Flandern - 100 Jahre später

26. Juni 2014

Am 12.05.2014 machte sich die Abordnung von 10 Personen der 1. Technischen Staffel der Flugbereitschaft BMVg auf den Weg nach Ypern in Belgien. Am frühen Nachmittag erreichten wir die belgische Kaserne dort, welche für die nächsten 11 Tage unsere neue Heimat werden sollte. Wir waren zu Gast beim belgischen Heer, einem Logistikbataillon nahe der Stadtgrenze von Ypern.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Kasernenfeldwebel/ Bataillons- Spieß wurden wir mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht, und unserer Unterkunft zugewiesen. Wir waren in einer Gemeinschaftsunterkunft mit 10 Mann untergebracht, was in so manchem Luftwaffensoldaten Erinnerungen an seine Grundausbildung hervorrief. Welches im Nachhinein betrachtet, die Gruppe aber, zu einer verschworenen Einheit machte.

Die Arbeit auf dem Soldatenfriedhof Langemark begann am darauffolgenden Tag mit einer Sichtung der übriggebliebenen Arbeit. Vor uns war schon ein Reservistenkommando aus NRW/ Hessen vor Ort, und hat sehr gut vorgearbeitet. Da der Wettergott am ersten Tag nicht auf unserer Seite war, mussten wir erstmal sehen wie die Arbeit unter feuchten Bedingungen am besten zu bewältigen war. Aber das Ergebnis des Tages war zufriedenstellend.

Die Arbeit gestaltete sich an den Folgetagen und mit strahlendem Sonnenschein folgendermaßen: Es galt Grabplatten zu reinigen und anschließend mit Fugenmasse zu verspachteln. Die Namen der gefallen Soldaten sind in die Grabplatten gefräst. Mit den Jahren war die Inschrift durch die Witterungseinflüsse nicht mehr lesbar. Mit der weißen Fugenmasse wurden die Schriftzüge ausgespachtelt und nach einer intensiven Reinigungs- Nachbehandlung strahlten die Namen der gefallenen Soldaten wieder. Zwei weitere Kameraden stachen um die Grabplatten eingewachsenes Gras weg. Die angedeutete Bunkerlinie wurde mit dem Hochdruckreiniger von Moos befreit, genauso wie das Eingangsportal des Friedhofs. Dort wurde auch ein Anti- Moosmittel aufgebracht das das Gebäude auch nachhaltig vor Moosbefall schützen soll. Zwei weitere Kameraden reinigten alle auf dem Friedhof vorhandenen Grabplatten mit Schrubber und Bürste.

Schon in der ersten Woche bestaunten wir das rege Interesse der Öffentlichkeit am Friedhof Langemark. Ein Reisebus nach dem anderen transportierte Menschen aus aller Welt nach Langemark. Gruppen aus Neuseeland, Australien, USA sowie Schüler aus Großbritannien, Belgien und den Niederlanden besuchten die Grabstätte, und zeigten auch großes Interesse an unserer Arbeit. Diese Besuche gipfelten meist in einem kleinen Vortrag vor den Besuchergruppen.

Das anstehende Wochenende begannen wir mit einem Besuch im Flanders Field Museum in Ypern. Die Soldaten des Arbeitskommandos zeigten sich erschüttert und nachdenklich über die Eindrücke mit welchen sie im Museum konfrontiert wurden. Samstag stand eine Reise nach Brügge auf dem Programm. In der alten Handelsstadt wurde eine Besichtigung mit dem Schiff unternommen. Im Anschluss wurden Gruppen nach Interesse gebildet. Abschließend wurde der Abend gemeinsam in der Kaserne in Ypern beendet. Sonntags besuchten wir das britische 1.WK Museum in Passchendaele, und anschließend den britischen Soldatenfriedhof Tyne Cot. Von dort aus fuhren wir in Richtung Ostende wo wir einen gut erhaltenen Abschnitt des Atlantikwalls mit einer Audioführung besichtigten. Den Abend und das schöne informative Wochenende schlossen wir in einem Fischrestaurant am Hafen von Nieuwpoort ab.

Die zweite Woche begann wie die erste endete, mit unserer Arbeit an den Grabplatten. Zum Ende des Kommandos konnten von uns 247 Grabplatten bearbeitet werden. Über 1000 Grabplatten wurden gereinigt, und über 500 Grabplatten wurden von übermäßigem Bewuchs befreit. Das Eingangsgebäude erstrahlte in altem Glanz, und auch die kleine Werkstatt am Friedhof ist für die Zukunft gut gerüstet. Mit Beendigung unserer, und auch der Arbeit des Reservistenkommandos, konnte der Soldatenfriedhof Langemark seine Anziehungskraft auf die vielen ausländischen Besucher untermauern.

Ein weiteres Highlight war für alle Kameraden die Kranzniederlegung im Menentor in Ypern, wo wir in Uniform an der Last Post teilnahmen. Dies ist eine britische Zeremonie welche seit 1928 jeden Tag zu Ehren der im ersten Weltkrieg gefallen Soldaten durchgeführt wird. Für alle Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis.

Mit der obligatorischen Trauerfeier am Friedhof in Langemark, wo wir auch von einer Abordnung belgischer Kameraden unterstütz wurden, beendeten wir auch unser Arbeitskommando. Die Unterstützung der belgischen Kameraden mit ihrem Kommandeur verlieh der Veranstaltung noch zusätzlich einen würdigen Rahmen.

Am 22.05.2014 wurde, mit zehn tief beeindruckten Kameraden die Rückreise angetreten.

 

Text und Fotos: StFw Jörg Schoe

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