Neue letzte Ruhestätte für Fähnrich Melzer

Umbettung in Melchingen

7. November 2017

Letzte Ruhestätte nach 72 Jahren: Der Volksbund bette erst vor wenigen Tagen den Kriegstoten Werner Melzer in Melchingen um. (Fotos: Gordon Hügel)

Das Leben von Werner Melzer endete nur 15 Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Zwei Gewehrkugeln besiegelten sein Schicksal. Sein Leichnam wird auf dem Ortsfriedhof in Melchingen (Burladingen) bestattet. Doch das Kriegsgrab liegt weit abseits der anderen Gräber und zudem an einer Stelle, an der häufig auch Trauungsfeiern stattfinden. So entschloss man sich über 72 Jahre nach dem Tod von Werner Melzer zu einer Umbettung seiner Gebeine. Nun liegt seine neue letzte Ruhestätte direkt am großen Holzkreuz und der Gedenktafel für all die anderen Kriegstoten der Gemeinde. Ein Hintergrundbericht von Volksbund-Mitarbeiter Gordon Hügel:

Was sind schon 15 Tage? Wie schnell fliegt die Zeit an uns vorbei? Bald beginnt die Vorweihnachtszeit, schon jetzt steigt wieder diese Nervosität, die leichte Anspannung. Doch gehen wir zurück ins Jahr 1945, dieser verdammte Krieg wütet schon seit fast sechs Jahren. Wir haben den 23. April, einen Montag. Nur noch gut zwei Wochen, dann wird der Zweite Weltkrieg endlich zu Ende sein. Doch Fähnrich Werner Melzer wird diesen Friedenstag nicht mehr erleben. Er stirbt in einem der letzten, sinnlosen Gefechte – dabei waren es nur fünfzehn Tage, die Ihn vom Frieden Zuhause trennten. Sein Leben endet am 23. April 1945 fern der Heimat in Melchingen (Burladingen).

Ehefrau wird zur Witwe

Genau genommen ging es vielleicht um einige Stunden, die sein Leben hätten retten können. In der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 kam der Befehl zum Rückzug, da die Franzosen von Undingen aus über Erpfingen bis nach Stetten unter Holstein vorgestoßen sind, um die liegen gebliebenen Truppen abzuschneiden. Für Werner Melzer kam dieser Befehl jedoch zu spät. Er lag bereits im Gefecht und wurde letztlich tödlich getroffen. Zwei Schüsse aus einem Gewehr besiegelten sein Schicksal mit nur 31 Jahren und machten seine Ehefrau in der Heimat zur Witwe.

Das deutsche Kriegsgrab vor der Friedhofsmauer war fortan für 72 Jahre die Ruhestätte von Werner Melzer in Melchingen. Über vier Jahrzehnte zeigte ein einfaches Holzkreuz eine Inschrift, die auf das Schicksal dieses Kriegstoten hinweisen, bis dieses durch ein Steinkreuz ersetzt wurde. Am 25. Oktober 2017 wurden die Gebeine von Werner Melzer schließlich aus 1,80 Meter Tiefe exhumiert und würdevoll umgebettet. Dabei kamen auch die Gewehrkugeln zum Vorschein, die den Fähnrich Melzer das Leben gekostet hatten.

Das Kriegsgrab von Werner Melzer befindet sich nun auf dem Ortsfriedhof Melchingen zwischen dem großen Holzkreuz und der Gedenktafel der Kriegstoten. Eine dunkle Marmorplatte gibt Hinweis auf den Kriegstoten und bleibt weiterhin ein stummes Mahnmal für den Frieden.  

Gordon Hügel