Wird schon, wird schon!

Neu- und Umbau der JBS Niederbronn

6. Juli 2017

Hier wird gebaut: Die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte des Volksbundes im französischen Niederbronn wird renoviert und zugleich vergrößert. (Fotos: Maurice Bonkat)

Das neue Haus ist aufgericht’ – gedeckt, gemauert ist es nicht – noch können Regen und Sonnenschein – von oben und überall herein .... So beginnt der traditionelle Richtspruch im Elsass. Dort liegt auch die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte (JBS) Niederbronn-les-Bains. Die wird nun erweitert, Grundmauern und Dachstuhl stehen bereits. Neben der so wichtigen staatlichen Förderung haben dazu vor allem viele Volksbund-Förderer mit ihren Spenden beigetragen. Der Volksbund dankt herzlich und berichtet hier über den aktuellen Stand der Bauarbeiten.

Der Volksbund baut: 32 Betten, dazu ein großer Spiel- und Seminarraum, ein richtiger Empfang und auch neue Büroräume sollen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kriegsgräberstätte Niederbronn in Frankreich entstehen. Die Gründe dafür lagen in der hohen Belegung einerseits, sowie in der aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten eher zu klein geratenen Jugendbegegnungsstätte andererseits. „Bisher war der Speisesaal zugleich auch unser Seminarraum und die Abstellkammer ein Büro – und das schon seit 22 Jahren“, sagt JBS-Leiter Bernard Klein: „Es war ein dauernder Ausnahmezustand. Der Seminarraum hat wirklich gefehlt, und es ist gut, dass wir jetzt mehr Raum für unsere Jugend- und Bildungsarbeit haben. Außerdem ist es sehr wichtig, dass wir nun auch behinderte beziehungsweise körperlich beeinträchtigte Menschen aufnehmen können.“

Mehr Raum für Jugend & Bildung

 

Bisher diente der Speisesaal der JBS auch als Seminarraum. Das soll sich nun ändern.

Auch das zugehörige Verwalterhaus, in dem bisher Freiwillige und Zivildienstleistende gewohnt hatten, war stark baufällig geworden. Eine Renovierung war aufgrund der unter anderem mit Schimmel durchsetzten Bausubstanz wirtschaftlich nicht mehr möglich. Das Haus stammt wie auch der Friedhof aus dem Jahr 1966. In der Zwischenzeit müssen die europäischen Freiwilligen mit einer kleinen Wohnung fernab der JBS in der Stadt Niederbronn auskommen – ein weiterer Notbehelf.

Alles wird besser

Doch künftig wird alles besser, größer und schöner werden. Neben der bisherigen JBS entsteht nun gegenüberliegend ein weiterer zweistöckiger Gebäudekomplex, der die Nutzungsfläche fast verdoppeln wird. Es ist ein Riesenfortschritt. Und die Kosten? „Das Gesamtprojekt umfasst inklusive der folgenden Renovierung der verbliebenen Altgebäude etwa 2,4 Millionen Euro. Vom Bundesfamilienministerium sowie vom Land Baden-Württemberg gab es dazu jeweils 200.000 Euro Zuschüsse. Der Großteil der benötigten Mittel stammt allerdings von den Volksbund-Förderern“, sagt Volksbund-Mitarbeiterin Ilona Grün, die für das Bauprojekt verantwortlich ist.

Wenn der neue Gebäudeteil fertig ausgebaut ist, werden auch die älteren Gebäude renoviert und zum Teil erweitert. Dies betrifft vor allem die Vergrößerung der Küche sowie des bereits angesprochenen Speisesaals, der künftig doppelt so viele Gäste beherbergen kann. Das Bauende sowie der Beginn der Bildungsarbeit in der frisch vergrößerten JBS Niederbronn sind für die zweite Hälfte des Jahres 2018 geplant.

Es geht voran: Die JBS-Erweiterung soll im Jahr 2018 abgeschlossen sein.

Arbeiten auf der Baustelle

Bis dahin arbeiten Bernard Klein und sein engagiertes Team zumindest teilweise auf einer Baustelle. Mit Blick auf die künftige Verbesserung wird dies aber so gut es geht ausgeblendet, während der Betrieb vorerst aufrechterhalten wird. In der Phase der Renovierung der Altgebäude ist allerdings die Schließung der JBS für einige Monate – voraussichtlich von etwa Dezember 2017 bis April 2018 – vorgesehen. Der Volksbund wird darüber zeitnah informieren. Anschließend folgt der Neustart in den frischen, neuen Räumen.

Mut und Zuversicht

 

Gelernt ist gelernt: Die Zimmerleute vollenden die Dachstuhlkonstruktion der erweiterten JBS.

JBS-Leiter Bernard Klein sieht die Bauphase ebenfalls gelassen: „Ça ira, Ça ira“ (Wird schon gehen!), sagt der 58-Jährige und benutzt damit den Refrain eines Kampfliedes aus der Zeit der französischen Revolution. Es soll Mut und auch Zuversicht bezüglich des Gelingens eines waghalsigen Projektes zum Ausdruck bringen. Aber die JBS hat gar keinen Grund zur Sorge: „In den letzten Jahren hatten wir immer einen Schnitt von etwa 8 000 Gästen pro Jahr. Das ist enorm. Leider mussten wir dabei aber auch 2 000 Anfragen aufgrund des akuten Platzmangels ablehnen. Das soll sich künftig ändern. Unser Ziel ist eine Steigerung auf 12 000 Gäste. Und ich denke, dass wird schon. Ça ira, Ça ira!“, sagt Bernard Klein und schmunzelt.

Seine Zuversicht ist begründet. Wenn er einen Fuß aus seinem Büro im alten Hauptgebäude der JBS setzt, kann er die Baufortschritte jeden Tag mit eigenen Augen sehen. Wo einst nur ein großer Schutthaufen des alten Verwaltungsgebäudes lag, der kurz darauf einer großen Baugrube wich, entsteht heute ein imposanter Neubau mit vielen großzügigen und sonnendurchfluteten Räumen.

Zimmermannmeister Strasser bei der Arbeit. Im Hintergrund sieht man die schöne Landschaft des Elsass.

Seit ein paar Tagen ist nun auch der Dachstuhl errichtet. Dies ist traditionell der Zeitpunkt, an dem der Bau gesegnet wird. Dies übernimmt der Elsässer Dominique Strasser. Der 58-jährige Zimmermannmeister hat seinen Richtspruch schon oft zum Besten gegeben. Doch hier ist es etwas Besonderes: „Für uns ist das keine normale Arbeit. Es ist eine Ehre, hier zu arbeiten, denn auch der Volksbund hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass wir heute alle Freunde sind“, sagt Strasser. Dann erklimmt er behände das Außengerüst und klettert bis zur Spitze des Dachstuhls, wo ein kleiner Nadelbaum bereits auf das wichtige Ereignis hindeutet. Dann folgt der schon eingangs erwähnte Richtspruch, der dem Haus und seinen Gästen eine erfolgreiche Zukunft bescheren möge:

Drum rufen wir zum Meister der Welt, – er wolle von dem Himmelszelt – nur Heil und Segen gießen aus – Hier über dieses off’ne Haus. – In die Küche Maß und Reinlichkeit – in den Stall Gesundheit allermeist – in den Keller dem Wein ein guter Geist. – Nun Maurer, decket und mauert aus. – Der Segen Gottes ist im Haus.

Maurice Bonkat