kleinen Informationsblättern dokumentiert. Den Flyer zur Kriegsgräberstätte Schlüchtern können Sie sich als PDF-Dokument ansehen.