Weg der Damen, Straße des Krieges

50 Jahre Kriegsgräberstätte Fort-de-Malmaison

24. Juni 2015

Das Foto zeigt die Kranzniederlegung der deutschen Botschafterin Dr. Susanne Wasum-Rainer am 20. Juni 2015 anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kriegsgräberstätte Fort-de-Malmaison in Frankreich. (Fotos: Maurice Bonkat)

Julius Caesar und Napoleon waren schon hier, Jeanne D’Arc auch. Sie folgte dem Höhenzug Chemin des Dames von Paris bis zur Krönung ihres Königs nach Reims. Später zogen deutsche und französische Soldaten des Ersten und noch später die des Zweiten Weltkrieges über diese Straße, den Weg der Damen. Der Name klingt sympathisch. Doch eigentlich sollte die Route über den strategisch bedeutsamen Höhenzug nördlich des Aisnetals angesichts seiner langen Militärhistorie besser als Straße des Krieges bezeichnet werden. Heute liegt die deutsche Kriegsgräberstätte Fort-de-Malmaison, die vor 50 Jahren offiziell eingeweiht wurde, an eben dieser Wegstrecke.


Anlässlich des Jahrestages der Einweihung kommen am 20. Juni 2015 viele Besucher aus Deutschland und Frankreich auf das sehr gepflegt und friedlich wirkende Gelände der Kriegsgräberstätte Fort-de-Malmaison. Der idyllische Anblick der weiten Rasenflächen im Schatten der Bäume und der großen Gedenkhalle samt Hochkreuz steht dabei im Gegensatz zum Schicksal der hier beerdigten Kriegstoten. Fast 12 000 deutsche Weltkriegssoldaten haben hier durch das Wirken des französischen Gräberdienstes sowie des Volksbundes eine letzte Ruhestätte erhalten. Als dieser Friedhof, der zunächst als provisorischer Wehrmachtsfriedhof angelegt wurde, am 21. August 1965 offiziell eingeweiht wurde, kamen weit über 2 000 Menschen. Heute sind es vielleicht noch 200. Unter ihnen gibt es noch immer Angehörige, die hier ein liebes Familienmitglied betrauern. Dann stehen sie vor den gusseisernen Kreuzen, die am Sockel verbreitert sind, um dort die Namen der Toten zu verzeichnen. Davor halten die Menschen inne, legen Blumen ab. Wenn der Besuch vorher angekündigt wurde, zeichnen die französischen Mitarbeiter des Volksbundes meist noch den Namen mit Kreide nach. Dieser Anblick ist selten geworden. Aber es gibt ihn noch.

Blumen für die Unbekannten

Daneben finden sich allerdings auch hunderte von Gräbern, die keinen Namen, sondern die Aufschrift „Ein unbekannter deutscher Soldat“ tragen. Hier werden wohl niemals Blumen niedergelegt. Keiner bleibt stehen, niemand hält inne. Eigentlich. Denn auch in Fort-de-Malmaison sorgen zahlreiche Volksbund-Förderer mit ihren großzügigen Spenden dafür, dass auch diese Gräber mit weißen Blumensträußen geschmückt werden. Die Aktion „Blumen für Unbekannte“ gibt es schon seit einiger Zeit. In Fort-de-Malmaison ist sie wieder ein voller Erfolg. Mitverantwortlich dafür sind die neun Bundeswehrsoldaten um Stabsfeldwebel Frank Brettschneider. Die Gruppe vom Aufklärungsbataillon 6 aus Eutin hat sich freiwillig zu dem Kriegsgräbereinsatz in Nordfrankreich gemeldet. Neben weiteren Arbeiten wie etwa dem Nachlackieren der Metallkreuze haben sie all den unbekannten Gräbern ihre Arbeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Es ist eine schöne Erfahrung – für die Soldaten und natürlich die Besucher. 

Kraft der Versöhnung

Darunter sind neben der französischen Fahnenabordnung, einem örtlichen Spielmannszug und einer Volksbund-Reisegruppe aus der Oberpfalz um Kaspar Becher auch einige Alleinreisende, welche die Gedenkansprachen der deutschen Botschafterin Dr. Susanne Wasum-Rainer, des ehemaligen Volksbundpräsidenten Reinhard Führer sowie des Präfekten Raymond le Deun und des Bürgermeisters Daniel Gard hören. In den Reden ist viel von Frieden und Freundschaft zu hören, aber auch von der Schuld der Deutschen und der inzwischen längst erfolgten Versöhnung. Das Fazit der gemeinsamen deutsch-französischen Freundschaft, die im Kern eine europäische ist, fällt denkbar positiv aus: „Unser Weg von Erzfeinden zu Freunden ist jeder Mühe wert“, sagt Botschafterin Wasum-Rainer: „Deutschland weiß um die Kraft der Versöhnung. Frankreich hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Versöhnung mit Deutschland gesucht. Heute wissen wir, dass daraus Partnerschaft und Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern gewachsen ist.“ Der ehemalige Präsident des Volksbundes, Reinhard Führer, knüpft ebenfalls an den Gedanken der Völkerfreundschaft an und verweist zugleich darauf, dass man diese Idee auch mit Taten füllen müsse. „In diesem Gedanken hat der Volksbund im vergangenen Jahr acht internationale Jugend-Workcamps auf Kriegsgräberstätten in Frankreich durchgeführt. Für diesen Sommer und Herbst sind sogar zehn geplant. Auf diese Weise werden junge Menschen aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern an die Folgen des Krieges herangeführt und können gemeinsam internationale Verständigung leben.“

Es ist ein beeindruckendes Gedenken. Genau genommen sind es sogar zwei Veranstaltungen, die sich an diesem Tag am Rande des Chemin des Dames stattfinden. Denn noch vor der offiziellen Gedenkzeremonie halten die Reisenden der Volksbund-Gruppe aus Oberfranken hier in Fort-de-Malmaison ihre eigene kleine Gedenkfeier ab. Sie ist sehr persönlich und bewegend. So trägt Bezirksgeschäftsführer Robert Fischer das selbst verfasste Gedicht eines Angehörigen vor. Es folgt eine kleine Rede, dann die Kranzniederlegung. Anschließend bleibt noch etwas Zeit, um allein mit seinen Gedanken über den Friedhof zu gehen. Dies alles geschieht abseits des Weges des Krieges, des Chemin des Dames, an einem Ort, der seit nunmehr 50 Jahren an die alles überragende Bedeutung des Friedens erinnert: die deutsche Kriegsgräberstätte im französischen Fort-de-Malmaison.

Maurice Bonkat