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Neue Ausstellung in Kiew eröffnet
Kriegsgräberstätte als Erinnerungsort
04. Juni 2018

In Anwesenheit von zahlreichen Angehörigen und politischen Vertretern aus der Ukraine sowie Deutschland hat Volksbund-Vizepräsident Wolfgang Wieland in Kiew/Ukraine am 2. Juni 2018 eine neue Ausstellung zum Schicksal der deutschen Kriegstoten eröffnet.

Die Kiewer Volksbund-Ausstellung auf der nach einem Umbau wiedereröffneten deutschen Kriegsgräberstätte mit 26.000 Kriegstoten läuft unter dem Titel „19für19“ – und stellt das Einzelschicksal, den Menschen in den Mittelpunkt der historischen Aufarbeitung.

Der Mensch im Mittelpunkt

 

Die Ausstellung ist die erste von insgesamt 19 auf ebenso vielen Kriegsgräberstätten in ganz Europa. Anlass sind der 100. Jahrestag der Volksbund-Gründung sowie die Erkenntnis, dass sich Kriegsgräberstätten immer mehr von Orten der individuellen Trauer hin zu historischen Lernorten entwickeln. Darauf nimmt der Volksbund nun auch mit seinem neuen Ausstellungskonzept Bezug.

Denn den meisten Menschen fällt der emotionale Zugang über die Identifikation mit einer anderen Person leichter, als abstrakte politische oder historische Zusammenhänge der Kriegsgeschichte nachzuvollziehen. Die neuen Ausstellungen mit Briefen, Dokumenten und Fotos bieten Einblicke in das (Gefühls)leben der Menschen, die auf der deutschen Kriegsgräberstätte bestattet sind. Einige Elemente der Ausstellung finden sich direkt auf der Kriegsgräberstätte, andere in den zugehörigen Friedhofsgebäuden.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei das in der Ausstellung dokumentierte Einzelschicksal des Soldaten Karl Sieben. Er wurde nur zwei Wochen nach seinem 21. Geburtstag das Opfer eines sowjetischen Scharfschützen und starb in der Nähe von Kobytscha, in der heutigen Ukraine. 70 Jahre später reiste nun auch seine Nichte Elke Sieben an diesen Ort.

 

Zu den Hintergründen der neuen Ausstellung mit zwei weiteren Einzelschicksalen erklärte Volksbund-Vizepräsident Wolfgang Wieland (Foto oben, links neben Dirk Reimers) in seiner Gedenkrede: „Gerade dieser Friedhof wird von uns, unter anderem auch wegen seiner guten Erreichbarkeit, zum Jahre unseres hundertjährigen Bestehens 2019 besonders herausgestellt werden, neben 18 anderen Friedhöfen in ganz Europa. Dies ist das Projekt 19 für 19. Es ist der Beginn einer allgemeinen Weiterentwicklung, die notwendig ist, weil die Erlebensgeneration inzwischen alt ist und die nachkommenden Generationen ein Mehr an Aufklärung über die Schrecken, die Verbrechen und das Grauen des Krieges erhalten müssen. Wir stellen dabei Einzelschicksale in den Vordergrund wie das von Karl Sieben, dessen Nichte heute hier unter uns ist.“

Frieden ist keine Selbstverständlichkeit

Zugleich besuchte die Volksbund-Delegation schon vor der eigentlichen Veranstaltung auf der Kriegsgräberstätte Kiew einen Erinnerungsort für verstorbene Kriegsgefangene sowie die Gedenkstätte für jene Menschen jüdischen Glaubens, die in der Schlucht von Babij Jar (auch: Babyn Jar) grausam ermordet wurden.

 

In seiner Laudatio fand der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Nationalstiftung, Dirk Reimers, daher klare Worte des Dankes – und auch der Mahnung zu Frieden und Versöhnung: „Dass wir heute in der Ukraine auf diesem deutschen Soldatenfriedhof stehen können, ist keine Selbstverständlichkeit. Deutsche Soldaten kämpften hier in einem Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen den Osten und in deutschem Namen ist es zu Verwüstungen gekommen und zu Verbrechen, nicht nur 1941 in der benachbarten Schlucht von Babij Jar. Der Gebietsverwaltung Kiew und der Ukraine insgesamt gebührt deshalb großer Dank dafür, dass dieser Soldatenfriedhof 1996 eingeweiht werden konnte und dass hier heute Vertreter beider Nationen im Zeichen der Versöhnung über den Gräbern der Toten gedenken.“

Das Foto zeigt Wolfgang Bindseil, Vertreter der Deutschen Botschaft in Kiew, während seines Grußwortes anlässlich der Ausstellungseröffnung auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Kiew.

12 Soldaten der Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg/ Sachsen hatten in einem Arbeitseinsatz den Friedhof vor der Veranstaltung gepflegt.

Maurice Bonkat 

Weitere Informationen:
Laudatio von Dirk Reimers (ehem. Vorstandsbevollmächtigter der Deutschen Nationalstiftung)
Interview mit Elke Sieben