Ein Besuch bei Freunden.

Französische und deutsche Reservisten pflegen gemeinsam die Gedenkstätte Lingekopf – Collet du Linge

11. August 2017

Am Ende des Textes finden Sie eine Fotostrecke mit 7 Aufnahmen

Am 8. August besuchten der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Wolfgang Schneiderhan und der Bürgermeister von Ertingen im Landkreis Biberach (Baden Württemberg), Jürgen Köhler gemeinsam die Reservisten von Ertingen bei deren ersten Arbeitseinsatz an der Gedenkstätte "Le Linge" im Elsass.

Dahinter steht eine besondere Geschichte. Der 986 Meter hohe Lingekopf oder "le Linge" war im Ersten Weltkrieg Schauplatz eines deutsch-französischen Stellungskrieges. 1915 wollten die französischen Truppen den Lingekopf erobern, auf dem sich die Deutschen mit gemauerten Schützengräben, Bunkern und Geschützständen fest verschanzt hatten. Zwischen dem 15. Juli bis 20. Oktober 1915 verloren dort über zehntausend deutsche und französische Soldaten ihr Leben.

Heute steht das ehemalige Schlachtfeld als Kriegsgräberstätte unter französischem Denkmalschutz. Das damalige Verteidigungssystem der deutschen Truppen und die Überreste der französischen Schützengräben können besichtigt werden. Sie geben einen Eindruck, wie sich diese Schlachten abgespielt haben, in das Leid der Soldaten und das Wichtigste - sie mahnen Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken.

Wie kommt es nun, dass deutsche Reservisten auf einer französischen Kriegsgräberstätte arbeiten? Die Städtepartnerschaft zwischen Ertingen und Granges besteht seit 1989 und geht auf die Initiative zweier ehemaliger Soldaten zurück. Ein Ertinger, der als Besatzungssoldat in Granges war, hatte die Idee, mit der Musikkapelle Ertingen einen Besuch in Granges zu machen. Nach diesem Besuch regte ein Franzose aus Granges, der während des II. Weltkriegs als Zwangsarbeiter im Ruhrgebiet interniert war, eine Städtepartnerschaft mit Ertingen an. Zwei ehemalige Kriegsgegner ebneten den Weg: Ein besseres Symbol für Versöhnung über den Gräbern - dem Motto des Volksbundes - kann es kaum geben.

Deshalb arbeiteten neun Mitglieder der Ertinger Reservistenkameradschaft, dabei auch der Bürgermeister a.D. Hans Petermann unter der Leitung ihres Vorsitzenden Hubert Buck gemeinsam mit fünf Kameraden aus der Partnerstadt Granges an der Instandsetzung der Kriegsgräberstätte. Weltkrieges. Dieser Einsatz erfolgte aus eigener Initiative der Ertinger Kameradschaft in Zusammenarbeit mit den französischen Freunden. Vier Französinnen aus Granges sorgten für Essen und Getränke.

Zusammen mit den französischen und deutschen Teilnehmern besuchte Schneiderhan auch den französischen Friedhof Wettstein und dann den deutschen Friedhof Hohrod-Bärenstall, auf dem 2.460 deutsche Kriegstote ruhen. Präsident Schneiderhan dankte dem gemeinsamen Arbeitskommando und den französischen Gastgebern für ihren Einsatz für Versöhnung und Frieden. Am 13. August wird die deutsche Delegation an einer Gedenkveranstaltung des Landesverbandes Baden-Württemberg auf diesem Friedhof teilnehmen.

Wolfgang Schneiderhan/Diane Tempel-Bornett

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alle Fotos: Volksbund