Deutsche und niederländische Soldaten arbeiten gemeinsam auf einer deutschen Kriegsgräberstätte

25. Juni 2015

Es folgt der Arbeitsbericht des Kommandoführers eines nicht alltäglichen Arbeitseinsatzes für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Vor wenigen Wochen wurden in der Region um Reims / Frankreich unsere jungen Soldaten des I. Deutsch-Nienderländischen Korps an Geschehnisse und Kriegsfolgen heranführt, die nun schon etwa 100 Jahre zurückliegen.

 

Montag 01.06.2015

Am Morgen des ersten Juni 2015 fuhren wir mit 10 Soldaten unter der Leitung des SU Dücker im Auftrag des “Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.” von Eibergen (NLD) nach Suippes, Champagne-Ardenne, Frankreich. In den nächsten 2 Wochen sollte unsere Arbeit dort die Pflege der Kriegsgräber des ersten Weltkrieges sein und der Beginn einer Umbettung von erst kürzlich gefundenen weiteren Kriegstoten des ersten Weltkrieges.
Für diese 2 Wochen kamen wir in den Unterkünften des ‘40e Régiment d'Artillerie’ der französischen Armee in Suippes unter.
Auf dem Weg nach Suippes legten wir zu erst einen Zwischenstopp in Bastogne ein und besichtigten das dort stehende, sehr beeindruckende Monument und ein wenig später in Noyers-Pont-Maugis auf einem Friedhof für Kriegsopfer.


Dienstag 02.06.2015

Am Dienstagmorgen, nach einer 40-minütigen Fahrt kamen wir auf dem Friedhof in Berru an. Dort trafen wir Erik, einen Mitarbeiter des Volksbundes, der uns mit Arbeitsmaterial ausrüstete und uns die ersten Arbeitsanweisungen gab. Doch zuerst bauten wir zügig ein kleines Zelt für Kaffeepausen und später das Mittagessen auf und begannen dann mit der Arbeit. Zwei aus unserer Gruppe fingen damit an die Grabinschriften auf mehreren Steintafeln mit einem weißen Edding nachzumalen während von den anderen sich jeder einen Eimer mit Wasser, einen Schwamm und eine Bürste schnappte und anfing die Eisenkreuze zu reinigen. An diesem Tag kamen wir recht gut voran und schafften es 1131 Kreuze zu reinigen und die Inschriften auf 25 Steintafeln zu erneuern.

 

Mittwoch 03.06.2015

Mittwoch morgens starteten wir alle damit, die restlichen 927 Kreuze zu reinigen. Nach dem Mittag ging SU Dücker mit Erik, dem Angestellten des Volksbundes die Kreuze ab und markierte insgesamt 22 Kreuze, die sehr wackelig standen. Diese sollten von uns ein neues Fundament bekommen, so dass sie wieder gerade stehen würden. Wir fingen noch damit an, die alten Betonfüße an mehreren Kreuzen zu entfernen, alles Weitere war für den nächsten Tag geplant.

 

Donnerstag 04.06.2015

Wieder auf dem Friedhof in Berru starteten wir damit, die Fundamente der wackeligen Kreuze zu erneuern. Die große Brechstange, die wir aus Eibergen mitbrachten kam uns dabei sehr zu Hilfe. Mit viel Motivation und einer guten Arbeitsteilung lösten wir die alten Fundamente, dann gossen wir neue Betonfundamente, richteten darüber die neuen Betonfüße aus und keilten die Kreuze mit zwei Holzkeilen darin fest. Dann gossen wir mit Schnellbeton die Betonfüße zu 2/3 aus und ließen über Nacht den Beton austrocknen.

 

Freitag 05.06.2015

Den Freitag nutzten wir um die restliche Arbeit an den Betonfüßen zu verrichten. Dies musste sehr vorsichtig und gewissenhaft geschehen um die Kreuze nicht zu verschmieren und damit der obere Teil des Betonfußes optisch in Ordnung scheint. Nach dem eingießen des Betons glätteten wir die Oberfläche vorsichtig mit einer nassen Bürste. Nachdem all unsere Arbeit auf dem Friedhof in Berru damit getan war, stand uns der restliche Tag frei zur Verfügung.

 

Samstag  06.06.2015

Kurz nach dem Frühstück startete unser Trip nach Reims wo unsere Gruppe sich aufteilte. Je nach Interesse gingen die einen in ein Museum, die Anderen shoppen oder auf den Mittelaltermarkt der um die ‘Cathédrale Notre-Dame’ in Reims aufgebaut war.

 

Sonntag 07.06.2015

Denn Sonntag nutzen wir für eine Exkursion in die Ardennen und schauten uns verschiede Orte des Geschehens des ersten Weltkrieges an. Wir besuchten ‘la citadelle souterraine de Verdun’ , eine massive Befestigungsanlage in einer geführten Tour. Danach besuchten wir das ‘Fort de Douaumont’, das größte der 19 Forts die Verdun im ersten Weltkrieg beschützten. Später noch das ‘Ossuaire de Douaumont’ ein gewaltiges Beinhaus und das im Krieg komplett zerstörte Dorf Fleury-devant-Douaumont das nie wieder aufgebaut wurde.

 

Montag 08.06.2015

Am zweiten Montag unseres Arbeitseinsatzes gingen wir der gleichen Beschäftigung nach wie in der ersten Woche auf einem kleinen deutschen Friedhof bei Aussonce, reinigten Kreuze und erneuerten Grabinschriften mit weißer Farbe.

 

Dienstag 09.06.2015 – Mittwoch 10.06.2015

Dienstagmorgen trafen wir uns mit den Mitarbeitern des Volksbundes und fuhren zu einer kleinen Stadt namens Nauroy. Dort trafen wir den stellvertretenden Bürgermeister und einen Archäologen. In Nauroy lag hinter einer kleinen Kapelle ein unscheinbarer Friedhof, auf dem erst vor etwa einem Jahr noch Kriegsopfer des ersten Weltkrieges gefunden wurden. Diese sollten umgebettet werden und ihre letzte Ruhe auf einem ordentlichen Friedhof für Kriegsopfer finden.
Vorsichtig fingen wir an auf den Gräbern mit kleinen Kellen und Schaufeln zu graben. Nach und nach fanden wir immer wieder kleine Skelettfragmente die durch die Wiederbenutzung durch deutsche Soldaten im ersten Weltkrieg verteilt wurden. Auch fanden wir mehrere Skelette, die relativ gut intakt waren, inklusive mehrer Knöpfe und einer Geldbörse mit ein paar alten Münzen darin.
Die lokale Presse war auch vertreten, die eine kleine Dokumentation filmten und den Archäologen interviewten als dieser dann eines der Skelette exhumierte.

 

Donnerstag 11.06.2015

Der letzte Arbeitstag startete mit einem Treffen auf dem Hof des Volksbundes und ging von dort aus wieder auf den Friedhof in Berru. Dort hielten wir ein kleines Totengedenken. SU Dücker legte einen Kranz nieder und hielt eine kleine Rede.
Später trafen wir den Archäologen noch einmal auf einem Hügel bei Massiges wo ein alter Schützengraben wieder restauriert wird. Er führte uns durch die Befestigungsanlage und erklärte uns die Hintergründe und die Geschichte des Ortes.

 

Freitag 12.06.2015

Nach zwei Wochen außergewöhnlicher Erfahrungen traten wir die Heimreise an.

 

Text: Stabsunteroffizier Michael Dücker

 

 

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