Kriegsgräberstätte Runkel (Text der Informationstafel)

Hier ruhen 232 Opfer des Ersten und des Zweiten Weltkrieges – 123 deutsche und 89 ausländische Kriegstote sowie 20 völlig Unbekannte. In der Gräberanlage haben deutsche Wehrmachtssoldaten, Angehörige der Waffen-SS sowie zivile Bombenopfer ihre letzte Ruhe gefunden. Polnische und sowjetische Kriegsgefangene, Zwangsarbeitskräfte, Gefangene eines so genannten „Arbeitserziehungslagers“ und KZ-Häftlinge wurden ebenfalls hinzugebettet. Unter den Toten befinden sich auch Frauen und zahlreiche polnische und sowjetische Säuglinge und Kleinkinder.

Entstehung der Kriegsgräberstätte

 In Zusammenarbeit mit Bund und Land, dem damaligen Oberlahnkreis und der Stadt Runkel konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Ende der sechziger Jahre Kriegstote aus den damals bestehenden Landkreisen Oberlahn, Usingen und Limburg in Runkel zusammenbetten. Mit der feierlichen Einweihung durch den damaligen hessischen Innenminister Heinrich Schneider wurde die Kriegsgräberstätte am 6. Oktober 1968 in die Obhut der Stadt Runkel gegeben. 

Kein Leben für Zwangsarbeiterkinder

Zu den Kriegstoten zählen zahlreiche polnische und sowjetische Säuglinge und Kleinkinder. Viele von ihnen sind in Niederselters gestorben, unter ihnen beispielsweise Valeri Safanow, Valeri Doroschin, Hallina Marowa und Sinaita Liwitzanska (Reihe 9, Nr. 150–153). Dort gab es ein Lager für „Ostarbeiterinnen“, die beim Niederselterser Mineralbrunnen arbeiten mussten. Einige der zur Zwangsarbeit verschleppten Frauen brachten ihre Kinder mit, andere wurden erst in Deutschland schwanger. Unter den schlechten Lagerbedingungen hatten die Kinder kaum eine Chance zum Überleben. Unzureichende hygienische Verhältnisse, Unterernährung sowie mangelnde medizinische Versorgung waren wohl die häufigsten Ursachen des Kleinkindersterbens. Auf dem Niederselterser Friedhof erinnert seit 1998 eine Gedenktafel an das Schicksal der zunächst dort beigesetzten Zwangsarbeiterkinder.

„Vernichtung durch Arbeit“

Die sowjetischen Gefangenen Alexy Welitschki (Reihe 3, Nr. 36), Nikolai Kasakow (Reihe 15, Nr. 273) und Boleslaw Bazyk (Reihe 15, Nr. 274) wurden im Frühjahr 1944 in das Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim eingewiesen und in dessen Außenkommando Hundstadt eingesetzt. Unter schwersten Bedingungen mussten sie dort in einem Eisenbahntunnel Propeller für deutsche Jagdflugzeuge herstellen. Aus Verzweiflung über seine Lage hat sich Boleslaw Bazyk am 28. April 1944 das Leben genommen. Die beiden anderen Gefangenen sollen angeblich „auf der Flucht erschossen“ worden sein. 

Bombentod im „rollenden KZ“

In einem Sammelgrab im linken, vorderen Bereich der Kriegsgräberstätte wurden unbekannte Häftlinge aus verschiedenen Konzentrationslagern beigesetzt. Es waren Zwangsarbeiter einer SS-Baubrigade, die seit Februar 1945 eingesetzt wurden, um durch Bombenangriffe zerstörte Bahnanlagen in Stand zu setzen. Zu diesem Zweck waren die Häftlinge in Eisenbahnwaggons auf so genannten „toten Gleisen“ untergebracht. Solche Waggons wurden auch als „rollende Konzentrationslager“ bezeichnet. Im März 1945 kamen zehn KZ-Häftlinge durch einen Bombenangriff in Aumenau ums Leben. Dabei wurde vermutlich auch ein SS-Sturmmann getötet, der ebenfalls auf diesem Friedhof beigesetzt wurde. 

Gräber des Ersten Weltkrieges

Neben den Toten des Zweiten Weltkrieges haben deutsche Soldaten und russische Gefangene des Ersten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden. Der Gefreite Julius Wilhelmi (Reihe 9, Nr. 139) wurde am 17. April 1897 in Runkel geboren und kam infolge seiner Verletzungen am 7. Mai 1919 im Reservelazarett Albrechtstraße in Kassel ums Leben. Seine damals in Weilburg lebenden Schwestern Hilda, Johanna und Tilli nahmen die Anlegung der Kriegsgräberstätte zum Anlass, ihren Bruder vom Friedhof Rommerode im Werra-Meißner-Kreis nach Runkel umbetten zu lassen.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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Ergebnisse

1. Arbeitsphase des Projekts: Wesentliche Fakten der Recherche wurden auf einer Informationstafel dokumentiert. Die Tafel wurde 2004 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung der Internationalen Jugendbegegnung der Öffentlichkeit übergeben. Das untenstehende Bild zeigt die Enthüllung der Tafel durch den Bürgermeister und die Landesgeschäftsführerin.

Bild: Regina Kampe

2. Arbeitsphase des Projekts: Ergänzende Fakten, die über den Text der Tafel hinausgehen, wurden in einem Informationsblatt dokumentiert. Den Flyer zur Kriegsgräberstätte Runkel können Sie sich über untenstehendes PDF-Dokument ansehen.

3. Arbeitsphase des Projekts: 2016 und 2017 wurden die Angaben auf der Tafel und im Flyer überarbeitet und, falls nötig, korrigiert. Außerdem wurden die Schicksale von neun Menschen, die exemplarisch für die in Runkel bestatteten Gruppen von Toten stehen, aus den verfügbaren Quellen rekonstruiert. Die Einzelschicksale werden zukünftig auf Tafeln an den jeweiligen Gräbern präsentiert werden. Die Übergabe an die Öffentlichkeit findet im Rahmen einer Feierstunde am 8. Mai 2018 statt.

 

(Zuletzt aktualisiert: 17.04.2018)