Radtour zum Kriegsgrab des Onkels

Volker Matz und seine "Tour de Pomezia"

9. Januar 2018

"Tour de Pomezia": Mit dem Zweirad machte sich Volker Matz auf die lange Reise zum Kriegsgrab seines Onkels in Pomezia/Italien. (Fotos: Volker Matz)

Viele Menschen gehen im Urlaub mit dem Auto auf die Reise. Andere nutzen die Bahn oder das Flugzeug. Für Volker Matz kam das alles nicht in Frage. Für seine Reise zum Grab des Onkels auf der südlich von Rom gelegenen Kriegsgräberstätte Pomezia benutzte er das gute, alte Fahrrad. Natürlich ging es ihm dabei nicht um die Geschwindigkeit, sondern um das Erleben und die Zeit zum Nachdenken über das Schicksal seines Onkels Hermann. Der war vor nunmehr 75 Jahren als Weltkriegssoldat ums Leben gekommen. Seine knapp 3500 Kilometer lange Radtour ist eigentlich eine Pilgerfahrt, so etwas wie der Jakobsweg – nur eben auf zwei Rädern.

Volker Matz kommt aus Frechen, ist Frührentner – lebt also im Unruhestand. Diesen nutzt er unter anderem für ausgiebige Radtouren. Wichtig dabei ist immer, ein lohnendes Ziel zu haben. Bei einem Familientreffen kam ihm schließlich die entscheidende Idee für die neue Reiserroute: Niemand hatte jemals das Grab von Onkel Hermann besucht, obwohl häufig von seinem schlimmen Schicksal gesprochen worden war. Jeder wusste, dass er als Wehrmachtssoldat kurz vor seinem 27. Geburtstag in Italien gestorben und auf der Kriegsgräberstätte in Pomezia beerdigt worden war. Dorthin sollte nun die Reise gehen.

Vierbeiner und Zweiräder

Während seiner etwa 3500 Kilometer langen Reise lernte Volker Matz Land und Leute quasi aus der Sattelperspektive kennen: „Wenn Sie mit dem Rad unterwegs sind, kommen Sie zwangsläufig mit den Leuten in Kontakt – allerdings auch mit frei laufenden Hunden. Vierbeiner sind ja meist nicht die besten Freunde der Zweiradler“, sagt der Frechener Frührentner und lacht. Am Ende sei aber immer alles gut gegangen. Man dürfe halt keine Angst zeigen, solle sich möglichst groß machen und notfalls auch mal mit etwas Futter für gute Stimmung unter den Vierbeinern sorgen. Er und sein Fahrrad haben sich also auch in schwierigsten Situationen behauptet. Davon abgesehen habe er Italien mit all seinen wunderschönen Landschaften und freundlichen Menschen in dieser Zeit wirklich lieben gelernt.

Wenn die Reise selbst auch ein Ziel der Reise ist, lässt es sich gut und gerne radeln. Auf diese Weise kam Volker Matz allerdings für sein Empfinden viel zu schnell an der Kriegsgräberstätte in Pomezia an. In der Nähe schlug er sein Zelt auf und stattete dem Onkel einen langen Besuch ab. Doch damit sollte die Radtour noch nicht zu Ende sein. Volker Matz trat erneut in die Pedale. Diesmal suchte er den Berg „Monte La Defensa“ in der nähe der Stadt Rocca d’Evvandro, der als Todesort seines Onkels beim Volksbund verzeichnet war. In einer der blutigen Abwehrschlachten wurde die Einheit seines Onkels Anfang Dezember 1943 an diesem Ort vollständig aufgerieben. Niemand hatte das grausame Schlachten überlebt.

 

„Es ist unfassbar, dass so viele junge Männer für so einen blöden Hügel ihr Leben lassen mussten“, meint Volker Matz. Darüber kam er vor Ort auch mit einem britischen Touristen Michael Sterling ins Gespräch und freundete sich mit ihm an. Sterlings Onkel war ebenfalls an den Kämpfen um den blutigen Hügel beteiligt, nur eben auf der anderen Seite. Doch diese Feindschaften sind heute längst überwunden und ins positive Gegenteil verkehrt. Volker Matz hat auf seiner 3500 Kilometer langen Fahrrad-Pilgerreise jedenfalls viele neue Freunde gefunden – und das Grab seines Onkels Hermann.

Maurice Bonkat