Wir sind stolz, ein Teil der internationalen Gemeinschaft zu sein

22 Jugendliche aus ganz Europa trafen sich für zwei Wochen in Berlin zu einem Workcamp

25. August 2017 Diane Tempel-Bornett

Die Jugendlichen hatten gemeinsam die Gedenkveranstaltung vorbereitet und trugen Texte und Lieder vor.

Berlin, 23.8. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 16 und 23 Jahren stammen aus der Ukraine, Rumänien, Italien, Lettland, Weißrussland, Frankreich, Litauen, Ungarn, der Türkei und aus Deutschland.

Unter der Anleitung zweier Teamerinnen und zweier Teamern pflegten sie Gräber der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof XII in Berlin Buch. Dort liegen zahlreiche Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, auch über 700 Zwangsarbeiterinnen und ihre früh verstorbenen Kinder.

"Viele Jugendliche waren überrascht, dass Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter eine so große Opfergruppe sind. Der Tod durch Zwangsarbeit war ihnen neu. Viele der Toten kamen aus den Heimatländern der Jugendlichen." erklärte Campleiterin Lena Schroeder.

Zwangsarbeit war der inhaltliche Schwerpunkt des Workcamps. Die Jugendlichen besuchten die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide und das Dokumentationszentrum Topografie des Terrors, sie unternahmen aber auch eine Stadtrally, Ausflüge in die Stadt sowie nach Potsdam und absolvierten den Outdoor Challenge Day. Dort konnten sie in einem Stationen-Lauf ihre Geschicklichkeit beim Floßfahren und ihren Orientierungssinn beweisen.

Warum geht man in ein Workcamp? Eine Teilnehmerin berichtete, sie wäre durch ihre Mutter zum Workcamp des Volksbundes gekommen, denn die hätte früher schon daran teilgenommen und ihr erzählt, die Workcamps seien eine tolle Mischung aus Kultur, Engagement und Spaß.

"Dies war aber auch eine besondere Gruppe" resümiert die Campleiterin Lena Schroeder. "Sie hatten einen ganz besonderen Zusammenhalt und ein gutes Gruppengefühl. Sie wollten in der Freizeit immer zusammenbleiben. Ich glaube, hier sind Freundschaften entstanden, die bestimmt viele Jahre halten." Alexander Kupka, Teamer ergänzt: "Jugendliche, die sich zu einem internationalen Workcamp anmelden, sind meistens sowieso offen, interessiert und haben einen besonderen Blickwinkel auf die Welt."

Auf dem Berlin-Abend in der Julius-Leber-Kaserne dankten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer allen beteiligen Organisationen, Gruppen und Menschen, die die einzigartigen Erfahrungen und Erlebnisse ermöglicht hatten: der Bundeswehr, dem DLRG, ihren Teamerinnen und Teamern und dem Volksbund. Was nehmen nun die Jugendlichen vom dem Workcamp mit? Drei junge Frauen formulierten das so: "Wir haben gelernt, was unsere Vorfahren getan haben. Wir sind heute stolz, zu einer internationalen Gemeinschaft zu gehören. Und wir hoffen, dass wir in Zukunft wieder zusammentreffen, um für die Menschenrechte zu kämpfen."