Erinnerung an den deutschen Angriff auf die Sowjetunion vor 70 Jahren

Lesung russischer und deutscher Feldpostbriefe - "Krieg ist für alle gleich"

30. Juni 2011

Russisch-deutsche Zusammenarbeit: Schauspieler Roman Schmakov und Sprecher Johannes Wördemann

Mit einer besonderen Veranstaltung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart erinnerte der Landesverband an den 22. Juni 1941. Der Landesvorsitzende Dr. Norbert Nothhelfer konnte vor einem gut besetzten Saal fünf junge Menschen aus Moskau vorstellen, die auf Anregung von Georg Pornschlegel aus Esslingen nach Stuttgart gekommen waren, um in einer „szenischen Lesung“ zusammen mit dem deutschen Sprecher Johannes Wördemann sowjetische, deutsche, amerikanische und britische Feldpostbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg vorzutragen.

Eingangs riefen der Leiter des Hauses der Geschichte Dr. Thomas Schnabel und der Geschäftsführer des Landesverbands Baden-Württemberg, Dr. Martin Lunitz, jenen Tag in Erinnerung, an dem vor 70 Jahren mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion der Krieg die Ausweitung zum Weltkrieg erfuhr und die Wehrmacht im Osten auf Befehl des national-sozialistischen Regimes einen Eroberungs- und Vernichtungskrieg von unerhörter Härte und Radikalität begann, der in die Katastrophe führte.

Was dann folgte, war in Form und Intensität unerwartet, ungewohnt und neu. Die jungen Schauspieler boten nicht eine herkömmliche, sondern eine durch Geräusche, Melodien und wechselnde Hintergrundbilder verstärkte Lesung dar. Durch Mimik, Gesten, Positionswechsel der Schauspieler und durch die Dynamik ihrer Sprache gelang eine sehr emotionsgeladene und eindrucksvolle Vermittlung der Gefühle und Empfindungen, der Sorge, Angst und des Schmerzes, von denen die Verfasser beim Schreiben ihrer Briefe erfüllt waren.

Dem Zuhörer wurde rasch klar, dass es inhaltlich kaum einen Unterschied machte, ob der Brief nun von einem Russen, einem Deutschen, einem US-Amerikaner oder einem britischen Soldaten stammte, ob von einer deutschen oder russischen Mutter, Ehefrau, Freundin oder Verwandten. Deshalb spielte es auch keine Rolle, dass ein Teil der deutschen Briefe nicht nur in deutscher Sprache, sondern abschnittsweise von den russischen Schauspielern, dann von dem deutschen Sprecher vorgetragen wurde. „Krieg ist für alle gleich“, diese Titelaussage der Veranstaltung bewahrheitete sich in der neuartigen Darbietung von Feldpostbriefen in höchst eindruckvoller Weise.

Am Ende bedachte das Publikum die drei Schauspieler und den deutschen Sprecher, die Regisseurin und die Technikerin mit lang anhaltendem Beifall. Ein russischer Zeitzeuge und Kriegsveteran trat spontan vor das Publikum, lobte die Kunst der Akteure und bedankte sich für die gelungene Darbietung. Er rief dazu auf, dass im Jahre 2015 Repräsentanten aller am Zweiten Weltkrieg beteiligten Nationen gemeinsam des Kriegsendes vor 70 Jahren gedenken mögen.