Bildungspartnerschaft zwischen Volksbund, Europaschule und Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund

5.095 sowjetische Kriegsopfer, die im Zweiten Weltkrieg in Dortmund umgekommen sind, haben auf dem Hauptfriedhof in Dortmund-Wambel ihre letzte Ruhestätte bekommen. Viele von ihnen waren Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Eingesetzt im Bergbau oder in der Montanindustrie mussten sie unter erbärmlichsten, menschenverachtenden Bedingungen leben.

Bis zum Jahr 2011 waren diese Kriegsopfer namenlos in Massengräbern auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Seit vier Jahren setzen sich Schüler der Europaschule in Kooperation mit dem Volksbund und der Steinwache Dortmund mit den Lebensumständen von Zwangsarbeitern in Dortmund auseinander. Anhand von Personalkarten arbeiten sie zu den Schicksalen dieser Menschen und erstellen Namensziegel aus Ton, die auf dem Friedhof angebracht werden. Darüber hinaus gestalten sie über das Projekt "Namensziegel" die jährliche Gedenkstunde der Stadt Dortmund zum Volkstrauertag mit, um an die Opfer der Krieg und Gewalt zu erinnern. 

Dieses einmalige Kooperationsprojekt schuf die Grundlage für eine langfristig angelegte Bildungspartnerschaft zwischen der Europaschule Dortmund, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache im Rahmen der Initiative "Bildungspartner NRW - Gedenkstätte und Schule". Diese wurde erst 2014 vom Schulministerium NRW ins Leben gerufen, um ebensolche Kooperationen zwischen erinnerungskulturellen Institutionen und Schulen zu fördern.

Am 05.05.2015 war es dann soweit: Europaschule, Volksbund und Steinwache unterzeichneten im Beisein von Schulministerin Sylvia Löhrmann eine Kooperationsvereinbarung, mit der sie nun auch offiziell ihre Bildungspartnerschaft besiegelten.

An diesem Tag öffnete die Europaschule ihre Türen und lud zwischen 10-12 Uhr zu einem besonderen Schulfest. Schüler aller Jahrgangsstufen hatten es sich zum Ziel gemacht, für 432 sowjetische Kriegsopfern, die 1945 umgekommen sind und bisher noch keine Namenskennzeichnung auf dem Friedhof in Wambel hatten, Namenziegel zu erstellen. 70 Jahr nach dem gewaltsamen Tod dieser Menschen wollen die Schüler den Verstorbenen so einen Teil ihrer Würde zurückgeben und ihnen Respekt entgegenbringen.

Die Europaschüler hatten sich für den 05.06. ein besonderes Programm ausgedacht. So wurde eine sehr eindrucksvolle Videobotschaft von Sergey Pavlovsky und seiner Frau Aleksandra Bassel gezeigt. Herr Pavlovsky ist Lehrer an einer Moskauer Schule und hatte im Februar 2015 erstmalig das Grab seines Onkels auf dem Dortmunder Hauptfriedhof besucht. Die etwa 130 Tonziegel, welche die Schüler auf dem Hauptfriedhof an drei Stelen bereits aufgestellt hatten, beeindruckten Herrn Pavlovsky sehr. Nach seinem Besuch in Deutschland setzte er sich mit der Europaschule in Verbindung, um den Schülern für ihr besonderes Engagement zu danken. Er beschreibt dieses als ein besonderes Zeichen von Völkerverständigung. Die Arbeit der Schüler hätte in ihm das Gefühl wach gerufen, nicht ein Fremder in dieser Stadt Dortmund zu sein, in dem sein Vorfahr unter grausamen Bedingungen leben und sterben musste. 

Im Anschluss an die Videobotschaft gab es einen Poetry Slam zum Thema Ausgrenzung. Danach hatten Justizminister Thomas Kutschaty und Schulministerin Silvia Löhrmann Gelegenheit, den Schülern und Schülerinnen bei der Erstellung der 432 Namensziegel über die Schulter zu schauen. Ein weiteres Highlight des Tages war eine Menschenkette entlang der Strecke von der Schule bis zu den sowjetischen Kriegsgräbern- hiermit setzten Schüler und Lehrer gemeinsam ein lebendiges und eindrucksvolles Zeichen für Frieden und Freiheit.

Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung pflanzten die geladenen Gäste einen Korbinienapfelbaum an den Gräbern der sowjetischen Kriegstoten. Die Schüler verlasen das Totengedenken in russischer und deutscher Sprache und Justizminister Kutschaty erinnerte in einer Ansprache an die Schicksale der Zwangsarbeiter und dankte den Schülern für ihr Engagement, das mit dem Abschluss der Bildungspartnerschaft auch für die Zukunft fortgesetzt wird. Nach einer Schweigeminute stiegen 100 bunte Ballons als ein Zeichen der Hoffnung auf Frieden in den blauen Sommerhimmel.     

Kein Titel

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