Die Spuren kolonialer Vergangenheit

Eine deutsch-kamerunische Begegnung

12. Dezember 2017

"Auf den Spuren kolonialer Vergangenheit" begab sich eine Volksbund-Jugendgruppe in Kamerun. Ziel ihrer Reise war die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte sowie nachhaltige Kontakte zu neuen Freunden zu knüpfen.

Die deutsche Kolonialzeit in Kamerun und ihre vielschichtigen Auswirkungen bis in die heutige Zeit – so lautete das Thema des deutsch-kamerunischen Begegnungsprojektes, das im Rahmen der internationalen Jugendarbeit organisiert wurde. Ziel war es in der Zeit vom 28. Oktober bis zum 11. November 2017 nachhaltige Kontakte aufzubauen und einen intensiven kulturellen Austausch zu ermöglichen. Die besondere Reise führte zehn junge Deutsche unter der ehrenamtlichen Leitung von Thomas Schröter und Daniel Rehermann von Kameruns Hauptstadt Yaounde über die Hafenstadt Douala bis nach Kribi an der Batanga-Küste.

Die Rückbegegnung ist für Sommer 2018 geplant, wenn die kamerunischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Deutschland kommen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) gefördert und leistet einen Beitrag zur internationalen und globalen Friedensarbeit im Sinne der "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung".

Impressionen einer Reise

Boarding completed!

Am 28. Oktober 2017 war es endlich soweit - nach einem gemeinsamen Vorbereitungstreffen in Erfurt mit vielen Informationen, ersten Skype-Kontakten mit dem Partner und den Teilnehmenden aus Kamerun und einem Koffer voll mit Moskitonetzen und Volksbund-T-Shirts konnte die gemeinsame Reise in Frankfurt  beginnen ...

Spurensuche in Yaounde

Gemeinsam mit Uwe Jung vom Goethe-Institut ging die Gruppe auf koloniale Spurensuche in der Hauptstadt Yaounde. Die Teilnehmenden lernten viel über die deutsche Kolonialzeit, die Begründung der Kolonie Kamerun,  über Folgen der deutschen Inbesitznahme des Landes, der damalige Umgang mit der einheimischen Bevölkerung und die Schwierigkeiten für die deutschen Kolonialherren. Es wurde auch das Ansehen der Deutschen im heutigen Kamerun thematisiert. Dies schaffte eine gute Wissensgrundlage für die weitere Beschäftigung mit dem Thema Kolonialismus.

Recherchen im Goethe Institut

Vertieft wurde das Wissen bei Recherchen in der Bibliothek des Goethe-Instituts in Yaounde. In Arbeitsgruppen sichteten die Teilnehmenden alte Karten, Bücher, Bilder und Dokumente. Viele junge Kameruner interessieren sich heute für die deutsche Sprache und Kultur und nehmen die vielfältigen Angebote des Goethe Instituts in Anspruch.

Africa Mercy – Hilfe vor Ort

In Douala bot sich der Gruppe die einmalige Gelegenheit, die Africa Mercy zu besuchen. Es gehört zu den „Mercy Ships“ und ist das größte private Hospitalschiff der Welt, das medizinische Fachleute aus der ganzen Welt nach Afrika bringt, um zu operieren, zu trainieren und weiterzubilden. Der Kapitän des Schiffes, Mark Carew führte die Gruppe persönlich über das Schiff und zeigte Ihnen die OP- und Behandlungsräume, sowie die Mannschaftsbereiche.

Kunst und Kultur

Bei den Exkursionen in Kleingruppen lernten die Teilnehmenden Kunst, Kultur, Musik und das Alltagsleben der Menschen in Kamerun kennen. Dabei verließen sie die klassischen touristischen Pfade, besuchten die Familien der kamerunischen Teilnehmenden, aßen die landestypischen Speisen und lernten Musik und Tanz kennen.

Freunde finden in Kamerun

Wie in allen anderen Projekten des Volksbundes ging es auch bei dieser Jugendbegegnung vor allem darum,  nachhaltige Kontakte aufzubauen und kulturellen Austausch unter jungen Menschen zu ermöglichen.  Davon ist auch Thomas Schröter, der Leiter der Jugendbegegnung, überzeugt: „Es ist wichtiger denn je, dass junge Menschen sich in internationalen Projekten kennenlernen, miteinander in Dialog treten und sich gemeinsam und nachhaltig für Menschenrechte, Frieden und humanitäre Werte einsetzen!“

Spurensuche auf dem deutschen Friedhof in Kribi

Exotisch bepflanzte Gräber, in den Zwischenreihen akkurat zurückgeschnittener Rasen -  dieses  Bild eines alten deutschen Friedhofs bot sich den Teilnehmenden in Kribi. Dass diese bestens gepflegten Gräber aus der Kolonialzeit sind, erkennt man erst bei näherem Betrachten der alten Sandsteine mit den teilweise gesprungen Namensplatten.  Dem Kameruner Joseph Kamte ist es zu verdanken, daß der Friedhof so gut gepflegt ist, denn er kümmert sich mit großem Engagement um diese Gräber.

Am Strand von Kribi

Die letzten Tage verbrachte die Gruppe gemeinsam in Kribi. Dort fassten sie die Ergebnisse ihrer Recherchen zusammen und trafen Verabredungen für den weiteren Verlauf des Projekts. Die Freizeit verbrachten sie gemeinsam am Stand.

Heike Baumgärtner