Erinnerungen wachhalten

Warum Oberst Damm für den Volksbund sammelt

23. November 2017

Hat Erfolg: Am Haus von Dr. Elke Buddecke erhält Oberst a.D. Jürgen Damm eine Spende für die Kriegsgräberfürsorge. (Text und Foto: Philipp Daum / Waldeckische Landeszeitung)

Der folgende Beitrag zur Haus- und Straßensammlung des Volksbundes wurde von der Waldeckischen Landeszeitung zur Verfügung gestellt. Der Autor Philipp Daum begleitet dabei den ehemaligen Berufssoldaten Jürgen Damm und zeigt, wie – und auch warum er sich so sehr für die jährliche Volksbund-Sammlung engagiert.

Bad Arolsen. Bestimmend, aber freundlich bittet Oberst a. D. Jürgen Damm um eine Spende für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er steht an der Tür zum Haus von Dr. Elke Buddecke in Bad Arolsen. Die beiden kennen sich seit Jahren. Sie haben sich schon einmal bei einem Gedenkkonzert für die Opfer des Zweiten Weltkrieges getroffen, als Elke Buddecke dort Querflöte spielte. Beide kommen kurz ins Gespräch, dann macht sich Jürgen Damm mit fünf Euro mehr in der Tasche auf zum nächsten Haus.

„Wie viele Jahre ich das schon mache, weiß ich gar nicht so genau“, sagt der 79-jährige Ehrenvorsitzende des Landesverbandes Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Er drückt damit aus, dass er die Aufgabe immer als Selbstverständlichkeit angesehen hat. Da spielt die Zeit, die er dafür aufwendet, keine Rolle. „Es geht darum, die Erinnerungen an die Kriegstoten wachzuhalten“, betont der Arolser. Was ihm aber ebenso wichtig ist, ist die Tatsache, dass der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit jungen Menschen in den Dialog tritt und damit einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben leistet.

Oberst a.D. Jürgen Damm gehört selbst zu denjenigen, die mit Schulklassen Kriegsgräber oder Denkmale besuchen und dort über Einzelschicksale von gefallenen Soldaten berichten. „So kann man ein Bewusstsein dafür schaffen, wie schlimm Krieg sein kann. Wenn ich über das Schicksal einzelner Kriegstoter berichte, bekomme ich eine enorme Aufmerksamkeit von den jungen Menschen.“

Mit Klemmbrett und Stift

Jürgen Damm hat sich unterdessen wieder auf den Weg zum nächsten Haus gemacht. Während er die Liste auf dem Klemmbrett mit Namen, Adressen und Spendenbeträgen komplettiert, verrät der 79-Jährige: „Bei Häusern mit mehreren Parteien klingele ich nur in den unteren Stockwerken.“ Die Erfahrung zeige, dass die Bereitschaft zur Spende abnehmen, je weiter der Weg durch das Treppenhaus an die Haustür ist. Damm weiß zudem: „Manche Leute verwickeln mich in Gespräche über Politik. Und am Ende geben sie nie etwas.“

Bei Angelika Büddefeld an der Haustür hat der Oberst a.D. dann wieder Glück. Die Arolserin hat schon auf ihn gewartet und gibt gerne zehn Euro für die Arbeit des Volksbundes. „Der Bruder meines Vaters ist damals im letzten Kriegsjahr 1945 gefallen und niemand wusste, wo sich sein Grab befindet“, sagt sie. Erst vor wenigen Jahren habe ihr Vater erfahren, wo sein Bruder liege – der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatte den Ort recherchiert.

„Leider ist der Brief nicht mehr da und ich weiß nicht, wo mein Onkel begraben ist. Aber mein Vater, der mittlerweile gestorben ist, hatte damals Gewissheit. Das hat ihn sehr bewegt. Daher gebe ich gerne Geld für die wichtige Aufgabe des Volksbundes“, sagt Angelika Büddefeld.

Philipp Daum

Waldeckische Landeszeitung/Frankenberger Zeitung