Im Himmel, unter der Erde

Film und Führung zum Jüdischen Friedhof Berlin Weißensee

17. Juli 2017

Das Foto zeigt die Führung über den jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee im Anschluss an die Filmvorführung. (Fotos: Dennis Beismann)

Unter den Deutschen, die 1914 mit großer Begeisterung in den Ersten Weltkrieg zogen, waren auch etwa 120.000 Soldaten jüdischen Glaubens. Einige Kriegsteilnehmer aus dieser Gruppe erhielten für ihren Einsatz das Eiserne Kreuz – eine der höchsten Kriegsauszeichnungen im Deutschen Reich. Nicht selten waren sie Antizionisten und deutsche Patrioten. Dennoch ließ Hitler die jüdischen Frontsoldaten verfolgen, deportieren und ermorden.

Zum jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee gehört auch eine Kriegsgräberstätte für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bot deshalb eine Veranstaltungsreihe über zwei Abende an, um an diese Opfer zu erinnern. Am 11. Juli 2017 entwickelte sich im Anschluss an die Filmpräsentation „Im Himmel, unter der Erde“ (2011) eine angeregte Debatte zwischen den Gästen und der Regisseurin Britte Wauer.

 

Der jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee ist ein wichtiger Gedenkort. Es gibt dort auch eine Kriegsgräberstätte für die gefallenen deutsch-jüdischen Soldaten des Ersten Weltkrieges.

Am darauffolgenden Tag besuchten über 40 Interessierte den Friedhof in Weißensee. Anschließend standen Nirit Ben-Joseph, die die Gruppe sachkundig über diese Ruhestätte geführt hatte, im Gespräch mit Sabine Hank vom Centrum Judaicum und Ulla Kux vom Volksbund den Anwesenden im nahegelegenen Bildungszentrum für Fragen zur Verfügung.

Das Publikum erfuhr, warum Juden Steine und keine Blumen auf ihre Gräber legen, wie das SED-Regime das öffentliche Erinnern auf diesen Friedhöfen gestaltete und dass eine Besuchergruppe aus Israel zunächst erschrocken, dann verwundert zur Kenntnis nahm, dass Bundeswehrsoldaten vor Ort Pflegearbeiten durchführen. Neben ihren Fragen trug die Runde viele Anmerkungen und manch eine selbst erlebte Anekdote zusammen. Es war ein anregender und informativer Abend, der von der Erinnerung an jüdisches Leben in Deutschland und dem Gedenken an die jüdischen Soldaten erfüllt war.

Dennis Beismann