Urlaub in der Vergangenheit mit Zukunft – Jugendliche aus 13 Nationen pflegen Kriegsgräber in der Hauptstadt

35 junge Menschen mit ungewöhnlicher Freizeitbeschäftigung treffen sich in Berlin: Gemeinsames Arbeiten auf einer Kriegsgräberstätte

19. August 2015 Christoph Blase

Ein letzter musikalischer Gruß (Fotos: Ch. Blase)

29 Grad im Schatten – tropisch-schwüle Tage in Berlin. Die meisten jungen Menschen zieht es bei so einem Wetter ins Freibad. Doch 35 Jugendliche aus Belgien, Bulgarien, Frankreich, Israel, Italien, Lettland, Polen, Rumänien, Russland, der Türkei, der Ukraine, Weißrussland und Deutschland hatten in ihren Ferien etwas anderes geplant. Als Gäste des Volksbunds pflegten sie für zwei Wochen in Berlin-Spandau die Gräber von Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. Diese Pflegearbeiten führten den Jugendlichen die Auswirkungen von Krieg und Gewaltherrschaft deutlich vor Augen. Auch inhaltlich beschäftigte sich die Gruppe mit den Themen Krieg und Gewaltherrschaft, etwa im Rahmen von Workshops oder durch den Besuch von Museen und Gedenkstätten.

An ihrer Wirkungsstätte auf dem Friedhof „In den Kisseln“ in Berlin-Spandau organisierten die jungen Menschen zum Abschluss des Workcamps in Eigenregie eine eindrucksvolle Gedenkfeier. Zu Gitarre und Ukulele sangen sie Lieder, die man sicher nicht so oft auf Gedenkveranstaltungen der „Erwachsenen“ zu hören bekommt. Vielleicht gerade deswegen trafen die Sängerinnen und Sänger die Stimmung aller Anwesenden zu denen auch der Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank sowie die stellvertretende Berliner Landesvorsitzende Mieke Senftleben gehörten.

Am Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft legten die Jugendlichen – nach ihren Heimatländern aufgeteilt – Blumen nieder und versprachen in ihrer Muttersprache, sich für Frieden und Versöhnung einzusetzen und die Opfer nicht zu vergessen. Auch jedem der vielen Trauergäste sowie den Angehörigen übergaben sie eine Blume als ein Zeichen der Versöhnung über den Gräbern.

70 Jahre nach dem Krieg zum ersten Mal am Grab des Vaters

An der Gedenkveranstaltung nahmen auch mehrere Angehörige, denn auch nach so vielen Jahren werden die Kriegsgräberstätten weiterhin von Verwandten besucht. Zunehmend auch von der Enkelgeneration, die sich für die Familiengeschichte interessiert. Geschichten wie diese etwa: Der Großvater von Matthias I. ist in den letzten Kriegstagen gefallen – so vermuteten die Angehörigen. Genaue Informationen über Richard B. waren nicht zu bekommen. Erst 2015 konnte der Enkel  das Schicksal klären. Durch eine Verwechselung war ein falscher Name auf den Grabstein des Mannes gesetzt worden. Jetzt hat sich, Dank des Engagements von Enkel Matthias und der Unterstützung durch die Berliner Senatsverwaltung, die Verwechslung aufklären lassen. Richard B., am 7. Mai 1945 im Hilfskrankenhaus Seeburger Straße verstorben, ist auf dem Friedhof „In den Kisseln“ bestattet worden. Dieter B., der Sohn von Richard, konnte so nach 70 Jahren zum ersten Mal das Grab seines Vaters besuchen. „Schicksale wie diese zeigen den Jugendlichen, dass die Arbeit, die sie leisten, selbst so viele Jahre nach Kriegsende, für die Angehörigen von Kriegsopfern noch immer wichtig ist. Außerdem erhalten die Toten ein Gesicht, sind nun mehr als ‚nur‘ ein Name auf einem Grabstein. Deshalb ist es uns wichtig, die Jugendlichen mit Einzelschicksalen bekannt zu machen und die Angehörigen zu unserer Gedenkfeier einzuladen“, sagt Anneke Viertel, Jugendreferentin beim Volksbund. Viele Vermisstenschicksale sind mittlerweile geklärt und die Grabstätten bekannt. Unter www.volksbund.de/graebersuche können Interessierte unter mehr als vier Millionen Datensätzen des Volksbundarchivs selbst recherchieren.

Workcamp 2015: Arbeitseinsatz in Spandau, mehr Lernen über die Vergangenheit, Berlin entdecken

Die Jugendlichen verrichteten auf einer Kriegsgräberstätte auf dem Spandauer Friedhof „In den Kisseln“ Pflegearbeiten. Die Gruppe wohnte, wie in den vergangenen Jahren, bei der Bundeswehr in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow und wurde dort auch verpflegt.

Auf dem Programm standen, neben den Pflegearbeiten, die Beschäftigung mit der Geschichte Berlins und Deutschlands und das Kennenlernen des heutigen Berlins. Die jungen Menschen besuchten auch dieses Jahr wieder unter anderem die Topographie des Terrors, die Gedenkstätten Berliner Mauer und Ravensbrück.

Finanziell wurde die Begegnung von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, logistisch von der Bundeswehr und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt unterstützt. „Unsere Workcamps sind 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein wichtiger Ort des gegenseitigen Kennen- und Verstehenlernens, die jungen Teilnehmenden setzen sich mit den Themen Krieg und Frieden auseinander. Es entstehen Freundschaften über Grenzen hinweg. Wir hoffen, so einen kleinen Beitrag zu mehr Frieden in unserer Welt leisten zu können“, sagte Landesgeschäftsführer Dr. Ingolf Wernicke.

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