Danke heißt merci!

Zum 55. Jubiläum des Élysée-Vertrages

22. Januar 2018

Der 55. Jahrestag des Élysée-Vertrages ist eine Feierstunde der deutsch-französischen Freundschaft. Auch der Volksbund hat einen Anteil an dieser Erfolgs- und Friedensgeschichte zweier ehemaliger Erbfeinde. (Fotos: Maurice Bonkat / Volksbund-Archiv).

Von der „Erbfeindschaft“ zum „Motor der europäischen Integration“ – mit diesen Schlagworten wird die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen häufig beschrieben. Anlässlich der Unterzeichnung der Élysée-Verträge vor 55 Jahren lohnt ein intensiver Blick auf die deutsch-französische Freundschaft: Wie genau wird sie mit Inhalten gefüllt – und welche Rolle spielt der Volksbund dabei?

Vor nunmehr 55 Jahren setzten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle im namensgebenden Pariser Élysée-Palast ihre Unterschriften unter ein Vertragswerk, das vor allem von dem Gedanken der Versöhnung getragen war. Ziel war es, die beiden Staaten, die sich so oft feindlich gegenüber gestanden hatten, politisch und auch kulturell anzunähern. Neben der vereinbarten Zusammenarbeit in den Bereichen der Außen- und Sicherheitspolitik bezog sich das Abkommen also auch auf die Kultur- und Jugendarbeit. So folgte bereits kurz nach der Unterzeichnung der Élysee-Verträge am 5. Juli 1963 die Gründung des deutsch-französischen Jugendwerkes.

 

Bereits Mitte der 1950er-Jahre hatte der Volksbund unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ ebenfalls mit der Gründung seiner eigenen internationalen Jugendarbeit eine ähnlich bedeutsame Wegmarke gesetzt. Seither hat der Volksbund zahlreiche Jugendbegegnungen und Workcamp in Frankreich, Deutschland und vielen weiteren Ländern ins Leben gerufen. Es war ein voller Erfolg. Viele dieser Camps blicken heute auf eine lange Tradition zurück, einige haben sogar den Grundstein für neue Städtepartnerschaften und viele neue, grenzüberschreitende Freundschaften gelegt.

Im elsässischen Niederbronn-les-Bains gründete der Volksbund zudem im Jahr 1993 seine eigene Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte, die sich speziell mit der wechselvollen Historie der deutsch-französischen Beziehungen befasst. Die Begegnungsstätte wurde unlängst erweitert (Foto unten) und bietet nun noch mehr Platz, um die inzwischen gewachsene deutsch-französische Freundschaft weiter zu pflegen und fortzuentwickeln.

 

Deutsch-französische Bildungsarbeit

Für den Volksbund ist Frankreich ohnehin eines der wichtigsten Partnerländer. Die Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist dort unter anderem für hunderte Kriegsgräberstätten des Ersten und Zweiten Weltkrieges verantwortlich. Unvergessen sind auch die symbolischen Gesten, etwa zwischen Francois Mitterand und Helmut Kohl sowie ihren späteren Nachfolgern Francois Hollande und Angela Merkel auf der deutschen Kriegsgräberstätte im französischen Consenvoye.

Zugleich erfährt der Volksbund aber auch Unterstützung sowie Gemeinsamkeiten seitens des französischen Gräberdienstes Office National des Anciens Combattants et Victimes de Guerre (ONAC). Diese Unterstützung bezieht sich nicht nur auf die klassische Kriegsgräberfürsorge, sondern ebenfalls auf den Bereich der Bildungsarbeit. So lädt der Volksbund aktuell gemeinsam mit seinem französischen Partner zu einem deutsch-französischen Comic-Wettbewerb ein. Ziel dieses Wettbewerbs ist es, die Geschichte für jüngere Menschen begreifbarer zu machen. Kleine und individuelle Szenen beleuchten dabei die Facetten der großen Historie. So wird die abstrakte Geschichte des Ersten Weltkrieges durch persönliche Ereignisse, Geschehnisse und Gedanken verständlicher.

Eine weitere Perspektive der deutsch-französischen Zusammenarbeit eröffnete auch das unlängst durch Emmanuel Macron und Dr. Frank-Walter Steinmeier eingeweihte Historial am Hartmannsweiler Kopf, das sich neben der historischen Aufarbeitung ebenfalls der Bildungsarbeit verschrieben hat. Den Grundstein für diesen deutsch-französischen Erinnerungsort hatten Joachim Gauck und Francois Hollande (Foto unten) gelegt.

 

Man kann die deutsch-französische Freundschaft abseits aktueller Probleme der EU mit Fug und Recht als Erfolgsgeschichte verstehen. Sie hat tatsächlich den Grundstein für ein friedlicheres Zusammenleben in Europa gelegt. Deswegen gibt es viele gute Gründe, den heutigen Tag zu feiern – und Danke zu sagen: merci beaucoup!

Maurice Bonkat