Kriegsgräberstätte Runkel

Die Kriegsgräberstätte Runkel wurde Ende der 1960er Jahre als letzte Sammelanlage in Hessen geschaffen. Hier wurden 232 Tote des Ersten und Zweiten Weltkriegs – 123 deutsche, sowie 89 ausländische und 20 unbekannte – beigesetzt.

In den Gräberlagen haben deutsche Wehrmachtssoldaten, Angehörige der Waffen-SS sowie zivile Bombenopfer ihre letzte Ruhe gefunden. Polnische und sowjetische Kriegsgefangene, ZwangsarbeiterInnen, KZ-Häftlinge und Gefangene eines so genannten Arbeitserziehungslagers wurden ebenfalls hinzu gebettet. Unter den Toten befinden sich auch Frauen und zahlreiche polnische und sowjetische Säuglinge und Kleinkinder. Die meisten von ihnen starben in Niederselters. Dort gab es ein Lager für „Ostarbeiterinnen“ – sowjetische und polnische Zwangsarbeiterinnen -, die beim Niederselterser Mineralbrunnen arbeiten mussten. Einige der zur Zwangsarbeit verschleppten Frauen brachten ihre Kinder mit, andere wurden erst in Deutschland schwanger. Unter den schlechten Lagerbedingungen hatten die Kleinkinder und Säuglinge kaum eine Chance zum Überleben. Unzureichende hygienische Verhältnisse sowie mangelnde medizinische Versorgung waren wohl die häufigsten Ursachen des Kleinkindersterbens. Eine Gedenktafel auf dem Niederselterser Friedhof erinnert seit 1998 an das Schicksal der Zwangsarbeiterkinder, die zunächst dort beigesetzt worden waren.

Von Sangaste/Estland wurde die 20jährige Wera Schlonskaya zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Mit Wera waren ihre Elter und jüngeren Geschwister am 22.09.1944 im Lager „Plattenkraut“ in Villmar angekommen. Die Familie Schlonskaya wurde mit weiteren Zwangsarbeiterkräften in einer leer stehenden Baracke untergebracht; sie alle sollten beim Gleisbau und bei der Instandsetzung der durch Bombenangriffe zerstörten Bahnanlagen eingesetzt werden. Zeitzeugen berichten, dass Wera durch die Zwangsarbeit schwer erkrankte. Am 03.05.1945 starb sie an Nierenversagen.

In einem Sammelgrab wurden unbekannte Häftlinge aus verschiedenen Konzentrationslagern beigesetzt. Es waren Zwangsarbeiter einer SS-Baubrigade, die seit Februar 1945 ebenfalls eingesetzt wurden, um durch Bombenangriffe zerstörte Bahnanlagen in Stand zu setzen. Zu diesem Zweck waren die Häftlinge in Eisenbahnwaggons auf so genannten „toten Gleisen“ untergebracht. Diese Züge wurden auch „rollende KZs“ genannt. Im März 1945 kamen zehn KZ-Häftlinge durch einen Bombenangriff in Runkel-Aumenau ums Leben.

Drei namentlich bekannt sowjetische Kriegsgefangene eines so genannten Arbeitserziehungslagers haben in Runkel ebenfalls ihre letzte Ruhe gefunden. Alexy Weliutschki, Nikolai Kasakow und Boleslaw Bazyk wurden im Frühjahr 1944 in das Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim eingewiesen und in dessen Außenkommando Hundstadt eingesetzt. Unter schwersten Bedingungen mussten sie dort in einem Einsenbahntunnel Propeller für deutsche Jagdflugzeuge herstellen. Aus Verzweiflung über seine Lage hat sich Boleslaw Bazyk am 28.04.1944 das Leben genommen. Die beiden anderen Gefangenen sollen angeblich „auf der Flucht“ erschossen worden sein.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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Ergebnisse

1. Arbeitsphase des Forschungs- projekts: Wesentliche Fakten der Recherche wurden auf einer Informationstafel dokumentiert. Die Tafel wurde 2004 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung der Internationalen Jugend- begegnung der Öffentlichkeit übergeben. Das untenstehende Bild zeigt die Enthüllung der Tafel durch den Bürgermeister und die Landesgeschäftsführerin.

Bild: Regina Kampe

2. Arbeitsphase des Forschungsprojekts: Ergänzende Fakten, die über die Texte der Tafeln hinaus gehen, werden in kleinen Informationsblättern dokumentiert. Den Flyer zur Kriegsgräberstätte Runkel können Sie sich über unten- stehendes PDF-Dokument ansehen.