Gräberstätten von Krieg & Gewaltherrschaft in Niedersachsen - Listenansicht

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Norderney, Ev.- luth. Friedhof

In der Gräberstätte, die sich im mittleren Teil des Gemeindefriedhofes befindet, ruhen insgesamt 190 Tote beider Weltkriege. Hier befindet sich auch ein Mahnmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Norderneyer.
Im Einzelnen sind hier bestattet:
- 45 deutsche Marinesoldaten, zumeist Angehörige des Inselwacht-Bataillons, der II. Seeflieger-Abteilung, Matrosen von S.M.S. "Mainz" und "Köln", die nach dem Seegefecht im August 1914 bei Helgoland an den Strand der Insel spülten. Hinzu kommen die Gräber von
- 7 russischen Kriegsgefangenen, die 1917/18 durch Unfälle, schlechter Ernährung und Krankheit verstarben.
- 138 deutsche Soldaten, die in Lazaretten und Pflegeeinrichtungen verstarben, aber auch Angehörige der Küstenfliegerstaffel 3/906 und Arbeitsdienstmänner, sowie Marinesoldaten und Luftwaffenangehörige, die auf See blieben und an den Strand spülten. Ebenso sind hier einige Norderneyer Einwohner begraben, die als Soldaten auf dem Festland fielen und in ihre Heimat überführt wurden.
- Gedacht wird auf der Kriegsgräberstätte auch zwei polnischen Kriegsgefangenen, die nach der polnischen Kapitulation in der französischen Armee dienten, und am 25.05.1042 nach einem Fluchtversuch getötet wurden. Ihr Grab befand sich auf dem Gemeindefriedhof, hier auf der Kriegsgräberstätte erinnert jetzt ein schlichtes Holzkreuz an ihren Tod. Aufgestellt wurde das Holzkreuz am Volkstrauertag 2013.
Ursprünglich waren auf dem Gelände der Gräberstätte auch 12 amerikanische und 67 englische und französische Soldaten bestattet, die aber 1946 und im Jahr darauf in ihre Heimatländer überführt wurden.
Während des Ersten Weltkrieges war die Insel zu einer Festung ausgebaut worden und mit 80 Seeflugzeugen war die Seeflugstation Norderney der II. Seeflieger-Abteilung eine der größten an der deutschen und belgischen Nordseeküste. Somit reicht die Geschichte der Kriegsgräberstätte auf Norderney bis in den Juni 1917 zurück. In diesem Jahr beantragte nämlich das Inselkommando bei der Ev.- luth. Kirchengemeinde und der Gemeinde Norderney die Überlassung eines Areals auf dem Gemeindefriedhof, um "den in ihrem Bezirke fallenden oder sterbenden Kriegern (?) unentgeltlich einen Ehrenplatz anzuweisen und zum Teil darüber hinausgehend ihr Andenken durch künstlerisch ausgeführte Denkmäler zu ehren."
Im Januar 1918 berichtete Gartenbaumeister Carl Rieger, der mit der Anlegung der Gräberstätte beauftragt war, dass "für die im Laufe der Zeit im Lazarett Gestorbenen, für die abgestürzten Flieger und für mehrere verstorbene russische Kriegsgefangene Einzelgräber – und zwar Ehrenhügel angelegt sind."
1919 erhielten die mit Efeu bepflanzten Gräber eine Betoneinfassung und ein hölzernes, weiß gestrichenes Grabkreuz. Die Gräber der gefallenen Seeflieger schmückte statt des Kreuzes ein Flugzeugpropeller.
1933 ließ die Gemeinde im Einvernehmen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die mittlerweile stark verwitterten Holzkreuze durch steinerne Monumente ersetzen. Die in Leer/Ostfriesland ansässige Bild- und Steinhauerei Carl Kämpen erhielt den Auftrag zur Lieferung der aus Obernkirchner Sandstein gefertigten Steinkreuze, die noch heute einen Großteil der Gräberstätte einnehmen.
Text & Fotos: Manfred Bätje, Stadtarchiv Norderney, August 2015

Bilder von Norderney, Ev.- luth. Friedhof

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Karte der Kriegsgräberstätten


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Kriegsgräberabkommen in Deutschland

Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund der seitens der Bundesregierung vorgenommenen Aufgabenteilung ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Inland nur beratend tätig, setzt sich jedoch im Rahmen des Möglichen und in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern für die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräberstätten im Inland ein.

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