Einweihung einer Geschichts- und Erinnerungstafel auf dem Göttinger Stadtfriedhof

1. Juni 2018

Einweihung einer Geschichts- und Erinnerungstafel auf dem Stadtfriedhof Göttingen

Schülersprecherin Carolin Lachmann schildert das Projekt, Bürgermeister Köhler (4.v.r.) und Bezirksvorsitzender Walter-Johannes Herrmann lauschen gespannt

Dank an alle Beteiligten

Am 30. Mai weihte Oberbürgermeister Köhler auf dem Göttinger Stadtfriedhof eine Geschichts- und Erinnerungstafel ein. Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hatten unter Anleitung ihres Geschichtslehrers Andreas Laubinger zur Geschichte des Gräberfelds 46 geforscht und ihre Ergebnisse in der Geschichts- und Erinnerungstafel aufbereitet. Sie informiert nun über das Schicksal der verschiedenen Opfergruppen, die auf dem Göttinger Stadtfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Oberbürgermeister Köhler zeigte sich hoch erfreut über die Arbeit der Schüler, weil ihre Tafel die erste dieser Art in Göttingen ist. „Damit habt Ihr einen Beitrag zur Aufarbeitung eines Teils der Lokalgeschichte unserer Stadt geleistet“, lobte Köhler die Schüler und fuhr fort, „Ihr habt ein Stück Heimatgeschichte geschrieben, im besten Sinn des Wortes: nicht als «Heimattümelei», sondern als kritische Bestandsaufnahme, als Auseinandersetzung mit Menschen, die hier in Göttingen – oft gegen ihren Willen – lebten und starben. In unserer Gegenwart, in der der Begriff «Heimat» politisch instrumentalisiert und Menschenrechte in Frage gestellt werden, ist eure Arbeit wichtig.“ Oberbürgermeister Köhler betonte, dass die Geschichts- und Erinnerungstafel ein Beispiel für die Bildungsarbeit des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge sei und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese Bildungsarbeit einen festen Platz an den Göttinger Schulen finden werde.

Der Beitrag von Carolin Lachmann, Schülersprecherin an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und Mitglied der Schülergruppe, die die Tafel erarbeitet hatte, zeigte welch nachhaltigen Lernerfahrungen junge Menschen bei der Arbeit mit Kriegsgräbern machen können. Sie erklärte ihre Motivation im Anblick der vielen Gräber: „Selbst Erinnerungen an Opfer verschwinden. Blumen sollen Aufmerksamkeit erwecken. Das tun sie hier wie ein Feld aus Kreuzen und Blumen. Doch selbst dieses erinnert nicht an die Geschichte. Sie wecken meine Aufmerksamkeit, wenn ich das Feld aus Blumen und Kreuzen sehe, doch die Kriegsopfer und die Geschichte erklären sie mir nicht und so vergisst man sie. […] Alle Kreuze, die hier stehen, sind Erinnerungen. Doch an was genau sollen sie uns erinnern? Diese Frage stellten wir uns zu Anfang des Projektes. Natürlich sagten wir an die Gefallenen im Krieg, jedoch war das nicht alles.“ Die Schülerin beschrieb die Recherchen im Göttinger Stadtarchiv, die Arbeit in Kleingruppe, die verschiedenen Etappen der Radaktion des Textes der Tafel. Ihre Worte beeindruckten die Zuhörer. Sie erlebten, wie junge Menschen doch offene Unterrichtsformen zu Ergebnissen kommen, die im Klassenraum so kaum zu erzielen sind. Carolin Lachmann brachte diesen Eindruck auf den Punkt: „Das wir solche Erinnerungen und auch geschichtliche Aspekte über Göttingen gelernt haben, war für uns sehr interessant und gab uns die Motivation etwas zu erschaffen.“

Die Geschichts- und Erinnerungstafel auf dem Stadtfriedhof wird auch in unserer Mediathek der Tafeln in Niedersachsen aufgeführt sein.

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