Gräberstätten von Krieg & Gewaltherrschaft in Niedersachsen - Listenansicht

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Osnabrück, Heger Friedhof

Auf diesem größten Osnabrücker Friedhof ruhen in 6 sehr gepflegten sog. Ehrenfeldern - nach den uns vorliegenden Informationen - insgesamt 1524 Tote des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Im Einzelnen:

1. Niederländisches Ehrenfeld:
- 393 Tote - niederländische Zwangsarbeiter
Die Einweihung des niederländischen Ehrenfeldes in Osnabrück fand am 23. August 1954 statt. Dieses Ehrenfeld ist ein zentraler Friedhof- und Gedenkplatz für die niederländischen Kriegsopfer, die im westlichen Teil Niedersachsens ums Leben gekommen sind. Dieses Ehrenfeld zählt 393 Gräber. Auf der Gedenktafel befinden sich die Namen von weiteren 140 niederländischen Kriegsopfern.

2. Deutsches Ehrenfeld I:
- 96 Tote

3. Gräberfeld der Osnabrücker Bombenopfer:
- 223 Tote insgesamt, davon
+ 215 Osnabrücker Zivilpersonen - Frauen, Männer und 49 Kinder
+ 3 Niederländer
+ 4 Kroatinnen
+ 1 Belgier

Osnabrück war als Verkehrsknotenpunkt und Standort kriegswichtiger Fabriken wie Karmann oder OKD (Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerke, heute KME) ab 1940 ein alliiertes Luftangriffsziel. Auf den ersten Angriff im Juni 1940 folgten 78 weitere. Hervorzuheben sind dabei die Angriffe am 13.5.1944 mit 241 Toten und am Palmsonntag 1945 (25.3.1945). Kurz vor der Besetzung durch britische Truppen wurden durch den Abwurf von über 200.000 Spreng und Brandbomben 15.000 Menschen obdachlos, 241 verletzt, und 178 getötet. Osnabrück war 1945 zu zwei Dritteln zerstört. 1434 Menschen kamen während der Angriffe um,darunter 268 Kriegsgefangene, Häftlinge und Zwangsarbeiter.
4. Internationales Ehrenfeld:
- 350 Tote insgesamt, davon
+70 Deutsche, 14 Soldaten und 56 zivile Bombenopfer,
+ 20 KZ - Häftlinge der 5. SS - Eisenbahnbaubrigade,
+ 153 Zwangsarbeiter der ehem. Sowjetunion,
+ 61 Polen,
+ 40 Niederländer,
+ 6 Belgier,
+ 10 Staatsbürger anderer Nationen sowie
+ 10 Personen unbekannter Nationalität
Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurden in den großen kriegswichtigen Fabriken wie OKD, Klöckner und Karmann eingesetzt und ausgebeutet. Sie arbeiteten im Auftrag der Reichsbahn, für die Stadtverwaltung Osnabrück, aber auch in kleineren Betrieben, öffentlichen Einrichtungen und in Privathaushalten. Den Beleidigungen und Misshandlungen durch die Gestapo, Vorarbeiter im Betrieb und Wachmannschaften waren sie hilflos ausgeliefert. Die meisten der hier begrabenen Zwangsarbeiter starben in den Jahren 1944 und 1945 bei den schweren Luftangriffen auf Osnabrück, viele von ihnen, weil man ihnen den Zutritt zu Luftschutzräumen verweigerte. Andere, unter ihnen Neugeborene und Kleinkinder, fielen den erbärmlichen Lebensbedingungen in den Lagern ohne ausreichende Ernährung und ärztliche Versorgung zum Opfer.
Die meisten anderen hier begrabenen KZ – Häftlinge gehörten zu der seit Oktober 1944 in Osnabrück stationierten 5. SS Eisenbahnbaubrigade. Dieses "Konzentrationslager auf Schienen" befand sich in einem Eisenbahnzug, der mit mehr als 500 Häftlingen belegt war und seinen Standort in Osnabrück – Hörne hatte. Von hier aus wurden die KZ – Häftlinge wie viele ihrer Leidensgenossen immer wieder zu gefährlichen Bombenräumungen und zur Blindgängerbeseitigung in die Stadt beordert. Im Verlauf des Krieges sind in Osnabrück weit über 100 KZ - Häftlinge ums Leben gekommen.
5. Deutsches Ehrenfeld II:
- 105 Tote
Die in den beiden Gräberfeldern I und II ruhenden deutschen Soldaten, Wehrmachtsgefolge, Reichsbahnpersonal und Zivilpersonen - Frauen, Männer und Kinder - starben in Osnabrücker und anderen Lazaretten, fielen während der Endkämpfe in und um Osnabrück Anfang April 1945 oder kamen bei den schweren Bombenangriffen auf die Stadt 1943 - 45 ums Leben

6. Sowjetisches Ehrenfeld:
- 357 Tote insgesamt, davon
+ 342 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter der ehem. Sowjetunion, 57 von ihnen wurden nach Kriegsende vom Lagerfriedhof Piesberg umgebettet,
+ 7 Niederländer,
+ 3 Polen,
+ 2 Belgier,
+ 3 unbekannter Nationalität
Viele der sowjetischen Kriegsgefangenen starben in Osnabrück und dem unmittelbaren Umland nach Monaten und Jahren schwerster Arbeit im Handwerk, in der Industrie oder in der Landwirtschaft. Sie arbeiteten unter anderem bei der Reichsbahn und den Klöckner - Werken. Auch Handelsbetriebe setzten Kriegsgefangene ein. Aus dem Mannschaftsstammlager XI C Bathorn im Emsland ging es für viele sowjetische Kriegsgefangene nach Osnabrück, in den Piesberg, einem Bergwerk und Steinbruch. Hier arbeiteten über 2000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Sie verlegten neue Gleise, beluden Loren und sprengten Löcher in die Felswände. Auch die Ziegelei des Piesberges beschäftigte Kriegsgefangene aus der Sowjetunion. In der Hierarchie der ausländischen Zwangsarbeiter standen die sowjetischen Kriegs gefangenen ebenso wie zivile "Ostarbeiter" aus der Sowjetunion ganz unten. Sie verrichteten häufig die schwersten und gefährlichsten Arbeiten. Es mangelte an sauberer und warmer Kleidung. An den Füßen trugen die Gefangenen Holzpantinen. Wassersuppe, Maissuppe und billiger Kaffee führten bei vielen Gefangenen zu Durchfall und anderen Krankheiten. Dazu gehörte Tuberkulose, die sich schnell ausbreitete, weil es keine Kanalisation und keine nennenswerte medizinische Versorgung gab.
Hinweis:
Die hier angegebene Reihenfolge der Kriegsgräberstätten ergibt sich aus dem Lageplan des Friedhofs am Haupteingang. Der Besucher folgt am besten den Hinweisschildern Niederländisches Ehrenfeld. Hinter diesem nebeneinander liegen die Gräberfelder Osnabrücker Bombenopfer und das Feld I deutsche Soldaten. Halb links dahinter folgen das Internationale Ehrenfeld und etwas versteckt das Feld II deutsche Soldaten. Auf dem weiteren Weg zur Alten Friedhofskapelle findet man links seitlich der Kapelle das sowjetische Gräberfeld.

Fotos: Volker Fleig 2014

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Bilder von Osnabrück, Heger Friedhof

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Karte der Kriegsgräberstätten


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Landesinformation für Deutschland

Kriegsgräberabkommen in Deutschland

Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund der seitens der Bundesregierung vorgenommenen Aufgabenteilung ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Inland nur beratend tätig, setzt sich jedoch im Rahmen des Möglichen und in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern für die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräberstätten im Inland ein.

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