Ahoi Wilhelmshaven

Jugendliche des Volksbundes suchen Spuren der zwei Weltkriege in Wilhelmshaven

22. März 2018

Besuch des Marinestützpunktes

Bewegendes Zeitzeugengespräch

Besichtigung einer alten Bunkeranlage

Führung über den Ehrenfriedhof

Alte Freunde wiedertreffen, neue Freundschaften knüpfen, aber auch ein umfangreicher thematischer Input rund um das Thema Wilhelmshaven zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese Vorhaben standen im Vordergrund beim Frühjahrstreffen ehrenamtlicher Jugendlicher des Volksbundes LV Niedersachsen vom 9. bis 11. März in Wilhelmshaven.


Die 25 Teilnehmenden konnten an diesem Wochenende in der Bundeswehrkaserne Ebkeriege übernachten. Das sehr große Gelände sollte 2016 geschlossen werden, aufgrund einer neuen Regelung werden dort jetzt aber die Marinesoldaten, die mit ihren Schiffen in Wilhelmshaven vor Anker liegen, untergebracht. So kamen die Jugendlichen in den Genuss einer kostenfreien Unterkunft in der Stadt an der Nordsee. Nach der Ankunft wurde der Abend damit verbracht, die alten Freunden aus verschiedenen Workcamps wiederzutreffen und die Neulinge beim Volksbund willkommen zu heißen und kennenzulernen.

Die Geschichte Wilhelmshavens lässt sich ohne den Verweis auf den Marinestützpunkt vor Ort kaum erzählen. Daher stand zunächst ein Besuch des größten Marinestützpunktes in Deutschland auf dem Programm. Zum Zeitpunkt der Besichtigung lagen die beiden Fregatten „Schleswig-Holstein“ und „Mecklenburg-Vorpommern“ im Hafen, die aus nächster Nähe betrachtet werden konnten. Ursprünglich vorwiegend konzipiert zum Aufspüren von U-Booten, verschiebt sich der Aufgabenbereich dieser und anderer Schiffe der Bundeswehr zunehmend in Richtung humanitärer Aufgaben. Dazu gehört zum Beispiel die Versorgung von Flüchtlingen auf See, für die auch die Fregatten in Wilhelmshaven eingesetzt werden.

Nach der Besichtigung eines alten Bunkers folgte am Nachmittag im Gemeindehaus Heppens ein langes Gespräch mit zwei Zeitzeugen, die den zweiten Weltkrieg als Kinder in Wilhelmshaven miterlebt haben. Es ist kaum vorstellbar, welche Ereignisse beide Zeitzeugen miterleben mussten. Sei es die Geschichte von Herrn Kannenberg, der mit 14 Jahren als „Melder“ die Aufgabe hatte Bombenabwürfe zu übermitteln und dafür durch zerbombte Häuserruinen klettern musste. Eine Aufgabe, die er selbst als „unzumutbar“ beschreibt. Oder das Schicksal von Frau Oltmanns Vater, der aufgrund einer ablehnenden Äußerung über Hitler von der Arbeit weggeholt wird und der seine Familie nie wiedergesehen hat. Erst später erfährt Frau Oltmann in einem Zeitungsartikel, dass ihr Vater auf dem „Feld der Ehre“ gestorben sei. Noch später findet sie heraus, dass dies nicht stimmt und ihr Vater in Polen in Gefangenschaft gestorben ist.

Sichtlich bewegt berichten beide von diesen und andere Erlebnissen ihrer Kindheit, die für uns heute nur schwer vorstellbar sind, darunter die Teilnahme an der Kinderlandverschickung der Nationalsozialisten oder über das Gefühl im Bunker Bombenangriffe mitzuerleben. Obwohl sie über belastende Erlebnisse sprachen, stellten sie sich allen Fragen der Anwesenden und sind froh darüber, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Thema auseinandersetzen und sich die Geschichten ihrer Generation anhören. Diese Auseinandersetzungen mit den Berichten von Zeitzeugen betrachten sowohl Frau Oltmann als auch Herr Kannenberg als äußerst wichtig. Mit dem Zeitzeugengespräch war das Programm des Tages abgeschlossen.

Am Sonntag stand am Morgen vor der Abreise noch ein Besuch auf dem Ehrenfriedhof inklusive Führung auf dem Programm. Der Besuch eines Friedhofs der Gefallenen beider Weltkrieg ist eine besondere Erfahrung und gibt eine andere Perspektive auf den Krieg. Der Anblick der vielen Kreuze verdeutlicht das Leid und die Grausamkeit, die mit Krieg einhergeht. Die Daten, die auf den Kreuzen zu sehen sind, rufen ins Gedächtnis, dass ein Großteil der Soldaten kaum älter als 20 Jahre alt war und ganze Generationen in beiden Kriegen ausgelöscht oder ihrer Jugend beraubt wurden. Dieses Jahr ist das Ende des ersten Weltkriegs 100 Jahre her und ein Besuch auf einem Soldatenfriedhof lohnt, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was Krieg wirklich bedeutet und wie wichtig es ist, alles dafür zu geben, um Frieden zu schaffen und um ein solches Leid zu verhindern.

In einer letzten gemeinsamen Runde wurde vor der Abreise über das Wochenende resümiert und Verbesserungsvorschläge vorgebracht. Im Großen und Ganzen waren sich aber alle Beteiligten einig, dass das Frühjahrstreffen ein voller Erfolg war.


Fotos/Hussam Alhabash

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