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Dülmen-Hausdülmen-Kriegsgräberstätte

Auf dieser Kriegsgräberstätte ruhen 602 Kriegstote aus dem I. und II. Weltkrieg.

I. WK: 588
II. WK: 14

549 sowjet.
2 deutsche
51 sonstige

Der Ehrenfriedhof ist letzte Ruhestätte für 602 ausländische Tote, die sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg in der Kriegsgefangenschaft verstarben: 541 Russen, 44 Rumänen, 2 Belgier und 1 Serbe aus dem Ersten Weltkrieg, 8 Russen, 5 Polen und 1 Belgier aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie starben an ihren schweren Verwundungen, an Krankheiten und Erschöpfung, als Folge von Hunger und Entbehrung.

Das Lager - für 10.000 Kriegsgefangene vorgesehen - entstand nordwestlich der heutigen L 551 im Heidegebiet der Sythener Mark.

Bereits im Dezember 1914 begannen die Bauarbeiten auf einem 75 ha großen Gelände, das zu den Besitztümern des Herzog von Croy gehörte. Am 21. Januar 1915 trafen die ersten Kriegsgefangenen ein: 150 Franzosen, die bei Verdun in deutsche Gefangenschaft geraten waren. Unter dem Titel "Buntes Völkergemisch" lesen wir im Heimatbuch des Dorfes Sythen:

    "Dann kamen die ersten Engländer ins Lager, rund 100 englische Seeleute, die in der Seeschlacht am Skagerrak von den untergegangenen Schiffen gerettet worden waren. Auch eine Truppe farbiger Kolonialsoldaten zog ein. Die "Möve", das Kaperschiff des Grafen Dohna, lieferte 375 Gefangene aus den verschiedensten Nationen ins Lager".
Das eigentliche Lager bestand aus vier Gruppen; in den Gruppen I und II waren vorwiegend Franzosen, Belgier und Briten untergebracht, in Gruppe III hauptsächlich Russen, hinzu kam eine besondere Lazarettgruppe.

Die Kriegsgefangenen wurden in umliegenden Industriebetrieben, in der Landwirtschaft oder zur Trockenlegung von Moorgebieten eingesetzt. Die Gefangenen wurden durchweg gut behandelt. "Die Fürsorge des kunstsinnigen Hauptmanns Koelle (verantwortlicher Bataillonskommandeur und Lagerleiter von Mai bis August 1917) verschaffte den Leuten möglichst anheimelnde Räume, eine gemütliche Kantine, kleine Gärtchen und Anlagen, ein eigenes Musikkorps, das alle Sonntage im Lager Platzmusik machte", so heißt es in einer Chronik. Für die einzelnen Gruppen gab es Kirchen oder Kapellen mit schönen Fenstermalereien. Ebenso gab es ein Theater, eine Bibliothek und Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen.

Die Verpflegung Tausender von Lagerinsassen aber war stetig ein Problem. Die Ernährungskrise in Deutschland, gerade in den beiden letzten Kriegsjahren, war einerseits eine Folge der so genannten "Hungerblockade" der Engländer, andererseits einer totalen Missernte 1916, des eisigen Winters 1916 / 17 ("Steckrübenwinter") und der Kohlenknappheit. Besonders in den Großstädten Deutschlands erlagen Hunderttausende von Säuglingen, Kleinkindern, Greisen und Kranken dem Hunger und der Kälte. Dies wirkte sich zwangsläufig auch auf die Versorgung der Gefangenen aus. Während Engländer, Franzosen und Belgier Lebensmittelpakete aus der Heimat bekamen, mussten Russen und Rumänen - darunter viele verwundet und durch die lange Fahrt von der Front in ungeheizten Güterwagen völlig geschwächt - mit dem Wenigen auskommen, was im Lager zur Verfügung stand. Hundertfaches Sterben war die unvermeidliche Folge.

Auf der südöstlichen Seite der heutigen L 551 ließ die Lagerleitung schon recht früh durch den im Lagerbataillon dienenden Architekten Hausmann einen Lagerfriedhof anlegen, der am 8. April 1915 feierlich durch den Kommandanten, Generalmajor von Seld, eingeweiht wurde.Die Einsegnung nahm ein französischer Geistlicher vor. Ein französisch-belgischer Chor sang einen Teil aus einem Requiem, ein französischer und ein englischer Offizier sprachen Worte des Dankes an den deutschen Architekten.

Es war eine würdige Begräbnisstätte am leicht ansteigenden Hang entstanden. Am oberen Ende der Anlage gelangte man über eine Treppe zu einer mit dorischen Säulen geschmückten Denkmalswand. Die Wand trug die Inschrift
    "Auch sie starben für ihr Vaterland".
Bei Kriegsende waren auf dem Lagerfriedhof etwa 750 verstorbene Gefangene, insbesondere Russen, aber auch Franzosen, Briten und Rumänen bestattet. Nach dem Krieg überführten die Franzosen und Briten ihre Toten in die Heimat. Auch viele Belgier wurden nach Hause überführt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden weitere 14 verstorbene Kriegsgefangene auf dem bereits vorhandenen Ehrenfriedhof beigesetzt.

Zu Beginn der 60er Jahre erfolgte eine stete Erweiterung des Baggersees und eine notwendige Ausweitung der Aussandungsfelder der Quarz-Sandwerke. Der Friedhof musste verlegt werden. Die Umbettung der Kriegstoten erfolgte mit aller gebotenen Pietät. Sie ruhen nun hier auf dem 1967 neu angelegten Ehrenfriedhof nahe der Großen Teichmühle in Hausdülmen. Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde die Denkmalswand mit den dorischen Säulen nicht wieder aufgebaut. Auf einer neuen schlichten Steinwand ist seitlich eingemeißelt:
    "Ihr Leben, ihr Tod für ihr Vaterland".
Heute erinnert fast nichts mehr an das große Kriegsgefangenenlager. Das Gelände ist inzwischen mit Kiefern aufgeforstet worden. Einige Wege des einstigen Lagerbezirks wie auch Gesteinsbrocken und Reste von Barackenfundamenten sind noch hier und da zu finden.Einzig erhalten ist das ehemalige Wohngebäude des Lagerkommandanten an der L 551 nahe des damaligen Lagereingangs. Dieses Holzgebäude wird heute noch als Wohnung genutzt. Sie finden es, wenn Sie durch Hausdülmen in Richtung Haltern fahren, 1000 m hinter dem Ortsausgangsschild, auf der rechten Seite.

Die Obhut für den Ehrenfriedhof liegt heute bei der Stadt Dülmen.

Möge uns diese Gedenkstätte als sichtbares Zeichen dauerhaft an das traurige Schicksal der Kriegstoten erinnern, die in heimischer oder in fremder Erde ruhen, und an die Sinnlosigkeit aller Kriege.

Die Johann-Gutenberg-Hauptschule in Dülmen hat 1998 die Patenschaft für die Kriegsgräberstätte übernommen.

Bilder von Dülmen-Hausdülmen-Kriegsgräberstätte

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Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund der seitens der Bundesregierung vorgenommenen Aufgabenteilung ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Inland nur beratend tätig, setzt sich jedoch im Rahmen des Möglichen und in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern für die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräberstätten im Inland ein.

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