Dieser Friedhof ist ein Ort der Hoffnung

Neue Kriegsgräberstätte in Montenegro eingeweiht

22. November 2016

Das Bild zeigt die Kranzniederlegung anlässlich der Einweihung der neuen deutschen Kriegsgräberstätte Podgorica in Montenegro (alle Fotos: Volksbund).

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hat am Samstag 19.11.2016 in Podgorica/Montenegro, eine neu errichtete Kriegsgräberstätte eingeweiht. Sie befindet sich auf einem Militärgelände unweit des Flughafens Golubovci. Auf ihr ruhen derzeit 64 deutsche Gefallene des Zweiten Weltkriegs. Über 2.000 deutsche Soldaten sind auf dem Gebiet des heutigen Montenegro ums Leben gekommen und an etwa 200 verschiedenen Orten begraben. Wie viele von ihnen noch geborgen werden können, ist zur Zeit noch ungewiss.

Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte der deutsche Botschafter Hans Günther Mattern die Vertreter der montenegrinischen Regierung, der Ministerien und der Armee, den britischen und den österreichischen Botschafter, eine Gruppe von aus Deutschland angereisten Angehörigen sowie die Teilnehmer eines deutsch-montenegrinischen Jugendprojekts des Volksbund-Landesverbandes Baden-Württemberg.

Die Diskussionen, die diese Anlage schon während ihrer Errichtung ausgelöst hat, zeigen, welch tiefe Wunden der Zweite Weltkrieg in Montenegro hinterlassen hat, der auf dem Balkan als Partisanenkrieg von beiden Seiten mit äußerster Grausamkeit geführt worden war. Gegner des Friedhofes waren denn auch zur Einweihung erschienen, postierten sich mit einer Flagge des ehemaligen Jugoslawien am Rande des Geländes, verhielten sich im Übrigen jedoch völlig ruhig.

"Wir wissen, dass die Toten auf diesem Friedhof fast ausschließlich im Kampf gegen Partisanen gefallen sind", sagte die Generalsekretärin des Volksbundes Daniela Schily in ihrer Ansprache. "Wir wissen, dass bei Vergeltungsmaßnahmen abscheuliche Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen wurden. Der Volksbund ist sich dieser Schuld bewusst und hat keine Scheu, den Zweiten Weltkrieg als einen verbrecherischen Angriffskrieg zu benennen, in dem beispiellose Verbrechen begangen wurden. Dennoch distanzieren wir uns von pauschalen Schuldzuweisungen. Die Soldaten, die hier ruhen, sind ebenso Opfer des Krieges wie ihre damaligen Gegner. Ob einer dieser Männer an Verbrechen beteiligt war, wissen wir nicht. Die Kriegsgräberstätte Podgorica ist kein 'Denkmal für Mörder', wie in der Presse zu lesen war, sondern ein eindringliches Mahnmal für den Frieden. Wir alle haben eine Verantwortung dafür, dass ein Hass zwischen Nationen und Ethnien wie er zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges geschürt wurde, nie wieder einen Platz in Europa findet. Dafür steht der Volksbund mit seiner Arbeit."

Dieser Verantwortung sind sich die teilnehmenden jungen Menschen aus Baden-Württemberg und Montenegro bewusst. Sie waren zum ersten Mal im Jahre 2011 und im darauffolgenden Jahr erneut zusammengekommen, um sich kennen zu lernen und sich mit der leidvollen Vergangenheit zu beschäftigen. Schon damals hatten sie gegeneinander keinerlei Vorbehalte, verstanden sich auf Anhieb sehr gut und stellten fest, dass ihre Gemeinsamkeiten als junge Europäer die Unterschiede bei weitem übertrafen. Die Kriegsgräberstätte betrachten sie als Erinnerung an eine Zeit, die nicht so war wie die heutige, und als Mahnung, die früheren Fehler nicht zu wiederholen. Sie wissen, was damals war, richten ihren Blick aber in die Zukunft, wie ihren Wortbeiträgen bei der Einweihung zu entnehmen war. Ein Teilnehmer drückte dies wie folgt aus: "Ein Friedhof ist für uns ein Ort der Stille und der Einkehr. Dieser besondere Friedhof hier ist aber vor allem ein Ort der Verständigung und Hoffnung."

Dr. Martin Lunitz