Deutsche und russische Soldaten bergen Kriegstote

Gemeinsamer Arbeitseinsatz in St. Petersburg

17. Oktober 2017

Die freiwilligen Helfer des Sanitätsregiments 1 Führungsbereich Berlin suchen gemeinsam mit ihren russischen Kameraden nach den Toten des Zweiten Weltkrieges im Gebiet St. Petersburg. (Foto: Thomas Korn)

Kein Tag wie jeder andere –  dieser Titel einer bekannten Fernsehsendung beschreibt ebenso die besonderen Erfahrungen der elf Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsregiments 1 Führungsbereich Berlin in ihrem gemeinsamen Arbeitseinsatz mit russischen Kameraden. Es war ein einmaliges Erlebnis – auch wenn dieser Arbeitseinsatz über Grenzen hinweg bereits zum zehnten Mal stattfand: die Suche, Bergung sowie Einbettung von Kriegstoten ist immer ein besonders Ereignis, das lange in Erinnerung bleibt.

Diesmal betteten die deutsch-russischen Helfer in Uniform auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Sologubowka bei St. Petersburg 584 Kriegstote ein. Zugleich unterstützten die Sanitätssoldaten ihre russischen Kollegen bei Suche nach weiteren Kriegstoten. Die fleißigen Helfer dieses gemeinsamen Arbeitseinsatzes im September 2017 kamen vom Sanitätsregiments 1 Führungsbereich Berlin sowie vom 90. Spezial-Suchbataillons aus Mga bei St. Petersburg. Neben dem nicht unwichtigen Kultur- und Besichtigungsprogramm standen dabei vor allem die umfangreichen Arbeiten im Mittelpunkt des Geschehens. So war die deutsch-russische Arbeitsgemeinschaft auf Zeit ebenso mit Pflegearbeiten auf der Gedenkstätte Sinjawino-Höhen wie auch mit der konkreten Suche nach Kriegstoten beschäftigt.

Großes Medieninteresse

Vor allem die Suche nach Kriegstoten fand bei der russischen Öffentlichkeit großes Interesse. Es wurde deutlich, wie unterschiedlich diese Tätigkeiten wahrgenommen beziehungsweise vermittelt werden. Während die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge in deutschen Medien kaum Beachtung findet, lief die Berichterstattung über den Petersburger Arbeitseinsatz auf allen russischen Sendern in den Hauptnachrichten. Tatsächlich wurden an diesem Tag die Gebeine von insgesamt 17 gefallenen Soldaten der Roten Armee geborgen. Für das deutsch-russische Arbeitskommando war dies ein überaus bewegender Moment, den sie gemeinsam teilten.

Im weiteren Verlauf der Arbeitswoche arbeiteten die freiwilligen Helfer auch auf der deutschen Kriegsgräberstätte Sologubowka, wo 584 deutsche Kriegstote ihre letzte Ruhestätte bekamen. Auch dort gedachten alle Beteiligten mit einer Kranzniederlegung und einer Andacht gemeinsam der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Die Andacht führte Pater Richard Stark, katholischer Pfarrer aus St. Petersburg durch – gleichzeitig war dies seine letzte Amtshandlung vor seinem Ruhestand.

Absoluter Höhepunkt des Arbeitseinsatzes war dann die Gedenkfeier zum zehnjährigen Bestehen der Kriegsgräberstätte Sebesh. In einer sehr würdevollen Veranstaltung betteten Kommandoführer Thomas Korn und der Deutsche Botschafter Freiherr von Fritsch-Seerhausen den 900.000 Soldaten ein. Auch dies war – wie sehr viele Erlebnisse eines absolut gelungenen Arbeitseinsatzes über Grenzen hinweg – ein Moment, ein Tag wie kein anderer.

Thomas Korn