Vor dem 1. Weltkrieg fand der Krieg 70 / 71 statt

27. September 2016

Vor der Lagerhalle der S.E.S.M.A. in Fresnes

Gräberfeld in Bouligny

Gedenken und Kranzniederlegung vor dem sächsischen Monument

Amiens, Paris, Bordeaux, Lyon, Marseille? Orte, die man mit Annehmlichkeiten verbindet.
Reims? Da wurden irgendwelche Verträge geschlossen.
Sedan, Verdun ? Das ist vertraut. Das hat etwas mit Geschichte zu tun.
In Metz gibt es eine Kathedrale.

Unter dem Kommando von OStFw d.R. Günter Schlüter rückten zwei MKF aus Ahlen, fünf Reservisten aus dem Raum Soest-Erwitte nach Montigny-lès- Metz an, um in der dortigen Kaserne Quartier zu nehmen. Ein weiterer Teilnehmer – ein an der frz. Atlantique-Küste lebender deutscher Reservist – stieß zusätzlich zu der Gruppe.

In der Zeit vom 05.09.-16.09.2016 sollte vorrangig die WW 1 Kriegsgräberstätte in Bouligny (Dép.
Meuse, Region Lothringen, Arrondissement Verdun) gepflegt werden. Auf dem zuständigen Bauhof
des Volksbundes (hier: S.E.S.M.A.) in Fresnes-en-Woëvre wurden die Gerätschaften in Empfang
genommen und mit dem Verwalter die Einzelmaßnahmen zu der Ruhestätte abgeklärt. Neben der
Reinigung (mit Wurzelbürste)   und anschließenden Imprägnierung (gegen Vermoosung) aller
Grabkreuze mit Namen von 1.439 Kriegstoten, sollten die Hecken zurückgeschnitten, der Rasen
gemäht und, so zeitlich noch möglich, das Monument von Baumbewuchs, Efeu befreit, die teilweise
überwucherten Grabsteine und Steinschilde der beteiligten Divisionen (z.B. 1.,4.,6.,9.,  10. Inf.Div.,
9.,10.,76. Res.Div. etc.) freigelegt werden. Da auf der Kgst kein Wasseranschluß vorhanden war,
mußte ein MKF nach dem Kommunalfriedhof in Piennes fahren, dort die Wasserbehälter an der
Zapfstelle auffüllen. Ein Nebeneffekt war, daß man in Piennes auf eine Gruppe des 8./SpezPiBtl164
„Nordfriesland“ stieß, die die dortige Kriegsgräberstätte pflegte.

Bei Temperaturen von 30 bis 38 Grad Celsius im Schatten arbeitete das Kommando unter  G. Schlüter innerhalb von dreieinhalb Tagen diesen Auftrag ab. 30cbm gepreßter Gras- und Sträucherrückschnitt befanden sich letztendlich an der Sammelstelle. Ca. 400 l Wasser wurden zur Reinigung der Kreuze eingesetzt.

Erfrischende Abwechslung  und Arbeitspause zeigte sich im Besuch und die anerkennenden Worte
der bisher erbrachten Leistung durch den zuständigen BwBea NRW OTL a.D. Roland Schmitt.
Der arbeitsfreie Samstag wurde zur Stadtbesichtigung von Metz und seinen Kulturstätten und –schätzen, sowie unter der Führung von Armand Henry – einem Jugendfreund von Schlüter - ein Museum in Stenay genutzt.

Am Sonntag ging es in Richtung Verdun, Douaumont, Fleury-devant-Douaumont (gestorbenes Dorf)
weiter. Die teilweise noch gut erhaltenen Laufgräben wurden abgeschritten, Eindrücke gesammelt.
Fhj d.R. M. Krebbers, der einige  militärhistorische Recherchen vor Ort duchgeführt hat, konnte mit einigen Erklärungen aufwarten und das geschichtliche Interesse der Teilnehmer befriedigen.

Die angetragene Kandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen für den spanischen
Thron löste am 19.07.1870 den deutsch-französischen Krieg aus. Preußen marschierte mit drei Armeen gegen seinen Aggressor. Am 01.09.1870 kam es bei Sedan zu der Entscheidungsschlacht, erst am 10.05.1871 in Frankfurt am Main zum Frieden zwischen den Parteien.
Abertausende Soldaten und Zivilisten auf beiden Seiten verloren ihr Leben, wurden aufgrund der Pestgefahr von der Bevölkerung in Ossuaires (Gemeinschaftsgräbern), auf Kommunalfriedhöfen, oder schnell eingerichteten Militärfriedhöfen  notdürftig bestattet. 145 Jahre danach – man spricht so leicht über den Krieg 70/71 – werden auch diese Stätten von aktiven Soldaten und Reservisten der Deutschen Bundeswehr gepflegt.

Die Arbeitsgruppe arbeitete bei brennender Sonne in weiteren drei Tagen in Amanvillers und Saint Privat-la-Montagne 13 Monumente, Kleinfriedhöfe und Oussuaire ab. Nur um einige zu nennen, das des Kaiser Alexander Garde Grenadier Regt. Nr 1, des Königl. Garde-Schützen-Bataillons,  des Königl. Preuss-Artillerie-Regiments Nr 48, des Dritten Garde Regiments zu Fuß, den Cimetière Militaire, das Monument der Gefallenen Sachsen, das Monument des bei St. Privat gefallenen Generalmajors Ernst Adolf von Craushaar.

Am 15.09. fand vor dem Monument der Gefallenen Sachsen in St. Privat, Rue du Patural, die Kranzniederlegung statt. Für die Gruppe steht fest, daß alle – so es Alter, Gesundheit, Verfügbarkeit  zulassen - einen weiteren Arbeitseinsatz unter OStFw Günter Schlüter ableisten werden.

 

Text und Fotos: Fhj d.R. Matthias Krebbers

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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