Arbeitseinsatz in Niederbronn-les-Bains

14. August 2015

Am Montagmorgen, dem 20.Juli 2015, begaben sich 10 abgefrühstückte Freiwillige, unter ihnen ein Arbeitnehmer, auf die Reise nach Niederbronn-les-Bains, einem putzigen kleinen Städtchen im Norden der Vogesen.
Dieser Trupp Freiwilliger, der sich aus 6 Airbus-Technikern, zwei Kameraden der Passagier-Abfertigung und je einem Soldat der TE Bodengeräte und der TE Metallerei zusammensetzte, allesamt der Flugbereitschaft BMVg zugehörig, hätte auch als ein Betriebsausflug durchgehen können.

Aber ihr Auftrag hatte, trotz des landschaftlich und kulinarisch reizvollen Zieles, einen ernsten Hintergrund. Allen waren bekannt, dass der diesjährige Arbeitseinsatz für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Niederbronn-les-Bains stattfinden sollte.

In dieser Gegend des Elsass fanden während der letzten Offensive der Wehrmacht an der Westfront (Unternehmen Nordwind) im Januar 1945 mehrere tausend US-amerikanische, französische und deutsche Soldaten den Tod.

Etwa 15000 Opfer dieser Kämpfe wurden ab 1966 in Niederbronn beigesetzt. Dort war auch der Einsatz der Flugbereitschaftsgruppe geplant.

Nach ca. 3 stündiger Fahrt erreichte man das Camp Militaire Bitche, in dem die Freiwilligen untergebracht waren. Trotz leichter Sprachbarrieren waren wir uns sicher, herzlich und freundlich empfangen worden zu sein. Ein Mitarbeiter aus dem Stabsgebäude wies uns die Stuben in einem Gebäude aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu. Teilweise waren sogar Einzelstuben verfügbar. Waschraum und WC teilten wir uns mit den auf der gleichen Etage untergebrachten französischen Kameradinnen und Kameraden. Par de Problem!

Nach dem Beziehen der Stuben fuhren wir weiter nach Niederbronn, wo uns Herr Ullmann ebenso freundlich in Empfang nahm und auch noch die beiden Kameraden des letzten Einsatzes in Niederbronn von vor zwei Jahren wiedererkannte. Da Herr Ullmann als Verantwortlicher für die Kriegsgräberstätte ausgezeichnet deutsch spricht, entwickelten sich schnell Gespräche und die geplanten Tätigkeiten für den nächsten Tag wurden im Rahmen eines kleinen Rundgangs erläutert. Auch die Einweisung auf die Sonderfahrzeuge fand noch am Montag statt.

So konnten wir am Dienstagmorgen,  nach bekannt üppigen französischem Frühstück und ca. 30 Minuten Fahrt die Arbeiten auf dem Friedhof sofort aufnehmen.
Unser Auftrag war es, die alten Grabsteine mit Fundament zu entfernen und die so entstandenen Gruben für das Setzen neuer Fundamente vorzubereiten, in die dann neue Grabkreuze durch eine Fachfirma eingesetzt werden sollten.
An diesem ersten Tag konnten schon zwei geschafft werden. Leider zerfielen die alten Fundamente dabei in viele Stücke, so dass deren Ausgrabung, ebenso wie das Vorbereiten der Grabstätte für das neue Fundament sich in dem extrem trockenen Boden als sehr anspruchsvoll entpuppte.
Nach einem, diesmal wirklich üppigen Mittagessen versammelten wir uns in einem Schulungsraum des Albert-Schweitzer-Zentrums (Jugendbegegnungs- und Bil-dungsstätte Niederbronn-les-Bains des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge). Gegen 14 Uhr wurden wir dort von Joëlle, sie ist die stellvertretende Leiterin des Zentrums, über die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im allgemeinen und speziell über die Aktivitäten des Volksbundes in Niederbronn informiert. Die darauf folgende 2 stündige Führung umfasste die Erläuterung mehrerer Einzelschicksale sowie einen Rundgang über den Soldatenfriedhof.
Nach der Rückfahrt wurde das Abendessen in Bitche eingenommen.

Am Mittwoch kam dann Schwung in den Arbeitstrupp. Bei Temperaturen um die 30 Grad wurde ausgehoben, ausgegraben, verdichtet, befüllt, nochmal verdichtet und ausgeglichen, was das Zeug hielt. Ziel war aber nicht ein neuer Rekord, sondern als Gruppe qualitativ gute Arbeit abzuliefern. Und dies in einem akzeptablen Zeitrahmen. Obwohl wir besonders nach dem Mittag der Hitze Tribut zollen mussten, konnten die Arbeiten unter dem zufriedenen Schmunzeln des Herrn Ullmann gegen 15:30 Uhr eingestellt werden.
Auf der Rückfahrt nach Bitche stoppten wir mehrfach, um einige im Wald fast verborgene Bunkerreste des letzten Krieges zu besichtigen.
Am Abend ließ sich die Gruppe original Elsässer Flammküchle schmecken.

Wer dachte, der Mittwoch hätte es in sich gehabt, sah sich am Donnerstag eines besseren belehrt. Zwar lagen die Temperaturen unter der 30 Grad Marke, aber die für das Flugbereitschaftspersonal ungewohnten Erdarbeiten zeigten Folgen.
Lief der Vormittag noch wie besagtes Länderspiel, war am Nachmittag gegen 14 Uhr echt die Luft raus! Nur gut, das morgens schon recht viel geschafft wurde. Bis zum Mittagessen waren alle alten Grabsteine links der Zufahrt entfernt worden, die Gruben ausgehoben, verdichtet und als Feinarbeit per Maurerkelle für die Aufnahme der Ausgleichsanspruch vorbereitet. Der Bagger konnte also zur Mitte des Friedhofes weiterziehen, um sich den bis dahin als Meßpunkte verbliebenen Endsteinen zu widmen. Dies geschah dann nach dem Essen. So verlief die Zeit bis zum Feierabend gewohnt anstrengend. Aber wenn man am Ende eines Arbeitstages Ergebnisse sieht, hebt das die Erschöpfung teilweise wieder auf.
Na ja, leider nicht bei allen. Aber der Kamerad wurde von seinen Mitstreitern mit Obst, Säften und Zwieback gut versorgt. Morgen wird er sicher wieder auf dem Damm sein.
Im Stabsgebäude des Camps wollten wir nach der Rückkehr aus Niederbronn nur nachfragen, wann wir uns in der nächsten Woche beim hiesigen Kommandeur für die Gastfreundlichkeit im Camp Bitche persönlich bedanken könnten.
Man richtete uns aber überraschenderweise aus, dass wir als Gruppe am kommenden Montag beim Antreten des Regiments zur Flaggenparade eingeladen sind.

Mit dem letzten Elan der Woche machten wir uns am Morgen wieder auf den Weg. Sollte jemand glauben, ein Arbeitseinsatz für den Volksbund sei bezahlter Urlaub, dem sei versichert, es ist manchmal eine wahrlich anstrengende Unternehmung!
Mit dem Wochenende vor Augen und der Gewissheit, vor dem Plan zu liegen, wurden weitere Endsteine ausgegraben und die Gruben für den Ausgleichkies vorbereitet. Besonders hatte heute unser Mann am Rüttler zu leiden. Der Staub und die brennende Sonne, die noch vor dem Mittag die Arbeitsfläche glühen ließ, erschwerten die Arbeiten wieder unnötig. Aber trotzdem wurde wieder einiges geschafft und nach dem Lunch, den wir auf dem Friedhof einnahmen, ging es ins Wochenende.
Unsere nachmittägliche Ruhephase wurde dann von den Gesängen der vorbeimarschierenden französischen Kameraden begleitet, ehe wir uns geschlossen zur Besichtigung der Zitadelle Bitche aufmachten.
Die Audio-geführte Tour durch die Zitadelle ist beeindruckend und wirklich empfehlenswert. Natürlich wird die Berichterstattung stellenweise durch die französische Brille gesehen, die 1870/71 auf deutscher Seite hier eingesetzten bayerischen Truppen mögen vereinzelte Dinge sicher anders beurteilt haben. Aber es bleibt dabei: ein absolut authentisches und daher empfehlenswertes Museum!

Am Samstag führte uns unser Ausflug nach dem schönen und überfüllten Straßburg. In einem Vorort, nahe des Hospitals, fanden wir für die Sprinter geeignete Parkplätze und bewältigten den Weg in die Innenstadt mit der Tram. Natürlich muss man in Straßburg eine Bootsfahrt gemacht haben, die trotz eines kurzen Regenschauers absolut lohnend war. Den Nachmittag hatte dann jeder zur freien Verfügung und wir trafen uns alle wie verabredet um 18 Uhr vor der Kathedrale wieder. Jeder hatte einen Bärenhunger mitgebracht und so war schnell ein passendes Restaurant gefunden. Mit vollen Bäuchen und nach einem Cocktail als Abschluss trat unsere Gruppe gegen 22 Uhr den Heimweg an.

Der Sonntag versprach gutes Wetter und so verließen unsere Fahrzeuge gegen 10 Uhr das Camp in Richtung Simserhof. Dies ist ein sehr umfangreiches Festungswerk der ehemaligen Maginot-Linie.
Man befährt einen Teil der Anlage mit einer Bahn und begeht den unterirdischen Kasernenbereich mit einer geführten Tour.
Schon die Bahnfahrt durch das Bunkerlabyrinth kann nur wärmstens empfohlen werden. Die anschließende Tour, bei der wir versuchten, mit einer scheinbar allwissenden Madame Klein Schritt zu halten, war jeden Cent wert! Phasenweise machte Madame Klein den Eindruck, sie hätte die Bunkeranlage nicht nur selbst gebaut, sondern auch komplett mit allen Arten von Schußwaffen ausgerüstet.
Die Tour dauerte mit beiden Teilen ca. 3 Stunden und hat uns alle restlos begeistert. Außerdem weiß jetzt auch jeder, dass ein Schweineschwänzchen eine ganz furchtbare Waffe sein kann!
Nach dem Simserhof wurde etwas für das leibliche Wohl getan und der Sonntag mit einer "Besteigung" der Burgruine Windstein abgeschlossen.
Gerne hätten wir das schöne Wochenende mit einem kühlen Bier ausklingen lassen. Aber alle waren ziemlich erledigt und der plötzlich einsetzende starke Regen trieb uns nach kurzer Zeit auf unsere Stuben.

Mit einem erlebnisreichen Wochenende im Rücken knüpfte die Gruppe am Montagmorgen nahtlos wieder an die Arbeiten der Vorwoche an. In weiteren Abschnitten konnten alte Grabsteine an beiden Enden der jeweiligen Reihe entfernt und die vorbereitenden Arbeiten für das neue Fundament durchgeführt werden. Unglücklicherweise ereilte unseren geliebten Bagger vor dem Mittag eine gerissene Hydraulikleitung. Zwar hofften wir, das Ersatzteil am frühen Nachmittag zu bekommen, aber diese Hoffnung wurde uns gegen 14 Uhr genommen: Neuer Druckschlauch erst am Dienstag.
Da wir ohne den Bagger kaum weiter kamen, brachen wir um 15 Uhr die Plackerei ab, putzten unsere Stiefel und begaben uns geschlossen nach Woerth.
Dort fand am 6. August 1870 eine wichtige Schlacht statt, die kein Generalstab befohlen hatte und die am Ende in einer heillosen Flucht der französischen Truppen unter dem Befehl Mac Mahon's endete.
Unsere jungen Kameraden, immer noch voller Tatendrang, versuchten die Erstürmung einer Anhöhe durch bayerische Infanterie nachzustellen. Das hätte auch aufgrund der kaum veränderten Landschaft interessant aussehen können, wären da nicht die elektrischen Weidezäune gewesen. Wir vergessen also schnell die "Statistentruppe", wie sie beim unerlaubten Überqueren der Kuhweide quasi "abgewatscht" wurde und belassen es bei einem Gruppenfoto auf dem Aussichtsturm des Schlachtfeldes.

Nächster Tag: Hatten in der Vorwoche noch 10 Mann auf einem relativ begrenzten Bereich des Friedhofes eng zusammen gearbeitet, so bot sich spätestens ab Dienstag ein komplett anderes Bild: In jedem Winkel des Friedhofes wurde fleißig gewerkelt. Im Bereich hinter dem Pantheon konnten sogar die ersten Fundamente gesetzt und ausgerichtet werden. Dagegen sah es in einer anderen Ecke ziemlich wüst aus! Der Bagger und vereinzelte Schauer am Vormittag hatten den Bereich unmittelbar um die Gräber in eine ziemliche Matschfläche verwandelt.
Am Nachmittag wurde es dann besser und wir gönnten uns zur Belohnung vor dem Abendessen im Camp eine Besichtigung der Burg Fleckenstein.
Bei gutem Wetter hat man vom Pallas der Burg eine herrliche Aussicht über die nördlichen Vogesen. Auf dem Weg zwischen P'tit Fleck und der Burg trafen wir zwei Gruppen französischer Kameraden. Nach deren Gesichtsausdruck zu urteilen, waren diese aber weniger zum Vergnügen dort und marschierten schnurstracks an der Ruine vorbei in den Wald.

Der Mittwoch war dann nochmal ein "Großkampftag"!
Obwohl der Vormittag unter strömenden Regen lag, gab jeder sein Bestes.
Als Herr Schmitt (Beauftragter für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in NRW) uns gegen Mittag besuchte, stellte er positiv erstaunt fest, wie weit wir bereits über dem Soll lagen. Es fand ein gemeinsames Mittagessen statt, in dessen Anschluss er über die Arbeit des Volksbundes einige Worte verlor, bevor es dann an die Vergabe der Urkunden ging. Nach einer kurzen Information über die aktuelle Situation der deutschen Kriegsgräber in Russland nahm er freudig die Anträge von vier neuen Mitgliedern entgegen. Da er am Abend noch den Soldatenfriedhof Fort-de-Malmaison auf der Tagesordnung hatte, verließ er Niederbronn noch vor dem Kaffee wieder, ließ uns aber reichlich Sonnenschein da. Den nutzten wir auf dem Rückweg nach Bitche zur Besichtigung alter, fast zugewachsener Kasematten der Maginot Linie.
Einer der Bunker wies seitlich eine, wohl durch eine Bombenexplosion verursachte kleine Öffnung auf.
Diese war aber groß genug für unsere "Klettermaxe" und so wurde das Bunkerinnere inspiziert. Der Geschützturm war in seinem unteren Teil sogar noch erhalten und man brachte als Fundsache eine alte Armeeaktentasche ans Tageslicht. Leider befand sich nichts mehr darin und so ließen wir das auseinanderfallende Fundstück an seinem alten Platz zurück.

Der letzte Arbeitstag vor unserer Abreise war hauptsächlich von zwei Dingen geprägt:
Aufräum-, bzw. Reinigungsarbeiten und der abschließenden Gedenkfeier.
Während am Morgen 5 Leute mit dem Setzen weiterer Fundamente beschäftigt waren, reinigten die anderen 5 die Geräte, fegten Geräteschuppen, Informationsraum und Pantheon. Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen wurden die restlichen Utensilien wieder ordentlich in der Garage verstaut und die kleine Trauerzeremonie im Pantheon vorbereitet. Gegen 14:30 Uhr trafen die stellvertretende Leiterin des Jugendzentrums mit einigen Schülern ein. Diese waren von uns zu der Zeremonie eingeladen worden. Nach der obligatorischen Kranzniederlegung, der diesmal ein geschmackvoll arrangiertes Gesteck war, wurden der Andachtstext abwechselnd von uns in Deutsch und von Joëlles Schülerinnen in Englisch vorgetragen. Mit den Klängen der Marseillaise und Haydns bekanntestem Werk klang die im Pantheon akustisch bestens aufgehobene Gedenkveranstaltung aus.
Als Abschluß eines weiteren erfolgreichen Arbeitseinsatzes der Flugbereitschaft BMVg für den Volksbund gönnten wir uns ein Abendessen mit guter elsässischen Küche und einem Glas Wein.

Am Freitagmorgen konnten es alle kaum erwarten, die Stuben zu räumen, das Gepäck zu verladen und die Heimreise anzutreten. Trotz vieler Baustellen und eines längeren Staus erreichten wir Köln gegen halb 2. Schnell waren die Fahrzeuge entladen, gereinigt und abgegeben.
Mit der Erinnerung an zwei arbeitsreiche, interessante und schöne Wochen gingen wir ins Wochenende. Mal sehen, wer nächstes Jahr wieder mit dabei ist?

 

Text und Fotos: OFw Ivo Pollkläsener

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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