Ein Jahr, das in Erinnerung bleibt

Rückblick auf die Volksbund-Friedensarbeit 2016

21. Dezember 2016

Ein Jahr, das in Erinnerung bleibt - der Volksbund blickt zurück auf das ereignisreiche Arbeitsjahr 2016. (Foto: Maurice Bonkat)

Ein Jahr geht schnell vorbei. Umso mehr Jahre man bereits erleben durfte, desto schneller vergehe auch die gefühlte Zeit – heißt es. Nur beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge scheint es sich umgekehrt zu verhalten: Denn obwohl sich der Volksbund mit großen Schritten seinem hundertjährigen Jubiläum nähert, brachte ein Jahr selten so viel Erwähnenswertes, so viele Fortschritte, Neuerungen aber eben auch Umbrüche wie das nun beinahe vergangene Jahr 2016. Ein Rückblick lohnt sich also:

Flucht und Vertreibung – so lautete das übergeordnete Volksbund-Thema für das Jahr 2016. Im Bild sieht man die Einbettung von 292 Ziviltoten auf der Kriegsgräberstätte Neumark in Polen.

Flucht und Vertreibung – so lautete das grundlegende Volksbund-Thema 2016, das schon zu Beginn des Jahres mit dem Besuch einer Volksbund-Delegation im dänischen Oksbøl mit Inhalten gefüllt wurde. Dort hatte das Leben in den Flüchtlingscamps vielen deutschen Vetriebenen letztlich den Tod gebracht. Die Gräber von 121 Soldaten und 1675 dort verstorbenen Flüchtlingen werden bis heute vom Volksbund gepflegt. Unweit dieser Kriegsgräberstätte soll nun ein besonderes Museum entstehen, das auch vom Volksbund unterstützt wird. Hierbei soll die Perspektive der Flüchtlinge ebenso betrachtet werden wie jene der dänischen Gesellschaft sowie Gegenwartsbezüge. Entstehen soll das Museum im Hospital des ehemaligen Lagers Oksbøl.

Der Wissenschaftliche Beirat des Volksbundes hat sich am 25. Januar ebenfalls neu konstituiert. Er ist nun breiter sowie internationaler aufgestellt. Sein neuer Vorsitzender ist der aus zahlreichen TV-Dokumentationen bekannte Prof. Sönke Neitzel.

http://www.volksbund.de/meldungen/meldungen-detail/artikel/volksbund-beruft-neuen-wissenschaftlichen-beirat.html

Eine traurige Nachricht des Jahres 2016 war der Tod des langjährigen Vizepräsidenten des Volksbundes Prof. Volker Hannemann. Er hatte den Volksbund in unzähligen Gremien- und Arbeitssitzungen – aber vor allem durch seine beeindruckende Persönlichkeit und seine offenen Worte immer wieder maßgeblich geprägt. Sein Tod ist ein unbeschreiblicher Verlust für den Volksbund und alle Menschen, welche die Idee von Frieden und Versöhnung teilen. Er wird uns stets in bester Erinnerung bleiben. Seine kraftvollen Gedanken und Ideen haben weiter Bestand und werden uns auch in der künftigen Arbeit hilfreich begleiten und Halt geben.

Beim ersten Jahresempfang in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin begrüßte der Volksbund erstmals in dieser Form etwa 200 Gäste aus Politik, Diplomatie und Medien. Ziel dieser Veranstaltung sowie sämtlicher Aktivitäten des ebenfalls verstärkten Hauptstadtbüros des Volksbundes ist die bessere Vernetzung des Volksbundes als Akteur der Erinnerungs- und Gedenkkultur sowie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Bildungsreisen – sind ein relativ neues Thema beim Volksbund, der diese Art der Erwachsenenbildung speziell mit Blick auf Fragen der internationalen Friedens- und Versöhnungsarbeit anbietet. Die jüngste Volksbund-Bildungsreise führte die Gruppe um Stefanie Nebel 2016 ins ebenso beliebte wie malerische Oslo. Noch ungewöhnlicher war aber die ebenfalls als Bildungsreise angebotene Bike-Tour, welche die Teilnehmenden mit ihren Mountainbikes auf eine unkonventionelle Weise zu den Spuren der Weltkriege führte.

http://www.volksbund.de/service/bildungsreisen/bildungsurlaube.html

Zum Gedenken anlässlich des 100. Jahrestages der Verdun-Schlacht in Romagne hatten viele Volksbund-Förderer Blumen gespendet, die später an den Gräbern unbekannter Soldaten niedergelegt wurden.

Die Reihe der Veranstaltungen eröffnete noch eine Woche vor dem traditionellen Gedenken an die Opfer des Bombenangriffes auf Swinemünde vom 12. März 1945 das Gedenken an die Kinder vom Kamper See am 5. März. Beide Ereignisse beziehungsweise die Erinnerung daran führten deutlich vor Augen, welche besondere Tragik ein Krieg vor allem für die Zivilbevölkerung, für Alte und Schwache, für Frauen und Kinder beinhaltet.

http://www.volksbund.de/meldungen/meldungen-detail/artikel/ort-der-dreifachen-tragik-gedenken-an-die-kinder-vom-kamper-see.html

Das Foto zeigt eine sehr junge Besucherin der Volksbund-Gedenkveranstaltung im französischem Fricourt anlässlich des 100. Jahrestages der Somme-Schlacht.

Am 28. Mai folgte im französischen Romagne-sous-Montfaucon das Gedenken anlässlich des 100. Jahrestages der Verdun-Schlacht, und nur wenige Tage später die ebenfalls international bedeutsame Veranstaltung zum Gedenken an die Skagerrak-Schlacht. Beide Veranstaltungen waren dabei vor allem durch das gemeinsame, internationalisierte Gedenken geprägt. Das Gemeinsame des Gedenkes verschiedener Nationen zeigte sich auch anlässlich der Veranstaltungsreihe zum Jahrestag der Sommeschlacht in Fricourt und Thiepval.

http://www.volksbund.de/meldungen/meldungen-detail/artikel/einen-tag-nicht-toeten.html

Volksbund-Generalsekretärin Daniela Schily legt im Vorfeld der Veranstaltung in Chisinau/Republik Moldau einen Kranz in Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft nieder.

Im Juni folgten dann die Veranstaltungen in Tilsit und Insterburg (beide Russland), wobei letztere wiederum von der besonderen Erinnerung an die Millionen Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges geprägt war. Die weiteren Gedenkveranstaltungen des Volksbundes in Kuressaare (Estland) am 17. August, in Noyers-Pont-Maugis (Frankreich) am 3. September sowie im französischen Niederbronn am 1. Oktober und am 8. Oktober in Chisinau (Republik Moldau) galten dagegen den runden Jahrestagen der jeweiligen Einweihungen dieser Kriegsgräberstätten.

Abgesehen von der gewohnt umfangreichen wie auch inhaltsstarken Berichterstattung zum Volkstrauertag, der in diesem Jahr auf den 13. November fiel, markierte das Gedenken in Neumark (Polen) eine wichtige Wegmarke der internationalen Friedensarbeit des Volksbundes. So stand auch hier unweit der deutsch-polnischen Grenze das Schicksal der Kriegsflüchtlinge des Zweiten Weltkrieges im Mittelpunkt des Interesses. Am Ende dieses bewegenden Gedenkens bettete der Volksbund zudem 292 zivile Kriegstote ein, die der Umbettungsdienst zuvor geborgen hatte. Insgesamt waren es im Jahr 2016 etwa 26 000 Kriegstote, die geborgen wurden – und denen man zumindest teilweise ihre Identität zurückgeben konnte.

http://www.volksbund.de/meldungen/meldungen-detail/artikel/aus-dem-erinnerungsschatten-geholt.html

Den Abschluss des Gedenkjahres 2016 markierte dann die eindrucksvolle Einweihung der neuen Kriegsgräberstätte in Podgorica/Montenegro.

www.volksbund.de/meldungen/meldungen-detail/artikel/deutsche-kriegsgraeberstaette-in-montenegro-eingeweiht-1.html

Kriegsbiografien-Projekt

Das Forschungsprojekt zur historischen Aufarbeitung ausgewählter Kriegsgräberstätten in Hessen sowie weitere Projekte zu Kriegsbiografien in weiteren Landesverbänden sowie den Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten des Volksbundes dürfen aufgrund ihrer Bedeutung ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Der Gedanke hinter diesen Projekten ist, das Gedenken an die Toten der zwei Weltkriege und die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufrecht zu erhalten. Seit vielen Jahren wird auf diese Weise der Frage nachgegangen, wie Kriegsgräberstätten zu Lernorten für nachfolgende Generationen werden können und was getan werden kann, damit die Schicksale der dort bestatteten Kriegstoten dauerhaft in das persönliche und das kollektive Bewusstsein gerückt werden. Kriegsgräberstätten sollen so systematisch erforscht sowie versteh- und erfahrbar gemacht werden.

Neues Projekt des Volksbundes: Im belgischen Vladslo steht den Besuchern nunmehr die App Digitaler Friedhof beim Erkunden der Kriegsgräberstätte mit zahlreichen Hintergrundinfos sowie Dokumenten erklärend zur Seite.

Ein ebenso ambitioniertes wie zukunftsweisendes Projekt ist auch der so genannte Digitale Friedhof. Dabei handelt es sich um eine App für Smartphones, die den Besuchern der jeweiligen Kriegsgräberstätten zahlreiche Informationen, Hinweise und Anregungen bietet, den Friedhof und seine Geschichte intensiv zu ergründen. Die ersten Stationen für den Digitalen Friedhof wurden inzwischen in Langemark sowie in Vladslo installiert. Weitere digitale Informationsangebote sind bereits in Planung.

http://www.volksbund.de/meldungen/meldungen-detail/artikel/digitaler-friedhof-in-vladslo.html

Außerordentlicher Bundesvertretertag - Das Foto zeigt die überwältigende Zustimmung zur Göttinger Erklärung, die sich für die Fortführung des Reformkurses sowie für das neue Leitbild des Volksbundes ausspricht.

Weniger erfreulich und zugleich einmalig in der fast hundertjährigen Geschichte des Volksbundes war auch der Rücktritt des ehemaligen Präsidenten Markus Meckel aufgrund von monatelangen verbandsinternen Auseinandersetzungen um sein Amtsverständnis. Nur einen Tag später wurde der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, am 23. September mit überwältigender Mehrheit als amtierender Präsident gewählt. Zugleich gingen von dem außerordentlichen Bundesvertretertag und der dort beschlossenen Göttinger Erklärung wichtige Impulse für die zukünftige Friedensarbeit des Volksbundes aus.

http://www.volksbund.de/meldungen/meldungen-detail/artikel/blick-nach-vorn.html

Auszeichnungen & Preise: Zum guten Schluss des Jahres, in dem der Volksbund durch seine zahlreichen Förderer und Freunde viel Unterstützung erfahren hat, gab es auch von dritter Seite große Anerkennung – vor allem für die Jugendarbeit: So entschied sich die Bürgerpreis-Jury des Bayerischen Landtags, den Volksbund für seine „herausragende ehrenamtliches Engagement in der Schul- und Jugendarbeit" mit einem Preis in Höhe von 10.000 Euro auszuzeichnen. Gleich 50.000 Euro für die Friedensarbeit des Volksbundes sowie die daraus resultierende große Anerkennung und Wertschätzung der Volksbund-Arbeit brachte zudem die Auszeichnung mit dem Deutschen Nationalpreis.

Ausblick 2017: Auch im kommenden Jahr wird der Volksbund seine vielfältigen Aufgaben und Aktivitäten in den Bereichen der Gedenk- und Erinnerungskultur, der Jugend- und Bildungsarbeit, des Umbettungsdienstes und der Angehörigenbetreuung, der neu aufgestellten Öffentlichkeitsarbeit und vieles, vieles mehr fortführen. Die inhaltliche Grundlage dafür bietet unter anderem das neue Jahresthema „Krieg und Menschenrechte“, das im Fokus vieler Veranstaltungen und Projekte des Volksbundes stehen wird. Bei all diesen Vorhaben werden wir aber nie vergessen, auf wessen Unterstützung all dieses Wirken beruht. Daher möchte sich der Volksbund zum Jahresabschluss noch einmal ganz herzlich für Ihr großes Engagement zugunsten der Friedensarbeit des Volksbundes bedanken:

Herzlichsten Dank für Ihre großartige Unterstützung!

Bleiben Sie gesund – und kommen Sie, Ihre Familie sowie der gesamte Freundes- und Bekanntenkreis gemeinsam gut ins neue Jahr!

Ihr

Maurice Bonkat

Volksbund-Redakteur

 

 

 

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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Grabnachforschung


Der Volksbund bietet mit der Gräbersuche online Zugriff auf 4,7 Millionen Daten von deutschen Kriegstoten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Ist der Kriegstote über die Gräbersuche nicht aufgeführt, können Sie für die weitere Klärung einen Suchantrag stellen. zur Gräbersuche

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