Geste der Aussöhnung

Serbiens Regierung wagt sich an ein Tabuthema

8. Mai 2017

Das Archivfoto zeigt die deutsche Kriegsgräberstätte Banovo-Brdo in Serbien. (Foto: Helmut Wehmeyer)

Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic weihte nördlich der Stadt Novi Sad eine Gedenkstätte für die vertriebenen und ermordeten "Donauschwaben" ein. "Nur durch die Achtung fremder Opfer werden wir das Recht haben, auch Respekt und Recht für unsere Opfer zu verlangen" erklärte Vucic. Damit wagt sich Vucic an ein Tabuthema heran.

Seit dem 17. Jahrhundert waren rund 550.000 Deutsche in die damals sehr schwach besiedelten Gebiete des späteren Jugoslawien eingewandert. Sie lebten von Handwerk, Landwirtschaft und Handel. Während des Nationalsozialismus hatten - nach Einschätzung der Historiker - die Hälfte der dort lebenden Deutschen sich der Ideologie des nationalsozialistischen Regimes verschrieben und etliche von ihnen Kriegsverbrechen verübt. Da sie nach dem II. Weltkrieg Sanktionen und Strafen fürchteten, flohen schätzungsweise die Hälfte von ihnen mit der deutschen Armee.

Ungefähr 160.000 "Unbelastete" wollten jedoch in ihrer Heimat bleiben. Sie wurden aber von der Regierung in Belgrad zu "Kriegsverbrechern" und "Volksfeinden" erklärt. Viele von ihnen wurden vertrieben, in Lager gesperrt oder ermordet. Dieses Thema wurde viele Jahre tabuisiert. Mit der Einweihung der Gedenkstätte erlaubt die serbische Regierung das Gedenken an Hundertausende vertriebener und verfolgter Donauschwaben. Heute leben noch rund 4.000 Deutsche in Serbien.

Quelle: dpa

Diane Tempel-Bornett