Für die Toten – und die Lebenden

Einbettung von drei Verdun-Opfern

20. Juni 2017

101 Jahre nach der Schlacht von Verdun werden drei deutsche Weltkriegssoldaten in Mainz durch den Volksbund würdig bestattet. (Fotos: Dennis Köppl)

Ihr Tod war grausam, der Fund ihrer Gebeine ungewöhnlich und ihre Bestattung ein wirklich besonderes Ereignis: Über ein Jahrhundert nach ihrem Tod wurden drei deutsche Soldaten des Ersten Weltkrieges am 8. Juni 2017 in Mainz beigesetzt. Jahre zuvor waren ihre sterblichen Überreste anonym vor der Trierer Volksbund-Geschäftsstelle abgelegt worden. Aufgrund der gefundenen Erkennungsmarken konnten nun sogar zwei dieser Weltkriegstoten identifiziert werden.

„Wir kennen heute ihre Namen: Friedrich Wilhelm Amm und Johann Daum. Der dritte Tote wird unbekannt bleiben. Wir werden seinen Namen nicht mehr erfahren. Über 100 Jahre nach ihrem Tod betten wir heute diese drei Gefallenen zur letzten Ruhe. Wir kennen nach dieser langen Zeit ihre Geschichten nicht mehr, können ihr Leben, ihre Wünsche und Sehnsüchte nicht mehr nachzeichnen“, sagt der Volksbund-Landesvorsitzende Martin Haller in seiner Ansprache auf dem Mainzer Hauptfriedhof. Dann legt er dar, aus welchen Gründen der Volksbund solche Einbettungen von Kriegstoten – auch aus der Zeit des Ersten Weltkrieges – bis heute vornimmt:

Das Foto zeigt Martin Haller, Landtagsabgeordneter und amtierender Vorsitzender des Volksbund-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, bei seinem Grußwort.

Die Pflicht der Erinnerung

„Für die würdevolle Bestattung von Kriegstoten zu sorgen und an ihre Schicksale zu erinnern, ist uns Ehre und Verpflichtung zugleich. Es ist eine Verpflichtung den Toten gegenüber, aber auch den Lebenden. Um das Andenken an die Opfer von Krieg und Gewalt wachzuhalten; um kriegerischen Bestrebungen und Gewaltbereitschaft den Nährboden zu entziehen.“

Diesem für die Volksbund-Arbeit grundlegenden Gedanken des würdevollen Gedenkens an alle Kriegsopfer folgen auch in Mainz etwa 100 hochrangige Gäste. Neben der Staatsministerin Doris Ahnen, die in ihrem Grußwort ebenfalls auf die große Bedeutung des gemeinsamen Erinnerns hinweist, gestalten der Militärseelsorger Alexander Liermann, das Blechbläserensemble des Landespolizeiorchesters, Organist Daniel Rumpf sowie Schülerinnen des Johannes-Gutenberg-Gymnasiums Mainz die bewegende Gedenkfeier.

Bitte im Begleitbrief

Als der kleine schwarze Sarg an weißen Bändern langsam in die Grube hinabgelassen wird, nimmt damit zugleich eine Geschichte mit langem Vorlauf endlich ein gutes Ende. Am Anfang stand hingegen ein ungewöhnlicher Fund samt Begleitbrief. Dabei handelte es sich um die von Unbekannten vor der damaligen Volksbund-Geschäftsstelle in Trier abgelegten Gebeine von drei toten Soldaten aus der Schlacht um Verdun vor 101 Jahren. Zwei dieser Weltkriegstoten konnten dann später dank der akkuraten Arbeit der Deutschen Dienststelle (für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht) identifiziert werden.

 „In dem Begleitbrief stand, dass die Toten bei Bauarbeiten nahe Verdun entdeckt und dann – nach den dort gemachten Angaben mangels Kontakt zu den französischen Behörden – letztlich nach Deutschland verbracht wurden. Zudem war dort die Bitte vermerkt, dass man diesen Soldaten ein würdiges Grab geben möge. Dieser Bitte kommen wir gerne nach“, sagt Dennis Köppl, der Referent für Bildungsarbeit im Landesverband Rheinland-Pfalz. Dann blickt er noch einmal auf die frische Grube, die auch nach 101 Jahren eindrucksvoll an das endlose Grauen von Verdun erinnert.

Maurice Bonkat