„Lernort Kriegsgräberstätte?!“

36 Lehrer_innen und Multiplikatoren aus der Bildungsarbeit besuchen Fortbildung an der Europaschule Dortmund

25. September 2017

Impulsvortrag von Dr. Bünyamin Werker

Die erste Stele mit Namensziegeln aus dem Projektjahr 2012

Dortmund. Seit dem Jahr 2012 arbeiten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe neun der Europaschule Dortmund gemeinsam mit ihren Lehrern Gudula Kahlert und Stefan Schneider im Unterricht zu den Schicksalen der 5.095 sowjetischen Kriegsopfer, die auf dem schulnahen Hauptfriedhof beigesetzt sind.

Sie besuchen die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, das Stadtarchiv Dortmund und arbeiten anhand von Personalkarten zu einzelnen Schicksalen. Namensziegel aus Ton werden gefertigt und an den Kriegsgräbern auf dem Dortmunder Hauptfriedhof aufgebracht. Über dieses besondere Projekt gestalten die Schülerinnen und Schüler jährlich die zentrale Gedenkstunde der Stadt Dortmund zum Volkstrauertag mit.

Am 05.06.2015 konnte im Beisein der damaligen Schulministerin Sylvia Löhrmann eine Bildungspartnerschaft zwischen der Europaschule Dortmund, der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache und dem Volksbund geschlossen werden.

Als nun die Idee entstand, eine Fortbildung für Lehrkräfte und Multiplikatoren in Kooperation mit Bildungspartner NRW anzubieten, bei der im Schwerpunkt der Lernort Kriegsgräberstätte betrachtet werden soll, fiel die Wahl schnell auf die Europaschule Dortmund.

Gerne waren die langjährigen Projektpartner um die didaktische Leitung Petra Parker bereit, für solch ein Pilotprojekt die Türen und Räumlichkeiten der Europaschule zu öffnen.

Zunächst waren alle Projektpartner noch skeptisch, wie hoch die Resonanz für dieses Angebot sein könnte. Doch bereits Ende August war die Veranstaltung bis auf den letzten Platz ausgebucht!

36 Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiter von Universitäten, NS-Gedenkstätten und anderen Institutionen aus dem Bildungsbereich des historisch-politischen Lernens erlebten bei bestem Sonnenwetter einen eindrucksvollen Tag.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Schulleiter der Europaschule, Herrn Jörg Girrulat, bildete ein Impulsvortrag des Studienleiters der Akademie der kulturellen Bildung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen den thematischen Einstieg. Folgendes Thema hatte Dr. Bünyamin Werker hierfür gewählt: "Erinnerungskultur(en) in der Migrationsgesellschaft- eine pädagogische Herausforderung!?"

Anschließend folgte ein Podiumsgespräch, in dem Stefan Schneider von der Europaschule Dortmund und Rainer Legant von der Fritz-Winter Gesamtschule aus Ahlen anschaulich von ihren Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Schülerinnen und Schülern zu Kriegsgräberstätten in Anlehnung an bestimmte Gedenktage berichteten. In diesem Zusammenhang verwies die Moderatorin Verena Effgen auf einen Beschluss der KMK, vom 11.12.2014: "Erinnern für die Zukunft- Empfehlungen zur Erinnerungskultur als Gegenstand historisch-politischer Bildung in der Schule". Dieser Beschluss betont die Chancen, die sich für Schulen in der Kooperation mit außerschulischen Lernpartnern böten. Besonders hervorgehoben wird die Anschlussfähigkeit zu verschiedenen Schulfächern bei der Auseinandersetzung mit Gedenkstätten und Kriegsgräberstätten.

Andreas Weinhold von Bildungspartner NRW machte die Runde im Podiumsgespräch komplett. Als Koordinator der Initiative Gedenkstätte und Schule lud er die Gäste der Fortbildung ein, sich ebenfalls über die Chancen solch einer Bildungspartnerschaft zu informieren.

Nach dieser theoretischen Annäherung an das Thema machten sich alle Teilnehmer zu Fuß auf den Weg zum nahen Hauptfriedhof. Dort wurden sie durch Detlev Hertwig von der Friedhofsverwaltung Dortmund begrüßt. Anschließend führte die Exkursion zu den Gräbern der 3.032 deutschen und 5.095 sowjetischen Kriegsopfer, wo die bisherigen Projekterfahrungen und beinahe 600 Namensziegel vorgestellt wurden. Im Rahmen dieser Führung wurde verdeutlicht, wie Schülerinnen und Schüler der Europaschule an das Thema Kriegsgrab herangeführt werden und welche Lernziele damit verbunden werden.

Dabei wurde besonders herausgestellt, dass ein Bezug von der Geschichte zur Gegenwart enorm wichtig sei. Den Schülerinnen und Schülern werde auf besondere Weise vor Augen geführt, wohin Vorurteile, Verachtung von vermeintlich Schwächeren und politisches Desinteresse führen könnten. Dass die Demokratie in der wir in Deutschland und in weiten Teilen Europas leben nicht selbstverständlich sei, sondern das Engagement jedes einzelnen Bürgers erfordere.

Beeindruckt und bewegt kehrten die Teilnehmer pünktlich zum Mittagessen zur Europaschule zurück. An dieser Stelle bedanken wir uns ausdrücklich beim Föderverein und besonders bei Herrn Lorff für die herzliche und gute Bewirtung!

Bei den anschließenden Workshops gab es viel Gesprächsbedarf und zum Abschluss der Veranstaltung waren viele neue Kontakte geknüpft. Teilnehmer und Veranstalter der Fortbildung "Lernort Kriegsgräberstätte!?" zeigten sich sehr zufrieden mit dieser Pilotveranstaltung. Durch diese guten Erfahrungen bestärkt, laufen bereits Planungen für eine Folgefortbildung im Frühjahr 2018. Nähere Informationen folgen.

Last but not least bedanken wir uns bei der Stiftung Gedenken und Frieden die die Durchführung der Fortbildung "Lernort Kriegsgräberstätte?!" finanziell maßgeblich ermöglicht hat!

Fotos: Daniel Gollmann Text: Verena Effgen, Bildungsreferenten Volksbund

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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