Der Volksbund über 95 Jahre alt und wandelt sich

Vom Soldatengedenken zur Vermittlung von Erinnerung an die kommende Generation - Volkstrauertag am 13. November 2016

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, 1919 als Verein für die Errichtung von Kriegsgräbern des 1. Weltkrieges gegründet, hat sich in seinem Selbstverständnis gewandelt. Während er sich jahrzehntelang und bis heute im Auftrag der Bundesregierung in erster Linie um den Bau und die Pflege von Soldatenfriedhöfen und um die Angehörigenbetreuung gekümmert hat, stellt sich nun zunehmend die Frage, wie die Erinnerung an den Nationalsozialismus und die Toten der Weltkriege – und eben nicht nur der Soldaten! - in die Gesellschaft hinein vermittelt werden kann. Was kann die Generation der im 21. Jahrhundert Geborenen und Lebenden aus der politischen und humanitären Katastrophe des Krieges und der Vernichtung für ihr eigenes Handeln lernen?

Für den Volksbund, der weltweit, besonders aber in Europa, mehr als 800 Friedhöfe betreut, steht das Kriegsgrab als Ausgangspunkt und oft einziges sichtbares Zeugnis der Schrecken des Krieges im Vordergrund. Der Ort wird zum Lernort, wenn seine Geschichte erzählt werden kann. Für Jugendliche ist die Tatsache von Millionen Toten heute kaum vorstellbar. Gräber und deren menschliche Einzelschicksale allerdings sind ein Zugang, der für sie nachvollziehbar ist.

Wichtig dabei ist, dass "Verantwortlichkeiten nicht verschwiegen werden", wie Prof. Rolf Wernstedt, Vorsitzender des Volksbundes in Niedersachsen, betont. „Der Zweite Weltkrieg war ein Angriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen“. Dies hatte der Bundestag schon 1997 mit den Stimmen aller Parteien erklärt und ist auch für den Volksbund eine argumentative Grundlage, von der aus er seine Arbeit zu gestalten hat.

Immer noch liegen millionenfach auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges Soldaten aller Nationen, und in den Massengräbern unbestattete Gebeine von ermordeten Juden und Verfolgten des Nationalsozialismus, Vertriebene, Flüchtlinge und Bombenopfer. Dass hier schon um der Würde der Toten, aber ebenso um der geschichtlichen Aufklärung willen kein Schlussstrich gezogen werden kann, ist auch jungen Menschen gut vermittelbar.

Auf dem Hintergrund der geschichtlichen Erkenntnisse und den Mechanismen der Gewaltherrschaft der Zeit des Nationalsozialismus bekommt die Diskussion um gegenwärtige Fragen wie Rechtsradikalismus, Rassismus, Menschenrechte und Demokratie eine tiefere Bedeutung.

Der Volksbund in Niedersachsen beschäftigt in seinen vier Bezirksverbänden Schulreferenten, die in unterschiedlichen Geschichtsprojekten, Ausstellungen und Lehrerfortbildungen auf die Totalität des Krieges aufmerksam und für die gesellschaftlichen Konsequenzen sensibel machen. Er arbeitet dabei eng mit allen Schulen und schulischen Institutionen zusammen.

Und so wandelt sich auch das Verständnis des Volkstrauertages: Es ist längst nicht mehr möglich, die Opfergruppen von Krieg und Gewalt von einander getrennt in ihren Erinnerungstraditionen und losgelöst von aktuellen Fragen, z.B. vom Einsatz der Bundeswehr, zu betrachten, wenn die jüngere Generation erreicht werden soll.

Die Schirmherrschaft für den Volksbund in Niedersachsen wird durch den Präsidenten des Niedersächsischen Landtags, Bernd Busemann, wahrgenommen.

Hierzu erschienen:

Prof. Rolf Wernstedt
„Deutsche Erinnerungskulturen seit 1945“

Diese kurze Schrift ist das Ergebnis einer schon seit Jahren im Volksbund und darüber hinaus geführten Debatte darüber, inwiefern unterschiedliche Gedenktraditionen, die sich seit dem II. Weltkrieg entwickelt haben und oft genug in Konkurrenz zueinander standen und noch stehen, die Kultur- und Erinnerungslandschaft und die Gesellschaft insgesamt in Deutschland beeinflusst haben.

Können – zugespitzt - Auschwitz, Stalingrad und Dresden, wenn sie auch nicht verglichen und gegeneinander aufgerechnet werden können, wenigstens in einem Kontext, nämlich der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und einem von Deutschland verschuldeten Angriffskrieg, verstanden werden?

Auf diese und eine Reihe anderer Fragen, die sich heute, mehr als sechzig Jahre seit Ende des 2. Weltkrieges für die Zukunft der Erinnerung stellen, versucht der Autor, der als ehemaliger Kultusminister in Niedersachsen engagiert für den Ausbau der Gedenkstätte in Bergen-Belsen eingetreten ist und sich als „Kriegskind“ seit 2003 für die Belange des Volksbundes in Niedersachsen einsetzt, Antworten zu finden und aus den historischen Überlegungen Schlussfolgerungen für die zukünftige Arbeit des Volksbundes zu ziehen.

Die Broschüre können Sie sich hier herunterladen

Roland Behrmann

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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