Kriegsgräberstätten - Verunsichernde Orte?

Lehrerfortbildung des Volksbundes in der JBS Golm auf Usedom

Gemeinsam lernen und sich austauschen - Lehrerfortbildung "Verunsichernde Orte" 2012

Die große Lichtung, von mächtigen Buchen umgeben, liegt friedlich und von Morgentau benetzt. Die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres glitzern über die Wiese und lässt die Betrachter zweifeln, ob sie tatsächlich am richtigen Ort stehen. Denn diese Lichtung ist ein Massengrab.

Die Geschichte dieses Ortes steht in krassem Kontrast zum Anblick, der sich den anwesenden Lehrerinnen und Lehrern bietet - dieser Gegensatz verunsichert.

"Verunsichernde Orte" ist auch die Veranstaltung betitelt, auf der sie sich befinden. Und schon bei der ersten Begehung der Kriegsgräberstätte Golm auf Usedom wird klar, dass der Titel passt. Denn dieser Friedhof entzieht sich einfachen Zuschreibungen, pauschalen Urteilen und Kategorisierungen. Er ist ein unbequemer Ort, das stellen die teilnehmenden Lehrer fest. Und der pädagogische Umgang mit dieser und anderer Kriegsgräberstätten erfordert Mut und Fingerspitzengefühl.

Um die Lehrer für diese Auseinandersetzung zur stärken führt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. regelmäßig Fortbildungen durch. Das Besondere am Seminar auf dem Golm war die Zusammenarbeit der drei Landesverbände Berlin, Sachsen-Anhalt und Thüringen, welche einen länderübergreifenden Austausch der Lehrkräfte ermöglichte. Durch die Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut in Frankfurt konnte die hohe inhaltliche Qualität der Fortbildung sichergestellt werden, so dass auch die Stiftung "Gedenken und Frieden" bereit war, die Veranstaltung finanziell zu unterstützen.

Inhaltlich setzte sich das viertägige Seminar "Verunsichernde Orte" aus zwei Teilen zusammen: Zunächst einmal wurden sie Teilnehmenden mit der Jugendbegegnungsstätte Golm bekannt gemacht und die pädagogische Arbeit des Volksbundes erklärt. Der Kreislauf der Gewalt wird auf Usedom besonders eindrücklich an den Beispielen der "Heeresversuchsanstalt Peenemünde" und der Stadt Swinemünde. In dem am Nordende der Insel gelegenen Örtchen Peenemünde entstand zur Zeit des Nationalsozialismus die wichtigste deutsche Anstalt zur Raketenforschung, aus der die berüchtigten "Vergeltungswaffen" V1 und V2 hervorgingenn. In Swinemünde kehrte der Luftkrieg dann wieder auf deutschen Boden zurück und tötete Tausende - die jetzt auf dem Golm begraben liegen. Beide Orte müssen also pädagogisch gemeinsam behandelt werden. Dazu bietet die JBS Golm gute Module an, die den Lehrern vorgestellt wurden.

Im zweiten Teil des Seminars machten die Seminarleiterinnen Barbara Thimm und Ulrike Grund das Selbstverständnis der Lehrer zum Thema: Aus welcher Perspektive unterrichten sie über den Nationalsozialismus? Welche Motivation haben sie in der Auseinandersetzung mit Totalitarismus? Und wo liegen ihre Toleranzgrenzen im Umgang mit den Jugendlichen? Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhältnis zu den "verunsichernden Orten" war nicht immer einfach und kostete viel Mut. Doch der interkollegiale Austausch wurde geschätzt und führte zu interessanten Konversationen. Am Ende der vier Seminartage waren die Teilnehmenden erschöpft - aber zufrieden. Die weite Anreise hatte sich gelohnt: erste Projektideen wurden entwickelt, neue Kontakte geknüpft und Berührungsängste mit dem Volksbund konnten abgebaut werden.

Die länderübergreifende Fortbildung soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Wir bedanken uns bei der Stiftung Gedenken und Frieden für die freundliche Unterstützung!

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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